Alexander Feiertag (60, nach eigenen Angaben aber ewige 29) ist Geschäftsführer des Arbeitskreises Open Flair. Feiertag war maßgeblich an der Entstehung des Festivals im Jahr 1985 beteiligt. In Kassel hat er Stadt- und Landschaftsplanung studiert, was er mit dem Diplom abschloss. Sein erster Festivalbesuch war in Mainz das Open-Ohr-Festival. In diesem Jahr feiert er den 40. Geburtstag seines Eschweger Kultfestivals.
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Wir haben mit Alexander Feiertag über den 40. Geburtstag seines Open-Flair-Festivals gesprochen. Vom 7. bis 11. August findet es wieder in Eschwege statt.
Eschwege - Jedes Jahr verwandelt sich Eschwege in eine Pilgerstadt für Musikfans: Bereits seit 1985 findet das Open-Flair-Festival statt. In diesem Jahr feiert Hessens größtes Open-Air-Festival Geburtstag. Zum 40. Mal findet das genreübergreifende Festival statt; vom 7. bis 11. August, jedes Jahr am zweiten Augustwochenende. Wir haben mit Festival-Vater Alexander Feiertag darüber gesprochen, was für den runden Geburtstag auf dem Plan steht und wie sich das Flair über die Jahre verändert hat.
Herr Feiertag, runde Geburtstage feiert man bekanntlich groß. Wie viel Party-Potenzial hat das Flair in diesem Jahr?
Wir haben ein volles Programm wie noch nie und tolle Headliner dieses Jahr, unter anderem Alligatoah, die Beatsteaks, Deichkind, Rise Against, Madsen und Nina Chuba. Da sollte fette Stimmung aufkommen.
Haben Sie einen persönlichen Favoriten?
Nein, ich freue mich aber ganz besonders, dass Madsen aktuell zum siebten Mal beim Flair dabei sind, das erste Mal in 2005. Das hat schon Kultfaktor.
Fast alle Headliner sind schon lange im Geschäft, Nina Chuba sticht da ziemlich raus ...
Wir sind kein Spartenfestival, also auf keine Musikrichtung festgelegt, und holen mit jungen Acts wie Nina Chuba noch mal andere Musikfans ab als mit alten Hasen wie beispielsweise den Beatsteaks. Und darüber hinaus ist Nina Chuba aktuell ja sehr beliebt. Wichtig ist uns dabei aber, dass wir das Programm des Open Flairs jedes Jahr weiterentwickeln, neue Stilrichtungen und Genres einbinden, eben auch aktuell bleiben. Nur so lebt das Open Flair weiter, das haben wir gelernt, nachdem wir zweimal fast pleite waren.
Die ersten Open- Flair-Festivals standen unter einem Motto. Wird es das irgendwann wieder geben?
Ja. „Macht die Provinz bunt und lebendig!“ war unser Motto, unter dem wir das erste Open-Flair-Festival starteten. Unsere Region klebte am Zaun zur DDR, wir waren abgehängt von allem, was in der Bundesrepublik geschah, und so wollten wir mit dem Open Flair unseren Lebensraum weiterentwickeln. Das Festival der Region, wie es auf unseren Plakaten zu lesen war, stellten wir von Jahr zu Jahr unter ein Motto: „Eigenständige Regionalentwicklung“, „BRD – DDR“, „Europa“, und so weiter. Talkshows, Workshops, Tagungen und Theaterprojekte waren Bestandteil des Programms. Mittlerweile liegt unsere Region mittendrin in Deutschland, in Europa. Provinz sind wir ja irgendwie immer noch, aber: Wenn wir heute jedes Jahr an die zweite Augustwoche denken, dann wissen wir, wie bunt und lebendig Provinz sein kann.
Wie steht’s in diesem Jahr um die Kleinkunst?
Ich glaube, im Kleinkunstzelt haben wir dieses Jahr so viele Acts wie noch nie. Auch hier haben wir bekannte Größen wie Florian Schroeder, Rainald Grebe und Eure Mütter im Programm. Aber auch Acts wie El Hotzo oder Siegfried und Joy, die popkulturell gerade richtig groß sind. Der Open-Flair-Slam darf natürlich auch nicht fehlen.
Voriges Jahr hat der Coworking-Space Premiere gefeiert. Wird es den wieder geben?
