Poststerben im Kreisteil Melsungen

Poststerben geht weiter: Postfiliale schließt in Malsfeld

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Noch bis zum 7. Februar werden von Edeka-Mitarbeiterin Franziska Bösche Pakete und Briefe entgegengenommen. Dann schließt die Partnerfiliale der Deutschen Post in Malsfeld.
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Mit der Post-Stelle im Edeka-Markt Grabe in Malsfeld schließt bereits die dritte Partnerfiliale innerhalb von sieben Monaten im Kreisteil.

Malsfeld – Erst die Postfiliale bei Foto & Buch in Gensungen, dann am Schwalbenweg in Melsungen. Und jetzt schließt Anfang Februar noch die Postfiliale im Edeka-Markt Grabe in Malsfeld. Damit schließt innerhalb von sieben Monaten die dritte Partnerfiliale der Deutschen Post im Kreisteil Melsungen.

Das bestätigt Post-Sprecher Thomas Kutsch auf HNA-Anfrage: „Leider endet die Zusammenarbeit mit unserem Partner an der Industriestraße 7 in Malsfeld mit Ablauf des 7. Februars.“

Er bekräftigt aber: Die Filiale soll nicht ersatzlos wegfallen. Vielmehr suche man nach einem neuen Partner. „Unsere Vertriebsleitung Kassel hat die Suche nach einem neuen Partner bereits aufgenommen“, sagt Kutsch. Nach den Postregularien sei die Suche nach einer neuen Partnerfiliale für Malsfeld Pflicht.

Im Edeka-Markt Robert Grabe in Malsfeld schließt die Partnerfiliale der Post. Statt Filiale soll es dort einen Paketshop geben.

Ärgerlich ist dabei: Wann, in welchem Umfang und wo diese am Ende sein soll, ist noch vollkommen unklar. Denn ein neuer Partner werde bereits seit Monaten gesucht und wurde noch nicht gefunden. Hinweise und Vorschläge bei der Suche nach einem neuen Partner nehme die Post gerne an.

Neuer Standort, Paketshop oder Automat geplant

Zusätzlich befinde sich die Deutsche Post auch noch auf der Suche nach einem Ersatz für die im Dezember geschlossene Partnerfiliale am Schwalbenweg in Melsungen. „Wir arbeiten an einer tragfähigen Lösung“, sagt Kutsch. Für die Filiale in Melsungen seien verschiedene Optionen wie ein neuer stationärer Standort oder eine Automatenlösung geplant. Nach HNA-Informationen handelt es sich hierbei um einen Automaten mit Display. Einen Ersatz für die Filiale in Gensungen sollte es nicht geben.

In der Übergangszeit bis zur Eröffnung einer neuen Filiale in Malsfeld rät Kutsch, die Filiale an der Rotenburger Straße 13 in Melsungen zu nutzen. „Wir haben bei unserer großen Partnerfiliale in der Rotenburger Straße einen zweiten Schalter errichten lassen, um Kunden schneller bedienen zu können“, sagt er.

Unzufrieden über die Situation zeigt sich Malsfelds Bürgermeister Michael Hanke. „Für den Edeka-Markt war die Situation mit der Partnerfiliale nicht weiter zu stemmen“, sagt Hanke. Personal habe der Markt stellen und die Schulungskosten selbst tragen müssen. „Aus Kostengründen kann der Markt an der Filiale nicht festhalten“, sagt er.

Regeln für Anzahl an Postfilialen

Deutschlandweit ist eine Mindestanzahl an Filialen vorgeschrieben, die in erreichbarer Nähe liegen müssen: „So muss es in Gemeinden und Wohngebieten mit mehr als 2000 Einwohnern beispielsweise mindestens eine Filiale geben“, sagt Postsprecher Thomas Kutsch. Alternativ können künftig auch automatisierte Poststationen aufgestellt werden, wenn sie durch die Bundesnetzagentur – in Absprache mit der örtlichen Kommune, zugelassen werden.

