Marktfrau aus Fuldatal

Ende einer Ära: Petra Schminke aus Fuldatal verlässt nach 45 Jahren die Kasseler Markthalle

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50 Jahre lang hat Petra Schminke aus Ihringshausen Gemüse verkauft. An Heiligabend steht sie vorerst zum letzten Mal am Stand in der Markthalle.
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Petra Schminke, eine bekannte Gemüsebäuerin, wird ihre Stände in der Kasseler Markthalle und auf dem Anna-Markt aufgeben. Nach 45 Jahren im Geschäft ist dies ein schwerer Schritt für sie.

Kassel/Fuldatal - So richtig glauben kann Petra Schminke es noch nicht. Am kommenden Montag und Dienstag bietet sie zum letzten Mal ihre bunte Gemüsevielfalt in der Kasseler Markthalle an. Nach 45 Jahren endet damit eine Ära – für sie und ihre treuen Kunden, die die Ihringshäuserin regelmäßig mit selbst gezogenen Salaten, Sellerie, Zucchini, Kräutern, Tomaten und vielem mehr versorgt hat.

Wie es ihr mit diesem Abschied geht? „Nicht gut“, sagt sie ehrlich. Die Gedanken belasten sie schon länger, und leicht falle ihr das Aufhören nicht. „Es ist verdammt schwer“, aber es ginge eben nicht mehr. Aus gesundheitlichen Gründen gibt sie ihren Verkaufsstand in der Markthalle sowie den auf dem Anna-Markt an der Friedrich-Ebert-Straße auf.

Schon mit 15 Jahren hat Petra Schminke samstags auf dem Markt ausgeholfen. In Fuldatal bewirtschaftet sie den Gartenbaubetrieb, den sie vor über 20 Jahren von ihren Eltern übernommen hat. Alles, was sie an den Markttagen in Kisten und Kästen zum Verkauf anbietet, sät, pflegt, gießt und erntet sie – „ganz alleine“, wie sie betont.

Marktfrau aus Fuldatal liebt Tomaten

Das Besondere an ihrem Stand: Neben den herkömmlichen Gemüse- und Salatsorten bietet Schminke auch immer selten produzierte Arten an. „Wir hatten immer schon Gemüse, das keiner hatte.“ Pastinaken, Erdartischocke, Radicchio oder Rapa, eine Kohlart zum Beispiel. „Die Samen dafür haben wir früher aus Italien mitgebracht.“ Seit den 1980er Jahren baut Petra Schminke außerdem die südamerikanische Pflanze Topinambur in ihrem Betrieb an.

Am meisten schlägt ihr Herz aber für Tomaten, ihr absolutes Lieblingsgemüse. Noch vor zwei Wochen hat sie welche an ihrem Stand verkauft. Nun ist die Saison vorbei. In drei großen Gewächshäusern in Ihringshausen kultiviert sie die Paradiesäpfel in allen erdenklichen Rottönen. Im Sommer wachsen bis zu 1000 Tomatenpflanzen in einem einzigen Gewächshaus.

Fuldataler Gartenbaubetrieb ohne Nachfolger

„In Hochzeiten hatte ich 120 verschiedene Sorten“, sagt die Marktfrau stolz. Diese Arbeit habe ihr immer am meisten Spaß gemacht – bis das Unwetter im Juni 2023 eins ihrer Gewächshäuser zerstörte. „Totalschaden“, sagt Schminke. „Das hat mir den Rest gegeben.“

Einen Nachfolger für ihren Hof gibt es nicht. Schminkes Sohn, ein gelernter Gemüsegärtner, habe kein Interesse daran, in ihre Fußstapfen zu treten. Ihre Kunden, einige davon kennt sie schon lange, werden Petra Schminke fehlen. Nun nicht mehr auf den Markt zu „müssen“, wie sie sagt, sei aber auch gleichzeitig ein schönes Gefühl. „Jetzt bin ich frei.“

Allerdings werde es sicher einige Zeit brauchen, um sich an den Zustand zu gewöhnen. Und: „So ganz ohne geht dann doch nicht“, sagt die Gemüsebäuerin. Ihren Stand in der Markthalle hat sie gekündigt, aber für den Sommer plant sie schon, die ein oder andere Tomate in der Markthalle zu verkaufen. Wer Petra Schminke Tschüss sagen will, kann das am Montag von 7 bis 13 Uhr sowie am Dienstag von 7 bis 12 Uhr auf der Freifläche der Markthalle. Dann baut die Gemüseproduzentin zum vorerst letzten Mal ihren Stand auf.

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