Nahversorger

Statt Netto: Nahkauf-Betreiber in Zierenberg will Rewe-Markt an Kasseler Straße bauen

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Hier soll der neue Rewe-Markt entstehen: Wo derzeit noch Ackerland ist, soll an der Kasseler Straße ein 1500 Quadratmeter großes Gebäude nach den neuesten Gestaltungsprinzipien gebaut werden.
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Erst hieß es, Netto wolle einen Markt in Zierenberg bauen. Daraus wird nichts, aber dafür soll an derselben Stelle bald ein Rewe-Markt entstehen.

Zierenberg – Die Zierenberger bekommen an der Kasseler Straße bald einen neuen Nahversorger. Doch statt Netto, wie ursprünglich geplant, baut an diesem Standort nun Rewe eine große Filiale. Die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans haben die Stadtverordneten in ihrer vergangenen Sitzung (17.07.2023) beschlossen.

Zunächst sei das Büro Halsdorfer Ingenieure (Burgdorf bei Hannover) an die Stadt herangetreten, um eine Filiale für den Discounter Netto zu planen, so Bürgermeister Rüdiger Germeroth (SPD) vor dem Parlament.

Im Ortsbeirat habe sich die Begeisterung für die Ansiedelung in Grenzen gehalten, erklärt David Osthof, der das Projekt für die Halsdorfer Ingenieure plant. Die Vertreter hätten es als wichtiger angesehen, bestehende Strukturen im Zierenberger Einzelhandel zu stärken.

Sebastian Busch (Bündnis 90/Die Grünen)

Das sagt: Sebastian Busch (Bündnis 90/Die Grünen)

Es sei unklar, welche Auswirkungen der neue Markt auf die „wirklichen“ Nahversorger haben werde. Es sei dringend auch der Ausschuss für Jugend, Senioren, Sport und Soziales (JSSS) anzuhören, da der Markt Auswirkungen auf Senioren, Jugendliche sowie Kinder haben werde. Sie könnten sich nicht mehr fußläufig im Zentrum versorgen, wenn der Nahkauf seine Tore schließt.

Helmut von Zech (FDP)

Das sagt: Helmut von Zech (FDP)

Der FDP-Politiker wies auf die Situation von Kaufmann Thomas Hofmann hin, der Vor Brakens Höhe 4 einen Edeka-Markt betreibt. Vom früheren Bürgermeister Stefan Denn (SPD) sei dessen Erweiterung um 800 Quadratmeter vor einigen Jahren abgelehnt worden. Es sei nicht nachvollziehbar, dass bei stagnierenden Einwohnerzahlen mehr Einkaufsmöglichkeiten entstünden.

Neuer Rewe-Markt soll 1500 Quadratmeter groß werden

Daraufhin sei der Rewe-Kaufmann Jörn Berszinski auf die Halsdorfer Ingenieure zugegangen, der den Nahkauf in der Zierenberger Innenstadt betreibt. Der Plan: den Betrieb – in größerer Form: 1500 Quadratmetern – an der Kasseler Straße fortzuführen.

Der bisherige Standort in der Poststraße sei nicht zukunftsfähig. „Wir konnten dort nicht das anbieten, was die Kunden bei Rewe an Zusatzleistungen geboten bekommen“, sagt Berszinski. Am neuen Standort soll dann das volle Rewe-Konzept zum Tragen kommen. Dazu gehörten ein Bäcker und Frischetheken. Zudem werde es eine Station geben, an der Kunden bestellte Waren abholen können. „Der Markt wird zu 90 Prozent wie in Breuna aussehen“, sagt David Osthof. Dort wird gerade eine neue Filiale fertiggestellt.

Jörn Berszinski ist von den Vorteilen des neuen Marktes für Zierenberg überzeugt. „Wettbewerb beflügelt“, sagt er. Es werde genügend Kunden geben, da auch die Ortschaften außerhalb der Kernstadt angesprochen würden.

Edeka-Kaufmann Thomas Hofmann: „Wir gucken ins Ungewisse“

Was mit dem bestehenden Nahkauf-Gebäude passiert, sei noch unklar. „Es ist zu früh, darüber zu spekulieren“, sagt Berszinski, dem das Gebäude gehört. Denkbar seien ein Abriss, um Platz für Wohnraum zu machen, genauso wie die Ansiedlung von Geschäften im bestehenden Gebäude. Nicht alle sind von den Rewe-Plänen begeistert. „Wirtschaftlich wird uns das hart treffen“, sagt etwa Thomas Hofmann. Der Kaufmann betreibt in Zierenberg den Edeka-Neukauf- und Getränkemarkt. Bereits heute sei die Nachfrage aus Zierenberg ausgelastet. „Jeden zweiten Kunden gewinnen wir aus den umliegenden Orten.“ Demnächst vergrößert Aldi seinen Markt, was die Konkurrenz weiter verschärfe.

„Wir gucken ins Ungewisse“, sagt Hofmann. Vor allem die hohen Energiekosten belasteten das Geschäft. Und: „Wir laufen uns die Hacken wund, um Personal zu finden.“ Der neue Rewe-Markt werde wohl 30 bis 40 Mitarbeiter benötigen, sodass auch die Konkurrenz um Mitarbeiter vorauszusehen sei.

Trotz der Kritik an den Plänen haben die Stadtverordneten den Bau mit 17 Dafür- und vier Gegenstimmen beschlossen. Drei Stadtverordnete enthielten sich. Der von Grünen und FDP eingebrachte Änderungsantrag, erneut den Ortsbeirat sowie den Ausschuss für Jugend, Senioren, Sport und Soziales beraten zu lassen, fand keine Mehrheit. (Paul Bröker)

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