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Im VW-Werk Kassel in Baunatal im Kreis Kassel arbeiten inzwischen 4000 der insgesamt 15.500 Beschäftigten im Bereich Elektromobilität.
Kassel/Baunatal – Immer mehr Elektroautos rollen über unsere Straßen. Im VW-Werk Kassel in Baunatal im Kreis Kassel arbeiten inzwischen 4000 der insgesamt 15.500 Beschäftigten im Bereich der Elektromobilität. Und es könnten bald noch mehr werden. Die Fertigung von E-Motoren und Plattform-Teilen für die ID-Modelle boomt. Neben der Einstellung neuer Arbeitnehmer sollen laut Betriebsrat vor allem Mitarbeiter aus alteingesessenen Produktionsbereichen für die E-Mobilität umgeschult werden. Ein Kraftakt.
Unter der Überschrift „Transformation der Automobilindustrie“ werden unter anderem Beschäftigte der Abgasanlagenfertigung und des Getriebebaus Neuland betreten. Denn: Abgasanlagen und komplexe elektronische Getriebe werden für Elektroautos nicht mehr gebraucht.
VW in Baunatal: Wechsel in die E-Mobilität „ist ein großer Switch“
„Von der Abgasanlage in die E-Mobilität zu gehen, ist ein großer Switch“, sagt auch Alexandra Daum, Mitglied der Geschäftsführung im Baunataler Betriebsrat. Damit dieser Schritt gelingt, bietet die Arbeitnehmervertretung im Sinne des „Kasselers Weges“ gemeinsam mit dem Werkmanagement Tranformations-Workshops für die Beschäftigten an. „Das ist wichtig bei einem so großen Wechsel, dass jeder einzelne auch abgeholt wird“, sagt Daum. Natürlich gebe es auch kritische Stimmen in der Belegschaft. „Aber die Begeisterung überwiegt.“
Beispiel Abgasanlagenfertigung: Derzeit arbeiten noch rund 700 Frauen und Männer in der „Aga“, wie sie in der Fabrik intern genannt wird. Sie befindet sich im südlichen Teil der Halle 2. Doch irgendwann droht das Aus. Einen genauen Zeitpunkt kann auch Betriebsratsvorsitzender Carsten Büchling nicht nennen. „Wann die letzte Abgasanlage gebaut wird, steht noch nicht fest“, sagt er. Fest stehe aber jetzt schon, dass die Fläche in der Halle 2 benötigt wird, „um dort neue Produkte und neue Antriebe zu bauen“.
Zahlen dazu, wie viele Mitarbeiter aktuell aus dem Getriebebau, dem Presswerk und dem Bereich Abgasanlagen umgeschult werden, nennen Betriebsleitung derzeit nicht.
VW in Baunatal: Weg einer Transformation schon mehrfach gegangen
Meister Stefan Jordan, der seit 38 Jahren im Werk Kassel arbeitet und den Weg einer Transformation schon mehrfach gegangen ist, berichtet von Ängsten und Bedenken in der Belegschaft. „Es gab erst mal Verlustängste“, sagt er. „Man denkt, man steht erst mal vor dem Ende.“ Jordan machte den Wandel vom Handschaltgetriebe zum Direktschalter mit, jetzt baut er Elektromotoren.
Ahmed Kocac ist vor anderthalb Jahren vom Presswerk in der Halle 2 in die E-Motorenfertigung der Halle 1 gewechselt. In dem modernen Bereich habe er einen geringeren Altersdurchschnitt vorgefunden, sagt der 27-Jährige. „Auch gibt es hier mehr Vielfalt. Ich bin froh, dass ich gewechselt bin.“ Kollege Calvin Strauß, der von den Abgasanlagen in die Halle 1 gekommen ist, ergänzt: „Ich bin hier vom ersten Tag an super aufgenommen worden. Ich bereue es überhaupt nicht.“
Unterabteilungsleiterin Alina Natascha Elbe ist erst seit 2010 bei VW in Baunatal. Die 33-Jährige wirbt bei den Kollegen für die E-Mobilität. „Es ist an erster Stelle Kommunikation“, sagt sie zu Sinn und Zweck der Workshops. Es gehe darum, die Kollegen von der E-Mobilität und den E-Fahrzeugen zu begeistern. Die Motivation für einen Wechsel sei nicht in erster Linie eine Frage des Alters. Sie habe viele Ältere getroffen, die sogar kurz vor dem Ruhestand standen, „die Bock hatten, noch mal was Neues zu machen“. Meister Stefan Jordan macht abschließend Mut für den Schritt: „Es ist für alle bisher gut gegangen.“ (Sven Kühling)
Rubriklistenbild: © Sven Kühling
