- VonGerd Henkeschließen
Gut zwei Wochen nach dem schweren Unwetter will das Regierungspräsidium Kassel eine Finanzhilfe-Aktion auf den Weg bringen.
Kreis Kassel – Anfang August hat ein Unwetter mit enormen Regenfällen im nördlichen Landkreis Kassel Schäden mit bis dahin nicht gekannten Ausmaßen angerichtet. Besonders betroffen waren die Trendelburger Stadtteile Gottsbüren und Wülmersen. Aber auch Ortsteile von Wesertal, Reinhardshagen, Bad Karlshafen und Hofgeismar blieben von den Wassermassen nicht verschont. Zur Milderung außergewöhnlicher Notlagen infolge des verheerenden Unwetters hat jetzt das Regierungspräsidium Kassel eine Finanzhilfeaktion gestartet.
Die Hilfsaktion hat das Hessische Ministerium des Innern, für Sicherheit und Heimatschutz (HMdI) gebilligt. Den Antrag dazu hatte der Landkreis Kassel gestellt. Rechtliche Grundlage dafür ist die „Elementarschäden-Richtlinie“ des Landes Hessen.
Mit der Finanzhilfeaktion unterstütze das Land die Menschen im Unwettergebiet zügig und unkompliziert, erklärt Innenminister Roman Poseck. Nun könnten die durch den Starkregen entstandenen wirtschaftlichen Folgen abgefedert werden.
Kommission soll Schäden bewerten
Der Landkreis Kassel richtet nun eine Schadenskommission ein. Diese bewertet die entstandenen Schäden in den betroffenen Städten und Gemeinden. Das Regierungspräsidium erstellt nach erfolgter Prüfung die Bewilligungsbescheide und über nimmt die Abwicklung. Die Antragsfrist läuft ab jetzt vier Wochen lang. Geschädigte können nun bis zum 22. September ihre Anträge stellen.
Hilfen können nicht nur Privatpersonen beantragen, auch für Schäden an landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betrieben können Finanzhilfen beantragt werden. Die staatliche Hilfe ist eine sogenannte Billigkeitsmaßnahme. Sie ist keine Entschädigung des erlittenen Schadens. Es besteht kein Rechtsanspruch.
Unterdessen gehen die Aufräum- und Reparaturarbeiten mit Hochdruck weiter. Für die Stadt Trendelburg und den Landkreis habe die Wiederherstellung der Straßen Priorität, sagt Bürgermeister Manuel Zeich.Betroffene richten ihre Anträge schriftlich an den Kreisausschuss des Landkreises Kassel, Wilhelmshöher Allee 19-21, 34117 Kassel. Stichwort: „Finanzhilfeaktion“. Der Landkreis hat ein Servicetelefon geschaltet. Unter 0561/1003-1800 ist es montags bis donnerstags, von 8 bis 15 Uhr zu erreichen, freitags von 8 bis 12 Uhr. Schriftliche Anfragen sind zu richten an finanzhilfe@landkreiskassel.de
Bürgermeister lobt Zusammenhalt nach Unwetter
Die finanziellen Landeshilfen für die Opfer der Unwetterkatastrophe sind nicht limitiert. „Das Budget ist nicht gedeckelt“, stellte Innenminister Roman Poseck gestern im Regierungspräsidium Kassel fest. „Das Land lässt die Menschen nicht im Regen stehen.“ Neben Hilfen für Privatpersonen und Firmen sollten auch die betroffenen Kommunen unterstützt werden. Zur Zahl der möglichen Anträge gebe es noch keine Schätzungen, so der Minister.
In den vom Unwetter vom 1. auf den 2. August betroffenen Gemeinden im nördlichen Kreisteil gehen unterdessen die Aufräumarbeiten weiter. Sie hatten schon am Tag nach dem Unwetter begonnen.
Im Wesertaler Ortsteil Gieselwerder hatte die Brücke über die alte Trasse der B 80 abgerissen werden müssen. Vor dem Bauwerk angeschwemmtes Treibgut hatte große Wassermassen aufgestaut. „Der Abriss war notwendig, um den unterhalb liegenden Mühlenplatz zu schützen“, sagt Wesertals Bürgermeister Cornelius Turrey. Demnächst müsse ein unterhalb der Bundesstraße führender verrohrter Bachlauf erneuert werden. Die aus dem Reinhardswald herabstürzenden Wassermassen hatten die Unterführung stark beschädigt, sagt Turrey.
Während in Gieselwerder und auch in Gewissenruh nur noch jeweils ein Wohnhaus statisch gefährdet erscheint, sind die Gebäudeschäden im Trendelburger Ortsteil Gottsbüren weitaus größer. „Einige unserer Bewohner mussten ihre Häuser komplett verlassen, andere mussten sich in obere Geschosse ihrer Häuser zurückziehen, weil noch alles nass und beschädigt ist“, sagt Bürgermeister Manuel Zeich.
Die Bauaufsicht des Landkreises hat in Gottsbüren zahlreiche Häuser begutachtet und einige für die weitere Nutzung vorerst gesperrt.
Freunde, Verwandte und Nachbarn boten Zuflucht
Gleich in den ersten Stunden nach den verheerenden Wolkenbrüchen mit bis zu 170 Litern pro Quadratmeter hatte die Stadt Trendelburg die Reinhardswaldhalle in Gottsbüren geöffnet, um aus ihren Häusern eilenden Menschen eine Unterkunft bereitzustellen. Doch spätestens nach dem Wochenende waren alle Betroffenen irgendwo anders untergekommen – bei Freunden, Nachbarn oder Verwandten. „Der Zusammenhalt der Menschen ist einfach groß“, sagt Bürgermeister Zeich. Wie viele Menschen insgesamt ihre Häuser verlassen mussten, kann der Bürgermeister derzeit noch nicht sagen.
Um beim Aufräumen mit zu helfen, seien auch viele Privatpersonen von außerhalb nach Gottsbüren gekommen. Technische Hilfeleistungen leisteten auch alle Freiwilligen Feuerwehren aus dem Dreiländereck – aus Niedersachen und Nordrhein-Westfalen. Für Bürgermeister Zeich ist die „Hilfsbereitschaft untereinander phänomenal.“ (Gerd Henke)

