- VonTobias Stückschließen
Eschwege – Es sind gerade Sommerferien und früher gehörte deshalb eine Sache unabdingbar dazu: Postkarten aus dem Urlaub zu schreiben. Aber mal ehrlich: Wer macht das heute noch?
Das hat auch die deutsche Verlegerin und Designerin Sandra Vogel bemerkt. Die Inhaberin des Piepmatz-Verlags rief deshalb für den 30. Juli den Weltpostkartentag im Jahre 2012 ins Leben, um hiermit dem langsamen Verschwinden der per Hand geschriebenen Postkarte im Digitalzeitalter etwas entgegenzusetzen. Einer, der sich seit rund 30 Jahren den Postkarten verschrieben hat, ist der Eschweger Siegfried Furchert.
Rund 2000 Stück hat Furchert in seinem Besitz. Angefangen hat er mit Sportmotiven. Bald hat er sich auf lokale Motive aus der Region spezialisiert und seitdem eine beachtliche Sammlung zusammengetragen. „Von jedem Ort im Altkreis Eschwege und Bad Sooden-Allendorf habe ich etwa 20 verschiedene Motive“, erzählt Furchert.
Spezialisiert auf Postkarten
Mit seinem Hobby ist Furchert, der seit seiner Kindheit auch Briefmarken sammelt, weitestgehend allein in der Umgebung. Beim Briefmarken-Sammler-Verein „Philatelia“ ist er der Einzige, der sich auf Postkarten spezialisiert hat. National und International gibt es aber eine große Szene. Im Internet findet man in verschiedenen Auktionshäusern immer wieder Fundstücke. Flohmärkte sind ebenfalls eine Anlaufstelle für Sammler. Furchert aber arbeitet direkt mit Verlagen zusammen, die ganze Serien herausgeben. „Für meinen Start der Sammlung habe ich in der Werra-Rundschau eine Anzeige geschaltet.“ Einige Leser aus der Region hatten sich daraufhin gemeldet. Ganze Sammlungen hat er so bekommen.
Furchert legt Wert darauf, dass die Postkarten auch schon „gelaufen“ sind, also verschickt wurden. Zu seinen wertvollsten Karten zählt er ein Motiv vom Gasthaus Schwalbenthal. Die Karte lief 1883 von Abterode nach Einbeck. „Da die Fotografie noch nicht soweit war, hat ein Grafiker die Karte gestaltet“, erzählt Furchert. In seinem besitz befindet sich auch die erste ihm bekannte Bildpostkarte von Eschwege. Gestaltet wurde sie vom Fotografen Tellgmann mit Eschweger Motiven. Die Karte lief 1902 von Eschwege nach Kassel. Für eine besonders seltene Postkarte legt Furchert auch schon mal einen zweistelligen Euro-Betrag hin. „Meist ist der ideelle Wert aber viel höher als der gehandelte Preis“, erklärt der Sammler.
Liebe Grüße aus der Heimat
Im vergangenen Jahr hat unser Verlag für unsere Leser ebenfalls Postkarten mit regionalen Motiven aufgelegt. Zu sehen sind u.a. Altefeld, Wanfried und Eschwege. Leser konnten so „liebe Grüße aus der Heimat“ verschicken. Die Karten sind noch in unserer Geschäftsstelle und bei der Tourist-Information kostenlos zu haben. Vielleicht gibt es Menschen, die sich am Weltpostkartentag über einen kleinen Gruß freuen. Das wird das langfristige Ende der Postkarte wohl nicht aufhalten. Eine nette Geste ist es allemal – auch außerhalb der Sommerferien.
Von Tobias Stück


