Kaufungen

Heizen mit Biomasse statt mit Gas: Mehrzweckstudie erstellt Pläne für Nahwärmenetz in Oberkaufungen

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Klimaschutzmanager Timo Kuhrau vor dem Rathaus in Kaufungen. Auch die Gemeindeverwaltung in Oberkaufungen könnte in Zukunft an das Nahwärmenetz angeschlossen werden.
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Statt mit Gas sollen kommunale Gebäude in Kaufungen klimaneutral beheizt werden. Hintergrund ist, dass es viele Bauten mit hohem Energiebedarf gibt.

Kaufungen – Statt mit Gas sollen kommunale Gebäude in Kaufungen zukünftig klimaneutral beheizt werden. Mit diesem Ziel entwickelte sich in der Gemeinde schon 2021 die Idee, in Oberkaufungen ein Nahwärmenetz zu errichten. Hintergrund ist laut Klimaschutzmanager Timo Kuhrau, dass es im Altdorf Oberkaufungen zum Beispiel mit der Kindertagesstätte Zur schönen Aussicht, dem Regionalmuseum, der Ernst-Abbe-Schule sowie den Gebäuden des Ritterschaftlichen Stifts und der Kirche zahlreiche Bauten mit hohem Energiebedarf gibt. Ein Nahwärmenetz könnte diese über Leitungen miteinander verbinden und alle Gebäude mit dem heißen Wasser aus einer nahe gelegenen Heizzentrale versorgen.

Seit Dezember lässt die Gemeinde eine Machbarkeitsstudie durchführen, die ermitteln soll, wie ein solches Nahwärmenetz aussehen könnte. Eine der zu klärenden Fragen ist zum Beispiel, auf welche Weise in der Heizzentrale Wärme produziert werden soll. Kuhrau sagt: „Momentan gehen wir von Energieerzeugung mit holziger Biomasse aus und prüfen, ob eine Unterstützung durch Solarthermie möglich ist.“

Geheizt wird in Kaufungen durch Holzreste

Geheizt werden, würde dann durch die Verbrennung von Holzresten, die zum Beispiel in Wäldern oder der Landschaftspflege anfallen. „Das ist nachwachsend und steht immer zur Verfügung“, sagt Kuhrau. Derzeit würden Holzreste aus dem Landkreis zum Beispiel im Entsorgungszentrum in Lohfelden abgegeben und müssten von dort teils in weit entfernte Heizwerke weitertransportiert werden. Eine lokale Verwertung wäre umweltfreundlicher.

Solche Leitungen könnten zukünftig in Kaufungen verlegt werden.

Wo eine solche Heizzentrale stehen könnte, ist laut Bürgermeister Arnim Roß (SPD) noch unklar. Offen ist auch noch die Frage nach dem Betreiber. Infrage käme laut Kuhrau beispielsweise das Gemeindewerk.

Prüfen soll die Machbarkeitsstudie zudem, welche Gebäude an das Netz angeschlossen werden sollten. Denkbar ist zum Beispiel, dass die Leitungen bis zum Rathaus verlegt werden. Bei der Planung soll laut Roß und Kuhrau zudem der Bedarf von Wohnhäusern wie zum Beispiel denen in der Pommernstraße berücksichtigt werden.

Damit von dem Nahwärmenetz möglichst viele Haushalte profitieren, erhebt die Gemeinde laut Klimaschutzmanager Kuhrau derzeit, welche Haushalte Interesse an einem Anschluss hätten.

Kaufungen will Nahwärmenetz

Timo Kuhrau hofft, dass den Gemeindevertretern als Ergebnis der Machbarkeitsstudie im Herbst mehrere Varianten für ein Nahwärmenetz in Oberkaufungen vorgeschlagen werden können.

Bedingung dafür, dass es zur Umsetzung kommt, ist laut Roß, dass dies auch wirtschaftlich ist. Kuhrau ist diesbezüglich optimistisch: „Ich halte das für sehr, sehr wahrscheinlich.“ Das Altdorf Oberkaufungen biete sich wegen der vielen kommunalen Gebäude mit hohem Energiebedarf für ein Nahwärmenetz an. Vorteilhaft sei ein Nahwärmenetz in dem Gebiet zudem wegen der zahlreichen Fachwerkhäuser in dem Bereich. Für diese schwer zu sanierenden Gebäude sei die Nutzung von Wärmepumpen häufig ineffizient und ein Nahwärmenetz deshalb eine gute Möglichkeit, klimaneutral zu Heizen.

Kuhrau sagt, die Rückmeldungen, die er zu dem Projekt bisher bekomme, seien positiv. Bei etwa einem Viertel der Gebäude in dem Gebiet wüsste er bereits, dass Interesse an einer Anbindung ans Netz besteht. „Wenn alles richtig gut läuft, könnte das Nahwärmenetz 2027/2028 fertig sein.“ Er hofft, dass sich dadurch in Oberkaufungen jährlich 700 bis 800 Tonnen CO2 einsparen lassen. (Maike Lorenz)

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