In Malsfeld prüfe die Post nun neben einer Partnerlösung weitere Möglichkeiten: „Zum Beispiel die Aufstellung einer Poststation mit Display und einen zusätzlichen Paketshop“, sagt der Post-Sprecher. Die Möglichkeiten schließen die Suche nach einer Partnerfiliale aber nicht aus. Wann zum Beispiel eine Poststation errichtet werden soll, kann die Post nicht sagen. „Am besten so schnell wie möglich“, sagt Kutsch.

Trauer und Enttäuschung über Schließung

Poststation, Paketshop oder doch eine neue Partnerfiliale? In den sozialen Medien zeigen sich viele Malsfelder sowohl traurig als auch wütend über die Schließung der Postfiliale im Edeka-Markt Grabe am 7. Februar. Wie es mit der Post in Malsfeld weitergeht, steht laut der Deutschen Post noch nicht genau fest. Eine Interimslösung der Post, also eine Öffnung der Filiale zwei Stunden pro Werktag mit einem Mitarbeiter der Post, habe der Gemeindevorstand verworfen, sagt Malsfelds Bürgermeister Michael Hanke.

„Das wäre auf keinen Fall tragbar gewesen.“ Denn: Ein hoher Prozentsatz an Dienstleistungen, die über die Filiale laufen, seien laut Hanke Paketabgaben und -annahmen. Briefmarken, Briefe oder andere Aufkleber würden nur einen geringen Teil des Geschäfts in Malsfeld ausmachen. Das Paketgeschäft, das einen hohen Anteil bei der Post in Malsfeld ausmacht, wäre somit auf zwei Stunden pro Tag reduziert worden.

Paketshop als mögliche Lösung

„Das Abhol-Aufkommen vor Ort hätte sich so massiv erhöht“, sagt Hanke. Als Kompromisslösung könne es laut Hanke eine rund um die Uhr geöffnete Poststation für das Kernsortiment von Post- und Paketdienstleistungen geben. In dieser können Pakete mit einer Größe von maximal 75 mal 60 mal 40 Zentimetern gelagert werden.

„Zudem soll es im Edeka Markt statt der Universaldienstleisterfiliale einen Paketshop geben, in dem auch weiterhin größere Pakete angenommen und abgeschickt werden können“, sagt Hanke.

Dieser habe zu den Öffnungszeiten des Edeka-Marktes geöffnet. Ein Beschluss des Gemeindevorstandes sei bereits gefasst worden. Für die Aufgabe von Briefen und andere Dienstleistungen müssten Kunden ab dem 7. Februar jedoch in die Rotenburger Straße nach Melsungen.

Wenn das die einzige Lösung der Deutschen Post ist, fehlt mir ein Plan A.

Michael Hanke

„Eine neue Partnerfiliale ist natürlich das, was wir uns alle wünschen“, sagt Malsfelds Bürgermeister. Für eine entsprechende Filiale müssten laut Post-Sprecher Thomas Kutsch aber auch personelle und strukturelle Faktoren gegeben sein. „Zum Beispiel müsste es vor dem Geschäft genügend Parkplätze geben“, sagt er.

Bisher habe sich aber in Malsfeld keine Partnerlösung finden lassen. Als unglücklich empfindet Michael Hanke, dass der Eindruck vermittelt wird, dass es an den strukturellen Faktoren der Gemeinde und der Geschäfte liege. „Nicht jedes Geschäft kann Personal bereitstellen oder zusätzliches gewinnen, um eine Postfiliale zu betreiben“, sagt er.

„Das Post-Konzept funktioniert doch nur so lange, wie sich Partner finden lassen. Und wenn das die einzige Lösung der Deutschen Post ist, fehlt mir ein Plan A.“ Für die Probleme bei den Filialen sehe er die Post in der Verantwortung. „Es geht nicht nur um die Räumlichkeiten, denn die sind vorhanden. Vielmehr geht es um das fehlende Personal und anfallende Kosten, die die Geschäfte tragen müssen“, sagt Hanke. „Es ist alles andere als seriös, wenn die Post kein eigenes Personal stellen kann und dann auf das Personal der Kooperationspartner zurückgreifen muss.“
(Kerim Eskalen)

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