Bürgermeisterwahl Melsungen

Bürgermeisterkandidat Martin Krüger im Porträt: Nicht meckern, sondern machen

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Ein eingespieltes Team: Martin Krüger steht mit seinem Sohn Konrad Krüger (14) am Tischfußballtisch. Beide wohnen in Melsungen am Marktplatz – mit Blick aufs Rathaus.
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Martin Krüger kandidiert am 1. Dezember 2024 als Bürgermeister für Melsungen. Der 50-Jährige mit norddeutschen Wurzeln sieht sich als Mensch, der zu seinem Wort steht.

Melsungen – Eigentlich sei sein Sohn Konrad verantwortlich für die Kandidatur, sagt Martin Krüger. Der 50-jährige Diplom-Ökonom ist der dritte Kandidat, den wir vorstellen. Krüger ist alleinerziehend. Wenn er mit seinem Sohn Konrad am Esstisch sitzt, können beide durchs Fenster auf das Rathaus blicken. „Ich habe auch in Hamburg sehr zentral gewohnt“, sagt Krüger. Die norddeutschen Wurzeln kann Krüger nicht leugnen. Hanseatisch steht für nüchternen Pragmatismus und eine offene Welthaltung. Das deckt sich mit dem, was Krüger für Melsungen vorhat, was ihn dazu bewogen hat, zu kandidieren.

Glaubwürdigkeit und Engagement vorleben

„Wir waren in den Ferien und mein Sohn hat festgestellt, dass ich viel meckere“, erinnert sich Krüger. Gleichzeitig habe er dem 14-Jährigen Vorhaltungen gemacht, wie dieser mit seiner Unzufriedenheit umzugehen habe. „Ich habe gesagt, dann soll er sich engagieren, Klassensprecher werden oder so etwas.“ Das habe er natürlich zurückgespielt bekommen: „Die Wahl in Melsungen kam da natürlich gerade recht.“ Nach einer zweiwöchigen Bedenkzeit habe er für sich entschieden, es zu machen.

Er habe viele Gründe gefunden, es nicht zu tun: Eine Kandidatur koste viel Geld, er habe ohnehin keine Chance und so weiter. „Mir ging es aber auch um die Glaubwürdigkeit vor meinem Sohn. Wir müssen vorleben, was wir fordern.“

Den Menschen zuhören und Dinge verändern

Er stehe neuen Dingen sehr offen gegenüber: Von der Kandidatur trennten ihn aber 74 Stimmen von Unterstützern. „Ich habe meinen Tisch runtergetragen und damit gerechnet, dass ich belächelt oder kritisiert werde.“

Aber das Gegenteil sei der Fall gewesen. Es seien Leute an seinen Tisch gekommen, offen und interessiert. Einige hätten zwar gesagt, dass sie ihn wohl nicht wählen, aber schon aus demokratischer Sicht seine Kandidatur gutheißen und unterschrieben.

Wahlkampf

Martin Krüger zahlt den Wahlkampf selbst. Sein Budget: 2500 Euro. Das habe er noch nicht ausgeschöpft. Mit seinem Sohn habe er 300 Plakate aufgehängt. 10 000 Flyer hat er machen lassen und verteilt diese – auch in den Stadtteilen. Er ist donnerstags und samstags auf dem Marktplatz anzutreffen.

Das habe ihn schließlich überzeugt, das Richtige zu tun. „Menschen kommen an meinen Stand und erzählen und schätzen, dass ich zuhöre“, sagt Martin Krüger. Die Kandidatur lohne sich seiner Meinung nach schon für diese Menschen.

„Auch in Melsungen gibt es abgehängte Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund, die sich bisher nicht abgeholt fühlten.“ Auch diesen Menschen wolle er eine Stimme geben: „Ich möchte keine Politik machen, ich möchte Dinge verändern.“ Er sehe sich als direkten Vertreter der Menschen hier. „Vor allem aber zerren an mir keine Parteien herum“, sagt Krüger.

Es brauche mehr Transparenz in den Entscheidungen und die Menschen wollen für voll genommen werden, sie wollen erklärt bekommen, was passiert.

„Zuhören ist wichtig, eine dicke Haut zu haben ist wichtig und immer Demokrat zu sein ist wichtig.“ Jeder sollte die Möglichkeit haben, etwas zu verändern. „Ich möchte es probieren und ich möchte, dass mein Sohn stolz ist.“ Krüger hat auch eine Tochter, die lebt bei der Mutter.

Zuhause steht Teamwork auf dem Programm

Zuhause bei den Krügers sieht vieles nach Teamwork aus. Kochen, putzen und an den Abenden spielen oder kickern – die beiden haben sich gut arrangiert. Aktuell probieren sie aus, wie es ist, das Auto stehen zu lassen. „Ich bin keine 50 Kilometer gefahren dieses Jahr.“ Viele Wege machen sie mit dem Stadtbus. Zum Fußballtraining nach Malsfeld wird Konrad mitgenommen. Martin Krüger wäscht dafür auch mal die Mannschaftswäsche. Das klappe erstaunlich gut, bilanziert Krüger.

Konrad schlägt seinem Vater auf die Schulter: „Ich finde es gut, was du machst.“ Er habe ein anderes Verständnis für Demokratie bekommen. Der Sohn sitzt auch mit am Tisch, wenn Vater Martin das Gespräch sucht. Traurig finde er dabei, dass es Menschen gebe, die einfach alles kritisierten und mit allem unzufrieden seien. Dürfte er sich was wünschen, wäre es wohl ein Kino und ein Fest für Jugendliche mit Sport, Spaß und Action. Vielleicht könnten die Schulen ja dabei helfen. (Damai D. Dewert)

Zur Person

Martin Krüger (50) wurde am 18. Dezember 1973 in Hamburg geboren. Er schloss dort nach dem Abitur sein Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften ab. Gemeinsam mit seiner Schwester machte er sich bereits während des Studiums selbstständig. Die Geschwister gründeten ein Beratungsunternehmen für Gesundheitsmanagement. Er bliebt der Branche treu. Mit seiner Ex-Frau kam er 2008 nach Nordhessen. Seit dem wohnt er auch in Melsungen. Krüger war in verschiedenen verantwortlichen Positionen im Gesundheitswesen tätig – zum Beispiel als kaufmännischer Leiter einer Kurklinik und von Medizinischen Versorgungszentren. Aktuell macht er ein Sabbatical auf eigene Kosten und möchte sich beruflich neu orientieren.

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