VonMatthias Lohrschließen
Acht Männer und eine Frau bewerben sich bei der Bundestagswahl am 23. Februar um das Direktmandat im Kasseler Wahlkreis 167. In der Woche vor der Wahl stellen wir den Bewerbern Fragen.
Kassel - Es geht um die Wirtschaftslage, Soziales und Migration. Zum Auftakt wollten wir von den Kandidaten wissen: „Sie bewerben sich um das Direktmandat. Was wäre das Erste, was Sie in Berlin für die Region tun würden?“
Daniel Bettermann (44, SPD): Kommunen stärken
„Die finanziellen Möglichkeiten der Kommunen müssen dringend gestärkt werden. Auch mit Sofortmaßnahmen. Die Kommunen haben kein Geld, also keine Kraft mehr zum Gestalten. Das benachteiligt die Menschen vor Ort und gefährdet unsere Demokratie. Um Teilhabe für alle zu ermöglichen und damit niemand zurückbleibt, brauchen die Kommunen schnell mehr Geld für Schulen und wichtige kommunale Investitionen. Wir brauchen sofort einen Zukunftspakt Bund, Länder, Kommunen, damit die Kommunen endlich angemessen gehört und am Finanzaufkommen nach tatsächlichem Aufwand beteiligt werden.“
Maik Behschad (55, CDU): Bürokratie abbauen
„Als Erstes würde ich mich für einen umfassenden Bürokratierückbau einsetzen. Alle Verordnungen, Dokumentationspflichten (die teilweise dreifach für ein und denselben Sachverhalt bestehen) und gesetzlichen Regelungen gehören auf den Prüfstand. Die Regelungen und Verordnungen, die nachweislich keine positive Auswirkung auf die Prozessqualität haben und nur Personalbindung, unnötigen Kosten und Zeitaufwand bedeuten, müssen umfassend entweder abgeschafft oder zumindest spürbar rückgebaut werden. Dies entlastet unseren Mittelstand und alle diejenigen, die sich Tag für Tag darum kümmern, unseren Wohlstand im Land zu erhalten.“
Boris Mijatovic (51, Grüne): Haushalt verabschieden
„Den Bundeshaushalt 2025 verhandeln und bis Sommer zum Abschluss bringen. Gerade für Kassel und Nordhessen ist das sehr wichtig. Der Umbau unserer Wirtschaft, Schulen sanieren, Kitas bauen und die Aufgaben unserer Infrastruktur, bei Brücken und Schiene, anpacken. Der Bundeshaushalt braucht eine klare Linie. Auch bei Erneuerbaren. Damit Energie für alle bezahlbar bleibt und wir dennoch unsere Klimaziele erreichen. Das Deutschlandticket fortsetzen, den ÖPNV weiter stärken und eine Deutschland-App, die Behördengänge digital macht. Für ein Land, das einfach funktioniert.“
Thomas Schenk (59, AfD): Grenzen dicht machen
„Meine Prioritätenliste, von der Deutschland und auch Kassel sofort profitieren würde, sieht die sofortige Schließung der Grenzen für illegale Migration vor. Das senkt Kosten für Stadt und Landkreis auf verschiedenen Ebenen. Abriss und Sprengung von Kohle- und Atomkraftwerken sofort stoppen und wo möglich, Anlagen kurzfristig reaktivieren. Davon profitiert durch günstige und sichere Energie die Wirtschaft der Region unmittelbar. Die Infrastruktur im Bereich Straße und Bahn muss ertüchtigt werden. Kassel ist Verkehrs- und Logistikknotenpunkt in Deutschland.“
Violetta Bock (37, Die Linke): Mieten deckeln
„Ich werde mich in Berlin sofort für eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus und einen bundesweiten Mietendeckel einsetzen. Die steigenden Mieten und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum sind zentrale Probleme in Kassel und der Region. Dass gerade Interesse besteht, dringend benötigte Sozialwohnungen zu bauen und die Förderung dann verweigert wird, ist absurd. Hier ist auch der Bund gefragt. Und wir werden von Anfang an auf die Vermögenssteuer pochen, bevor andere ihre Wahlversprechen wieder vergessen haben. Die extreme Ungleichheit ist ein Problem für die Demokratie.“
Christian Klobuczynski (58, Freie Wähler): Dienstpflicht für alle
„Aufgrund der Klimakrise, der seit 2010 bekannten Migration und den Konflikten in Europa und des Vorderen Orients, sind für mich Klimaanpassung und Bevölkerungsschutz wichtig. Eine Dienstpflicht für Männer und Frauen im Katastrophen- und Zivilschutz ist anzustoßen. Jeder soll in einer Hilfseinrichtung helfen können. Auch im Ausland! Einschließlich Migranten, die beim IRK und der Schwesterorganisationen eingesetzt werden könnten. Das hilft der Region und ist demokratiefördernd. Eine erste Aufgabe!“
Timo Scharf (21, Volt): Infrastruktur stärken
„Ich würde mich dafür einsetzen, die Infrastruktur in der Region zu stärken: bessere Anbindung durch Ausbau des Nahverkehrs und Förderung klimafreundlicher Mobilität. Gleichzeitig würde ich den Dialog mit regionalen Unternehmen suchen, um innovative Arbeitsplätze zu schaffen und bestehende zu sichern.“
Hans Roth (69, MLPD): AfD verbieten
„Tausende Menschen haben in den letzten Wochen in Kassel klar Position gegen die faschistische Gefahr im Lande bezogen. Auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens von 1945, dass in Deutschland alle Nachfolgeorganisationen der NSDAP zu verbieten sind, würde ich das Gespräch mit allen demokratischen Politikern suchen, die AfD sofort zu verbieten. Damit ist ihr Einfluss und die Verwirrung in den Köpfen nicht gebannt, aber sie hätten nicht mehr die Möglichkeit, mit dem Geld aus Großspenden ihre menschenverachtende Propaganda zu verbreiten.“
Hinweis: Die weiteren Themenseiten erscheinen im Lauf der Woche.








