Tropische Vogelpracht im Werratal

Bienenfresser brütet erstmals im Werra-Meißner-Kreis

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Mit Artgenossen sitzen Bienenfresser gerne auf Leitungen, Ästen oder – wie hier – einem Stacheldrahtzaun.

BLICKPUNKT WERRA-MEISSNER Bienenfresser brütet erstmals im Kreis

Die Mitarbeiter des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land staunten nicht schlecht, als sie Mitte Mai bunte Zugvögel im Werratal entdeckten. Erstmals brüten Bienenfresser im Werra-Meißner-Kreis

Tropisch bunt und mit lauten Rufen präsentierten sich im Mai die Bienenfresser im Werratal. Mit gar nicht mal so kleinen 27 bis 30 Zentimetern fiel er den Mitarbeitern des Geo-Naturparks Frau-Holle-Land schnell ins Auge. Ein Novum, denn noch nie hat diese Vogelart im heutigen Werra-Meißner-Kreis gebrütet. Daher dachte man zunächst natürlich auch, nur einen ziehenden Trupp beobachtet zu haben. Bald aber stellte sich heraus, dass die Bienenfresser gekommen waren, um im Werratal zu bleiben.

Bienenfresser in Deutschland

Erst seit dem 17. Jahrhundert ist überhaupt das Auftreten von Bienenfressern in Deutschland dokumentiert. Und es dauerte bis Mitte des 19. Jahrhunderts, bis die Art gelegentlich am Oberrhein (Kaiserstuhl), an der Donau und in Franken brütete. Weitere, fast 150 Jahre vergingen, bis sich Bienenfresser ab 1982 dauerhaft zuerst am Oberrhein und im Saaletal ansiedelten. Im Jahr 2023 brüteten schon 4135 Bienenfresserpaare in Deutschland, davon mehr als die Hälfte in Sachsen-Anhalt.

Bienenfresser in Hessen

Auch in Hessen waren Bienenfresser lange Zeit keine Brutvögel. Nur 1889 hat einmal ein Paar bei Ziegenhain gebrütet. Die nächsten Ansiedlungen gab es dann erst wieder in den 1990er Jahren, und seit 2014 brüten Bienenfresser alljährlich in Hessen. Bis 2024 stieg die Zahl der Brutpaare auf 75 an, die sich auf 17 Einzelvorkommen verteilen. Im Jahr zuvor (2023) waren es nur 46 Brutpaare gewesen. Der starke Anstieg überrascht, da 2024 ein sehr nasses Jahr war. Die größte, hessische Kolonie im Edertal bei Felsberg hat 15 Brutpaare. 2024 haben in 14 hessischen Landkreisen Bienenfresser gebrütet. Die meisten Ansiedlungen umfassen aber nur wenige Brutpaare.

Lebensraum und Lebensweise

Der Europäische Bienenfresser (Merops apiaster) gehört zur Vogelfamilie der Bienenfresser oder Spinte (Meropidae), die mit 31 Arten in drei Gattungen schwerpunktmäßig in Afrika, West- und Südeuropa, Südasien und Australien verbreitet ist.

Das Federkleid von beinahe exotischer Farbenpracht macht die Bienenfresser unverwechselbar. Sie haben eine leuchtend gelbe Kehle, eine bläuliche Unterseite und eine rotbraune Färbung vom Scheitel über den Rücken bis zu den Flügeln.

Das Verbreitungsgebiet des Europäischen Bienenfressers reicht von Süd- und Südosteuropa nordwärts bis Südostpolen und weiter nach Südwest- und Vorderasien. Es schießt Nordwestafrika ein, im südlichen Afrika gibt es ein zweites Brutgebiet.

Bienenfresser sind Langstreckenzieher, die erst Mitte Mai aus dem Winterquartier im südlichen Afrika zurückkehren. Sie sind eine sehr wärmeliebende Art und benötigen eine halboffene, abwechslungsreiche und insektenreiche Landschaft. Daher ist es keine Überraschung, dass sich Bienenfresser nun auch im klimatisch begünstigten Werratal angesiedelt haben.

Der Sontraer Vogelkundler und -fotograf Manfred Schleuning hat die bunten Zugvögel im Werratal abgelichtet.

Die Vögel übernachten an gemeinsamen Schlafplätzen, meist in Baumgruppen. Außerdem sitzen sie mit Artgenossen gerne auf Leitungen, Ästen und Vorsprüngen. In vielen Kolonien gibt es auch Nichtbrüter, die bei der Jungenaufzucht helfen. Bienenfresser brüten dort, wo sie in lockerem Boden eine bis zu 1,5 Meter lange Brutröhre graben können. Dies können Sand-, Lehm- oder Kiesgruben, Bergbaufolgelandschaften, aber auch einfache Mutterbodenhaufen sein. Die Vögel haben eine hohe Fluchtdistanz und sind besonders am Brutplatz sehr störungsanfällig.

Gefährdet sind die Brutplätze durch Abgrabungen oder Verfüllungen während der Brutzeit, aber auch durch Störungen am Brutplatz. Schlafplatzzählungen haben ergeben, dass in Hessen im Jahr 2023 zirka drei Jungvögel pro Paar flügge geworden sind. Im August verlassen die Bienenfresser das Brutgebiet wieder.

Bienenfresser erbeuten bevorzugt große Fluginsekten (beispielsweise Heuschrecken, Libellen, Wespen, Hummeln, Bienen) in einem kurzen, rasanten, meist von einem Ansitz aus gestarteten Jagdflug. Die Beute verspeisen sie dann nach Rückkehr zur Warte. Dort entleeren sie auch – falls vorhanden – die Giftdrüse ihrer Beute, indem sie Stachel und Körper der Insekten auf eine Unterlage schlagen. Bereits Anfang August hatten die Bienenfresser das Werratal wieder verlassen.

Natürlich hoffen alle Vogelkundler und Naturschützer auf eine Rückkehr der fliegenden Edelsteine im nächsten Frühjahr. DR. JÖRG BRAUNEIS/red tli

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