FRAGEN UND ANTWORTEN zum Apotheken-Streik am Mittwoch

Apotheken-Streik am Mittwoch: Mehr Vergütung, mehr Personal

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Lieferengpässe führen dazu, dass in Apotheken Patienten nicht jedes Medikament ausgehändigt werden kann. Durch die Streiks wollen die Apotheken auch mehr Kompetenzen zur Behebung von Engpässen erreichen.
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Die Apotheken in Deutschland fordern bessere Bedingungen und finanzielle Ausstattung für ihren Berufszweig.

Eschwege – Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, sind weitere Streiks geplant. Am Mittwoch, 15. November, sind auch Apotheken im Werra-Meißner-Kreis von der Schließung betroffen. Wir beantworten zusammen mit dem Sprecher der Apotheken im Kreis, Dr. Joachim Kirch, die aktuellen Fragen zu diesem Thema.

Was fordern die Apotheken eigentlich?

„Die Ziele des Protestes haben sich seit den Anfängen im Juni nicht wesentlich verändert“, sagt Kirch. Sie fordern eine Anhebung der Packungsvergütung und deren Dynamisierung durch jährliche Anpassung an die Kostenentwicklung, eine Bekämpfung des Fachkräftemangels durch vermehrte Ausbildung, eine wirkungsvolle Bekämpfung der Lieferengpässe bei Arzneimitteln und den Abbau von Bürokratie, Auflagen und der Überwachung derselben Sachverhalte durch verschiedene Prüfgremien.

Warum ist Fachkräftemangel bei den Apotheken besonders gravierend?

Es fehlen sowohl Apotheker und Apothekerinnen als auch pharmazeutisch-technische Assistentinnen. Es sollen laut Hessischem Apothekerverband HAV mehr Studiengänge an den Universitäten, mehr PTA-Schulen (Hessen hat derzeit nur zwei reguläre Schulen) und Motivation des Nachwuchses für die Arbeit in der öffentlichen Apotheke durch Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Vergütung angeboten werden. „Der Mangel an Fachkräften hat durch die Pläne des Bundesgesundheitsministers zur strukturellen Veränderung der Arzneimittelversorgung eine neue Brisanz gewonnen“, sagt Kirch. Gesundheitsminister Karl Lauterbach meine, dass die mögliche Gründung von sogenannten „Light-Apotheken“, die ohne Apotheker nur von PTA geführt werden sollen und weder Rezeptur oder Labor besitzen, noch einen Notdienst versehen sollen, die flächendeckende Versorgung verbessern kann. „Das stimmt nicht“, so Kirch.

Haben die Apotheker Hoffnung auf Erfolg?

Die Protestveranstaltungen der vergangenen Wochen und Monate fallen laut Kirch auf keinen fruchtbaren Boden. „Das Argument, eine Verbesserung der Vergütung sei nicht finanzierbar, ist beispielsweise fadenscheinig“, sagt Kirch. Für andere Berufe und Projekte im Gesundheitssystem sei Geld vorhanden. Mehr Zuspruch erfahre die Apothekerschaft aus der Bevölkerung. „Die Kunden sehen die Notwendigkeit der Apotheken und unterstützen uns“, sagt Kirch. Sie würden das Ärgernis der Lieferengpässe am eigenen Leib erfahren.

Wie wollen die Apotheken ihren Forderungen Nachdruck verleihen?

Durch Streik. Jeden Mittwoch im November werden die Apotheken in einer anderen Region (Nord, West, Ost, Süd) des Landes geschlossen bleiben – ergänzt jeweils durch eine zentrale Kundgebung. Die zentrale Kundgebung findet am Mittwoch in Dortmund statt. Der Hessische Apothekerverband hat Busse organisiert, die aus mehreren Städten (auch Kassel) die Protestler und ihre Mitarbeiter nach Dortmund fahren. Laut Aussage des HAV sind derzeit zehn Busse geplant.

Welche Auswirkungen hat der Streik im Werra-Meißner-Kreis?

Hessen gehört zur Region West und streikt damit am Mittwoch, 15. November. „Die meisten Apotheken im Werra-Meissner-Kreis werden dem Streikaufruf folgen und die Apotheken am Mittwoch geschlossen halten“, sagt Kirch.

Was ist, wenn ich Mittwoch dringend Medikamente benötige?

Die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung ist durch die Notdienst-Apotheken gesichert. In Eschwege ist das beispielsweise die Löwen- Apotheke, Am Bahnhof 11. (Tobias Stück)

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