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Weder ein Kulturzelt, noch ein Open Air als Überbrückung für die Zeit, in der der Stadt Wolfhagen finanziell die Hände gebunden waren.
Wolfhagen – Nordhessens Konzertsaison musste in diesem Jahr ohne das so attraktive wie beliebte Programm in den Wolfhager Teichwiesen auskommen. Aber: Für das kommende Jahr gibt es Pläne. Ob sich diese umsetzen lassen, werde sich in den nächsten Wochen zeigen, sagt Veranstalter Wolfgang Frey, Geschäftsführer der Live Stage Entertainment GmbH Bodensee.
Derzeit laufen Vorbereitungen für ein Open Air, das vom 29. Mai bis 2. Juni im Liemecke-Stadion stattfinden soll. „Aber eigentlich ist das noch nicht spruchreif“, sagt Frey auf HNA-Anfrage und macht deutlich, dass er die Nachricht lieber zu einem späteren Zeitpunkt platziert hätte. Denn weder steht derzeit das Konzertprogramm und schon gar nicht sind die Verträge mit den Künstlern unter Dach und Fach. „Wir brauchen einen Anker, jemanden, der den Sportplatz bespielen kann“, sagt er. Diesen Besuchermagneten nach Wolfhagen zu holen, darauf liegt derzeit Wolfgang Freys Hauptaugenmerk.
Das Liemecke-Stadion als Veranstaltungsort: Wirtschaftliche Überlegungen
Seine Agentur übernimmt die Organisation des Open Airs und trägt das finanzielle Risiko. Die Stadt Wolfhagen, die 2015 die Trägerschaft für das Festival vom Kulturzelt-Verein übernommen hatte, ist außen vor. Daran ist Wolfhagens Bürgermeister Dirk Scharrer auch gelegen. „Mir ist es wichtig, dass das Kulturzelt in privater Hand ist“, sagt er. Die Stadt müsse von ihrer bisherigen personellen und finanziellen Verantwortung entbunden werden. Gleichzeitig betonte er, dass Wolfhagen nach wie vor bereit sei, Veranstaltungen wie ein Open Air oder ein Kulturzelt zu unterstützen.
Dass das Liemecke-Stadion überhaupt in den Fokus geraten ist, hängt mit Wirtschaftlichkeitsüberlegungen zusammen, die sich der Veranstalter macht. Auf den Sportplatz passten mehr Besucher, die Veranstaltung komme ohne Zelt aus, und sie sei mit fünf Tagen deutlich kompakter, sind sich Frey und Scharrer einig. „Für größere Produktionen benötigen wir auch eine größere Bühne – eine, die nicht in den Stadtpark passt“, sagt Wolfgang Frey.
Und wenn die ganz große Nummer nicht hinhaut? „Dann haben wir einen Plan B.“ Das Open Air ließe sich auch, dann natürlich kleiner, in den Teichwiesen umsetzen. Zum gleichen Zeitpunkt und ebenfalls ohne Zelt. Und auch das sei möglich, sagt Frey: „Es kann sein, dass beides nicht klappt.“ (Antje Thon)
Festival seit 1995
Ihre mangelhaften Jahresabschlüsse haben die Stadt Wolfhagen in diesem und dem vergangenen Jahr in die Situation einer vorläufigen Haushaltsführung gebracht. Das bedeutete: Sie konnte für freiwillige Leistungen kein Geld ausgeben. Damit war das Kulturzelt, das Wolfgang Frey 1995 zusammen mit einigen jungen Leuten gegründet hat und das Wolfhagen einen klangvollen Namen in der nordhessischen Kulturszene beschert hat, für das Jahr 2023 gestorben.