Der Coworking-Space ist im vergangenen Jahr tatsächlich aus einer spontanen Idee geboren worden. Er kam so gut an, dass wir ihn auch in diesem Jahr wieder anbieten werden – im alten Awo-Gebäude an der Mangelgasse. Wer dort zwischendurch während der Festivaltage arbeiten möchte, muss sich vorher bei uns anmelden.
Seit Corona gab es in der Veranstaltungsbranche viele Engpässe. Wie sieht’s in diesem Jahr aus?
Nach Corona hat sich noch nicht alles wieder eingeregelt. Zum Beispiel benötigen wir für unsere Bühnen spezielles Fachpersonal. Rigger – also Kletterer – die während, vor und nach den jeweiligen Konzerten im Bühnendach umherklettern und Scheinwerfer oder etwa Motoren umhängen, neu einstellen und so weiter. Wir mussten in diesem Jahr wieder – vor Corona war das kein Problem – ein Rigging-Team aus Litauen dazubuchen, weil in Deutschland im Sommer nicht mehr ausreichend diesbezügliches Fachpersonal zur Verfügung steht. Abgesehen davon, haben sich die Preise in diesem Bereich verdoppelt.
Gibt es für den Flair-Geburtstag besonderes Merchandise?
Na klar. Es wird ein Sticker-Sammelalbum geben, wie man es von großen Fußballturnieren kennt. Das Heft zum Einkleben (19,99 Euro) hat Platz für 140 Sticker. Die gibt es immer im Viererpack (1 Euro). Als Sticker-Motive gibt es viele Bilder aus der Flair-Geschichte, aber auch Teamfotos und alte Flair-Plakate. Außerdem sind in dem Heft noch Infos zur Historie unseres Festivals.
Und dann können auf dem Campingplatz Sticker getauscht werden?
Getauscht werden kann natürlich überall auf dem Festivalgelände. Wir bieten im Flair-Garten allerdings eine Tauschbörse an, den Tausch-Garten.
Und musikalisch?
Musikalisch gibt es was ganz Besonderes: die exklusive Open-Flair-Jubiläums-Compilation mit einem musikalischen Querschnitt durch vierzig Jahre Festival-Geschichte. Auf Vinyl als Doppel-LP. Mit dabei sind Künstler wie Rio Reiser, The Bates, Fettes Brot, Bela B, Die Toten Hosen, Donots, Monsters of Liedermaching, Kraftklub. Die Auswahl der Songs hat riesig Spaß gemacht und wir sind richtig glücklich, dass wir die Zusage von so vielen Künstlern bekommen haben, ihre Songs auf unserer Compilation pressen zu dürfen.
Wo kann man die Schallplatten kaufen?
Man kann die LP einzeln (40 Euro) oder in einer Box (65 bis 115 Euro), die sieht übrigens aus wie eine typische Festival-Grillkiste, online bestellen. Die Box beinhaltet ein exklusives Booklet, einen Postkartenblock, ein Jubiläumsposter, zwei Patches zum Aufnähen, ein 40-Jahre-Open-Flair-Bändchen und noch die ein oder andere kleine Überraschung. Optional kann man auch ein 40-Jahre-Geburtstags-Shirt/Hoodie mit Druck und Sticker dazubestellen. Außerdem kommen die ersten 500 Boxen mit einer limitierten Splatter-Vinyl in Rot/Weiß. Die Box wird es nur online und nicht auf dem Festival zu kaufen geben.
Für die Festivalfans wichtig zu wissen: Gibt es noch Tickets?
Es gibt nur noch wenige Tickets und wir gehen davon aus, dass wir noch vor dem Johannisfest ausverkauft sein werden. Aktuell haben wir noch rund 50 Tickets übrig, allerdings fangen wir jetzt an, die nicht bezahlten Karten zu stornieren. Die kommen dann zurück in den Verkauf. Das müssten noch mal gut 500 Stück sein.
Sie haben nun 40 mal das Open Flair organisiert. Wie lange wollen Sie noch weitermachen?
Ich will locker noch 40 weitere Open Flairs planen und veranstalten. Ans Aufhören denke ich aktuell noch überhaupt nicht – nur an meinen anstehenden Urlaub während des Fesitvals. (Theresa Lippe)
