VonLaurenz Hiobschließen
Überrascht, irritiert und teilweise sogar geschockt haben die Kirchenmitglieder der Pfarrei Heilige Maria Magdalena auf die Nachricht reagiert, dass Kaplan Thorstein Thomann aus dem priesterlichen Dienst ausgeschieden und inzwischen sogar schon verheiratet ist.
Nüsttal/Hünfeld - Die Kirchgänger waren am Sonntag in den Gottesdiensten der Pfarrei informiert worden, außerdem wurde das Ausscheiden Thomanns in einer Sonderausgabe des Pfarrbriefs thematisiert. Diese Sonderausgabe war notwendig geworden, weil durch die Vakanz die Gottesdienstordnung geändert werden musste. In der Ausgabe verabschiedet sich Kaplan Thorstein Thomann persönlich. Außerdem nimmt Pfarrer Dr. Michael Müller darin Stellung, der den Verlust des Seelsorgers bedauert, aber der Entscheidung Respekt zollt.
Bistum reagiert auf Heirat von Hünfelder Kaplan Thorstein Thomann
Weil Thomann „in seinem Urlaub standesamtlich geheiratet hat, ist er mit Datum vom 15. August aus dem priesterlichen Dienst ausgeschieden“, bestätigt die Pressestelle des Bistums Fulda auf Nachfrage unserer Zeitung. Die Bistumsleitung sei vorab informiert gewesen, mittlerweile liege die Eheurkunde vor. „Nach Kirchenrecht ist damit ein Dienst als Priester nicht weiter möglich“, schreibt die Pressestelle des Bistums.
Thomann habe die Gläubigen in der Hünfelder Pfarrei seit 29. November 2020 als Kaplan durch Wort und Sakrament, durch Gespräch und gemeinsame Arbeit auf ihrem Lebens- und Glaubensweg begleitet. Er war am 3. Juni 2017 durch Bischof Heinz Josef Algermissen im Fuldaer Dom zum Priester geweiht worden. Ab August 2017 hatte er mehrere Kaplanstellen im Bistum Fulda inne.
„Nun hat er sich aus persönlichen Gründen entschieden, nicht mehr in der zölibatären Lebensform zu leben“, heißt es vom Bistum. In mehreren Gesprächen habe der Kaplan betont, dass er sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Das Bistum Fulda bedauert, einen Seelsorger zu verlieren: „Gleichwohl respektieren wir seine sehr persönliche Lebensentscheidung. Wir danken Thorstein Thomann für seine Tätigkeit in unserem Bistum und wünschen ihm Gottes Segen auf seinem weiteren Lebensweg.“
Die Entscheidung von Kaplan Thomann verdient Respekt. Wir wünschen ihm für seinen Weg und den Neuanfang, gemeinsam mit seiner Frau, alles Gute und Gottes Segen.
Zwei Fragen treiben derweil die Kirchgänger in Nüsttal, wo Thomann wohnt, und der Pfarrei Heilige Maria Magdalena in Hünfeld um: Warum haben wir davon nichts mitbekommen? Und wie geht es jetzt weiter in der Kirche vor Ort? Denn die Stelle von Kaplan Thorstein Thomann wird nicht nachbesetzt: „Für den ausgeschiedenen Kaplan wird es keinen Ersatz geben“, schreibt Müller im Pfarrbrief.
Wer im Umfeld recherchiert, hört immer wieder: „Wir wussten davon nichts.“ Oder: „Als der Pfarrbrief am Dienstag rauskam, ging das rum, wie ein Lauffeuer.“ Kaplan Thomann, den unsere Zeitung leider nicht persönlich für ein Gespräch erreicht hat, sei ein ruhiger, zurückhaltender und fleißiger Seelsorger gewesen. „Der hat immer einen so schönen Gottesdienst gefeiert“, berichtet ein älteres Ehepaar, das regelmäßig in die Kirche geht und sichtlich geschockt von der Messe heimkehrte und noch lange an dieser Nachricht zu knabbern hatte.
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Gerüchte, dass Thomanns Ausscheiden aus dem Kirchendienst eine Frage der Zeit gewesen sei, entbehren aber wohl jeder Grundlage: Mehrere Stimmen äußerten sich diesbezüglich unmissverständlich, obwohl sich freilich niemand namentlich in der Zeitung zitieren lassen möchte: „Dass sich ein Konflikt mit dem Zölibat ergeben könnte, hat sich nicht abgezeichnet“, sagte einer, der ihn mehrfach persönlich erlebt hat auch abseits der Kirche.
Pfarrer Müller räumt ein, dass es „viele Fragen noch zu klären gibt“. Kurzfristig sei eine neue Gottesdienstordnung entschieden worden. „Da der Kirchenbesuch auch in unseren Kirchorten in und nach der Pandemie stark zurückgegangen ist, war ohnehin eine Überarbeitung der Gottesdienstordnung geplant.“
