Spektakel über Kassel und Nordhessen: 280.000 Kraniche kommen – Experte mit Bitte an die Bevölkerung
VonFlorian Dörr
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Die Kraniche ziehen wieder über Kassel und Nordhessen hinweg. Bis zu 280.000 dieser majestätischen Vögel werden erwartet. Besonders bei günstigen Wetterbedingungen bieten sie ein beeindruckendes Schauspiel.
Kassel – Seit einigen Tagen bereits kann man das beeindruckende Schauspiel der ziehenden Kraniche am Himmel über Kassel und Nordhessen beobachten. Aufmerksame Naturfreunde haben bereits die ersten Schwärme des trompetenden „Glücksvogels“ gesichtet.
Hessen liegt auf einer Hauptzugroute der Kraniche, die von den Winterquartieren in Nordfrankreich und Spanien zu ihren Brutgebieten in Ostdeutschland und Nordeuropa ziehen. Und so ist auch in Kassel und Nordhessen das Spektakel am Himmel zu beobachten. In den kommenden Wochen werden bis zu 280.000 Kraniche über Hessen hinwegfliegen, erklärt NABU-Kranichexperte Bernd Petri. Besonders bei südwestlichen Winden und sonnigem Wetter sind sie gut zu beobachten, da sie sich dann vom Wind tragen lassen und Energie sparen. An solchen Tagen starten sie früh morgens in großen Schwärmen, ziehen vor allem die Rheinebene entlang und weiter über Mittel- und Osthessen in Richtung Weser. Dabei erreichen sie Geschwindigkeiten von 50 bis 70 Stundenkilometern.
Kraniche über Kassel und Nordhessen besonders bei gutem Wetter zu sehen
Bei schlechtem, regnerischem Wetter suchen Kraniche auf ihrem Weg über Kassel und Nordhessen in den hohen Norden manchmal Rastplätze in Hessen auf, um sich vom anstrengenden Flug zu erholen und Nahrung aufzunehmen. Der Biologe Petri bittet alle Naturbeobachter um Rücksichtnahme: „An den Rastplätzen sollte man einen Abstand von 300 Meter einhalten, um erschöpfte Tiere nicht unnötig zu beunruhigen.“
Typische Rastgebiete in Hessen sind die Auen von Rhein und Main, die Wetterau sowie die Flusstäler von Werra, Fulda, Lahn und Eder. „Je mehr Daten wir über das Zugverhalten der Kraniche erhalten, desto besser können wir vor Ort Schutzmaßnahmen ergreifen – zum Beispiel für Rastplätze in Hessens Flussauen und Feuchtgebieten“, ergänzt Petri.
„Die Zahl der Kraniche hat sich in den letzten dreißig Jahren verzehnfacht“, erklärt Petri. Diese starke Zunahme sei vor allem auf verkürzte Zugwege und einen großen Bruterfolg zurückzuführen. Durch die Klimaerwärmung sei es für viele Kraniche nicht mehr notwendig, im Winter bis nach Südspanien oder Nordafrika zu ziehen. Viele Vögel überwintern an großen Seengebieten wie dem Marne-Stausee in Nordfrankreich. Für Naturbeobachter nicht nur in Kassel und Nordhessen sind ziehende Kraniche an ihrer keilförmigen Formation und den trompetenartigen Rufen zu erkennen. Bei günstigen Flugbedingungen ziehen die bis zu 1,30 Meter großen Tiere, die ihre Flügel bis zu 2,40 Meter weit aufspannen können, ohne Zwischenhalt von Nordfrankreich bis nach Ostdeutschland.
Hessens Sonnenmomente: Die schönsten Lichtblicke aus der Region
Der NABU Hessen fordert dazu auf, alle Kranich-Sichtungen online auf www.kranich-hessen.de zu melden. Auf dieser Webseite sind auch alle bisherigen Beobachtungen des Jahres einsehbar.