VonWilliam-Samir Abu El-Qumssanschließen
Kleidung und Textilien dürfen ab diesem Jahr nur noch in Ausnahmefällen in den Restmüll. So wird die neue EU-Regelung im Werra-Meißner-Kreis aufgenommen.
Werra-Meißner – Seit dem 1. Januar 2025 herrschen EU-weit neue Regeln zur Mülltrennung. Bislang durften alte Hosen, zerrissene Oberteile und abgetragene Schuhe in der Restmülltonne entsorgt werden. Doch ab jetzt gilt, dass Altkleider und Textilien auch im Werra-Meißner-Kreis getrennt gesammelt werden und in Altkleidercontainer müssen.
„Im Werra-Meißner-Kreis wird diese Getrenntsammlung bereits seit Jahren umgesetzt“, teilt Friedhelm Junghans, Vorsitzender des Abfallzweckverbandes Werra-Meißner, auf Anfrage mit. In nahezu jedem Stadt- und Ortsteil stünden Container verschiedener Organisationen, in die Altkleider und Alttextilien eingeworfen werden können.
„Grundsätzlich dürfen somit keine noch verwendbaren Altkleider und Textilien mehr über den Restabfall entsorgt werden“, erklärt Junghans die neue Regelung. Allerdings empfiehlt der Abfallzweckverband, verschlissene oder stark verschmutzte Kleidung weiterhin über die Restmülltonne zu entsorgen. Die Sortierkapazitäten und Absatzmöglichkeiten in der Altkleiderbranche seien bereits an ihren Grenzen angelangt.
Kostenfrage noch unklar
„Es wird zukünftig zu klären sein, wie die Kosten für die vollständige Erfassung von Altkleidern und Textilien finanziert werden können“, äußert Friedhelm Junghans, Vorsitzender des Abfallzweckverbands Werra-Meißner seine Bedenken zu neuen Regelung. Im Gespräch dazu sei unter anderem die Einführung einer Hersteller- und Inverkehrbringerverantwortung, ähnlich wie sie bereits bei Verkaufsverpackungen (gelbeTonne/gelber Sack) umgesetzt wird.
Die Umweltberaterin des Landkreises, Gabriele Maxisch, bekam zu dem Thema seit Jahresbeginn vermehrt Anrufe, teilt die Kreisverwaltung mit. Bei stark verschmutzten Textilien oder hygienisch problematischen Anhaftungen – zum Beispiel Schimmelpilze – empfiehlt auch sie weiterhin die Nutzung der Restmülltonne. Der Kreis schildert die Hintergründe der neuen EU-Regelung so: Die Qualität eines Großteils unserer Kleidung werde immer schlechter. Das bedeutet, dass sich langfristig wohl der Anteil der Kleidung, die sich für die Wiederverwendung eignet, verkleinere und sich der Anteil, der recycelt werden soll, vergrößere.
Kreis hat Bedenken beim Recycling
Aus Sicht der Kreisverwaltung gibt es Probleme, was das Recycling der Alttextilien angeht. Chemisches Recycling verursache einen hohen Energieverbrauch. Beim umweltfreundlicheren mechanischen Recycling werden die Textilien zu Fasern zerkleinert, um wiederverwertet zu werden. Meist können so aber bisher nur sortenreine Fasern recycelt werden, beispielsweise 100 Prozent Baumwolle oder 100 Prozent Polyester. Ein Großteil der Kleidung auf dem Markt bestehe jedoch aus Mischfasern.
Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) gehört zu den Organisationen, die Altkleider sammeln. Gut erhaltene Kleidung werden laut DRK-Kreisverband Witzenhausen aussortiert, aufbereitet und weitergegeben. Den größeren Teil, meist beschädigte Textilien, gibt das Rote Kreuz an eine Verwertungsgesellschaft. Die Rohstoffe würden zum Beispiel zu Fußmatten, Autositzbezügen und Putzlappen verarbeitet.
Rotes Kreuz: Container sind überfüllt
Im Gebiet des Kreisverbandes Witzenhausen stehen insgesamt 36 DRK-Kleidercontainer. „Grundsätzlich und auch momentan sind fast alle Container extrem überfüllt, was vor allem daran liegt, dass die Menschen sie zur allgemeinen Müllentsorgung missbrauchen“, sagt Diana Haeseler vom DRK-Kreisverband. Es seien beispielsweise Toilettenschieber, Kinderwagen und sogar ein frisch abgezogenes Ziegenfell – vermutlich von einer Hausschlachtung – hinterlassen worden.
Alles, was nicht in den Altkleidercontainer gehört, muss anderweitig entsorgt werden und verursacht Kosten, die nicht in den Zuständigkeitsbereich des DRK gehören. „Ganz klar ist abzusehen, dass sich dieser Zustand mit der neuen Altkleider-Regelung verschlimmern wird“, sagt Haeseler weiter. Die DRK-Container werden von einem externen Dienstleister geleert, die Container dienen nur als Sammelstelle. Dienstleister wie dieser hätten das Problem, dass auch ihre Lager voll sind, weswegen sie mit den Abholungen nicht hinterherkommen. Das sei auch ein Dienstleister-übergreifendes Problem.
Als Konsequenz aus der Müllentsorgung mussten alle Container bereits von öffentlichen Plätzen entfernt werden und stehen nur noch auf privatem DRK-Gelände. Der Kreisverband bittet darum, gut erhaltene, neuwertige Kleidung im DRK-Kleiderladen, Ermschwerder Straße 16 in Witzenhausen, abzugeben. Dort wird diese als Second-Hand-Kleidung weiterverkauft. (William Abu El-Qumssan)
