VonKonstantin Menneckeschließen
Julia Willie Hamburg, Niedersachsens Kultusministerin, besucht Piller, um die Bedeutung der beruflichen Bildung hervorzuheben. Der Besuch ist Teil der 'Woche der beruflichen Bildung', die Herausforderungen in diesem Bereich diskutiert. Piller, als herausragender Ausbildungsbetrieb, spielt dabei eine zentrale Rolle.
Gut anderthalb Stunden Zeit hat sie sich genommen, nicht nur um zu erfahren, dass das Unternehmen Piller weltweit von Bedeutung in Sachen Industrieventilatoren ist. Vielmehr ist Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg in den Dialog getreten mit den Menschen, die bei der seit Montag laufenden „Woche der beruflichen Bildung“ im Mittelpunkt stehen sollen: junge Auszubildende und ihre Lehrbetriebe. Dass das Moringer Traditionsunternehmen dabei zu den Auftaktterminen der Woche gehörte, liegt daran, dass es in Sachen Förderung junger Menschen zu einem „der herausragenden Ausbildungsbetriebe in Niedersachsen“ gehöre, attestierte Ministerin Hamburg beim Rundgang vor Ort.
Mit der „Woche der beruflichen Bildung“ möchte das Niedersächsische Kultusministerium die Vielfalt und Bedeutung der beruflichen Bildung hervorheben und die aktuellen Herausforderungen in eben diesem Bereich diskutieren. Die Ministerin tauschte sich vor allem mit Auszubildenden des Unternehmens aus und sprach mit Simone Heidelberg, Leiterin Personal, und mit Mandy Steinmetz, Ausbildungsleiterin bei Piller. Begleitet wurde der Besuch zudem von Olaf Brandes und Hannah Merkel von der Stiftung NiedersachsenMetall.
Im Ausbildungszentrum konnte Mandy Steinmetz als Ausbildungsleiterin verdeutlichen, dass Piller gezielt für das eigene Unternehmen ausbildet. „Hier lernen die jungen Menschen die Grundlagen, das Fundament für ihre spätere Arbeit“, sagt Steinmetz. Dass diese Investitionen in die Jugend, etwa durch das vor gut 15 Jahren gebaute Ausbildungszentrum für das Unternehmen essenziell ist, zeigt die Übernahmequote von gut 98 Prozent.
Berufsmessen überfordern
Deutlichen Optimierungsbedarf sehen Piller als auch die Stiftung NiedersachsenMetall bei der Berufsorientierung. „Ausbildungsmessen wie die GöBit vergangenes Wochenende präsentieren mehrere Hundert Berufe – das überfordert viele junge Menschen“, sagt Mandy Steinmetz. Die Berufsorientierung müsse viel früher ansetzen und fester Bestandteil des Schulalltags werden. Dazu brauche es Menschen in den Schulen, die dies hauptamtlich leisten könnten. Aktuell hänge vieles in diesem Bereich von dem persönlichen Einsatz von Lehrerinnen und Lehrern sowie den Schulleitungen ab. Regelmäßig gebe es Schulklassen, die sich über die acht Ausbildungsberufe bei Piller informieren. Dabei stellen die Kosten, um Schüler nach Moringen und wieder zurückzufahren, die Schulen vor Herausforderungen.
Eine gezielte und praxisnahe Berufsorientierung während der Schulzeit spielt aber eine entscheidende Rolle bei jungen Menschen, um frühzeitig Interessen zu wecken, realistische Einblicke in den Arbeitsalltag zu bieten und so fundierte Entscheidungen für den beruflichen Werdegang zu treffen. Vor diesem Hintergrund überarbeitet das Kultusministerium derzeit den Berufsorientierungs-Erlass für Niedersachsen. Ziel der Reform ist es, die Berufsorientierung weiter zu stärken und die Zusammenarbeit zwischen Schulen, Unternehmen und außerschulischen Partnern zu intensivieren. Praxisnahe Formate, digitale Angebote und die stärkere Einbindung von Unternehmen, wie beispielsweise Piller, sollen dabei eine zentrale Rolle spielen.
Frühzeitig Vielfalt kennenlernen
„Berufsorientierung ist entscheidend für einen gelungenen Start ins Arbeitsleben. Schülerinnen und Schüler sollten frühzeitig die Vielfalt der beruflichen Ausbildung kennenlernen. Viele Auszubildende berichten, dass ein Schulpraktikum oder der direkte Kontakt mit Arbeitgebern ihren Weg zum heutigen Beruf geebnet hat“, erklärte Kultusministerin Hamburg. „Unser Ziel ist es, praxisnahe Einblicke zu ermöglichen. Mit dem überarbeiteten Erlass wollen wir die berufliche Orientierung an allen Schulformen stärken, Praktikumszeiten flexibilisieren und den Ausbau der Netzwerke befördern.“
Ein gesellschaftliches Problem, so wurde es in der Diskussionsrunde vor Ort deutlich, bleibt die landläufige Meinung „Streng dich in der Schule an, sonst kannst du nur eine Ausbildung machen und nicht studieren“. Über diese vollkommen aus der Zeit gefallene Meinung gelte es aufzuklären.
„Wir benötigen eine weitere Stärkung der beruflichen Orientierung, insbesondere an Gymnasien. Wichtig bleibt der Praxisbezug bei allen Maßnahmen. Vor allem aber ist uns eine Verbindlichkeit für die Umsetzung an allen Schulen wichtig, damit alle Schülerinnen und Schüler ihren Weg in den Beruf finden. Für Menschen mit niedrigen und mittleren Schulabschlüssen bietet das duale System der Berufsausbildung eine sichere Perspektive und es verfügt zudem über eine besondere Integrationsfunktion“, betonte Olaf Brandes, Geschäftsführer der Stiftung NiedersachsenMetall.
Individuelle Lösungen für die ganze Welt
540 Mitarbeiter beschäftigt Piller unter anderem im asiatischen Raum, aber auch in den USA und Brasilien, 400 davon arbeiten in Moringen. Zwischen 40 und 50 Auszubildende zählt der Betrieb dauerhaft. Der Sondermaschinenbauer produziert individuelle Hochleistungsgebläse für Betriebe, in denen Dampf entsteht, etwa in Distillerien, der Milchindustrie, der Abwasserreinigung & Co.
