VonAnke Zimmerschließen
Die einen tragen Kostüme, die anderen sind im Sport-Outfit gekommen, legere Freizeitkleidung ist auch zu sehen. Keine Frage, einen Dresscode gibt es nicht. Noch nicht. Denn für das Open-Air-Musical „Bonifatius“ wird derzeit „nur“ geprobt. Ein Besuch.
Fulda - Hunde? Welche Rolle spielen nochmal Hunde in „Bonifatius“? Sind sie die Balljäger vor dem Herrn? Bewachen sie die Donareiche? Oder werden sie zu den Torhütern des Klosters Fulda ernannt? Jedenfalls flitzen Flekki, Teddy und Flynn munter durch die Probenhalle, in der dieser Tage die Szenen des spotlight-Musicals einstudiert werden, bevor es dann vor den Dom geht. Denn dort, im Angesicht der prächtigen Barockfassade, heißt es ab dem 22. August wieder „Ein Mann, ein Wort“.
Fotostrecke: Ein Besuch bei den „Bonifatius“-Proben




Das Spektakel, auf den Tag vor fünf Jahren erstmals an eben jenem Ort gezeigt (die Uraufführung fand 2004 im Schlosstheater statt), geht in die zweite Open-Air-Runde. Und die Drei von der Vier-Pfoten-Front? Haben ihren Spaß, solange es für die Stars und das Ensemble noch nicht ernst wird mit der Probe. Als diese beginnt, warten sie auf ihren Plätzen. Ganz artig. Jedenfalls tun sie so.
Proben für „Bonifatius“-Musical in Fulda - Blick hinter die Kulissen
An diesem frühen Abend steht „Das Salz der Erde“ auf dem Plan, eine Szene, in der gefeiert und getanzt wird. Denn die Gründung des Klosters zu Fulda ist soeben beschlossen worden. Thomas Borchert gibt als Titelfigur den Ton an, sein Schüler Sturmius – Friedrich Rau – und die patente Lioba, gespielt von Anke Fiedler, wirbeln fröhlich um ihn herum. Nicht zu vergessen: Sabrina Weckerlin als Alrun, in die sich Sturmius verliebt und auf die er dann doch verzichtet. Sonst wäre es ja nix mit dem Kloster und nix mit der Stadt Fulda und final eben auch nix mit dem Musical geworden. Da können die Hunde noch so niedlich sein.
Michael Schüler („wie Lehrer“) gibt Anweisungen, wer wie von wo auf die schiefe Bühnenscheibe kommt und dort die Tische erklimmt. Er dirigiert die Schar. Schüler hat die Regie von Stefan Huber übernommen, der 2019 die Show inszeniert hatte und im vergangenen November starb. „Ich führe ,Bonifatius‘ in seinem Sinne weiter“, sagt er. Was er damit meint? „Er hat sehr musikalisch gedacht und war Schweizerisch genau.“ Eine Kopie ist die diesjährige Show mitnichten. Zumal mit Borchert und Weckerlin zwei neue Gesichter im Team sind. „Das ist ein anderer Input.“
„Päpstin“-Star Sabrina Weckerlin bereits 2004 bei „Bonifatius“ dabei
Davon ist auszugehen, auch wenn Weckerlin in Fulda bereits als Alrun zu erleben war, damals, 2004. Vor fünf Jahren aber konnte sie aus gesundheitlichen Gründen nicht dabei sein. „Die Rolle nun wieder zu spielen, ist so schön“, schwärmt sie. „Und Entspannung pur.“ Äh, Entspannung? Weckerlin lacht. Denn soeben hat die Spielzeit der diesjährigen „Päpstin“ geendet, und eine Hauptrolle sei nun mal eine ganz andere Nummer. Was nicht heißt, dass Alrun eine Nebenfigur wäre. „Ihre Liebe zu Sturmius ist für ihn eine echte Herausforderung.“
Sie ist aber nicht die einzige Frau in dieser „Männerwirtschaft“. Die Hosen an hat in dem Stück Lioba, die Benediktinerin an der Seite des Missionars Bonifatius, mit dem sie verwandt ist. Sie liest ihm und allen anderen Herren der Kirche ordentlich die Leviten. „Starke Frauen“ heißt ihr Song, und stark muss auch Anke Fiedler sein. „Allein mein Mantel hat ein ordentliches Gewicht“, sagt sie und legt ihn der Besucherin über den Arm. Uff... dagegen ist so ein kleiner Hund ein Fliegengewicht. „Und das ist noch nicht alles, was mein Kostüm mir abverlangen wird“, fügt sie hinzu (und hofft, nebenbei bemerkt, auf angenehme Temperaturen bei den Shows). Singen und Schauspielern ist eben manchmal Hochleistungssport.
Eine starke Frau – das ist aber auch im übertragenen Sinn gemeint, bei Lioba und Fiedler gleichermaßen. „Ich frage mich“, sagt die Sängerin und Schauspielerin, „ob Lioba so wäre wie ich, wenn sie heute leben würde.“ Und andersherum gedacht? Wäre Fiedler so wie Lioba, wenn sie im Mittelalter geboren worden wäre? „Vielleicht“, überlegt sie. Denn immerhin war das Leben in einem Orden mitunter die einzige Möglichkeit für eine Frau, Bildung und zumindest eine gewisse Form von Macht zu erlangen. Mal abgesehen von Frauen, die sich als Mann ausgeben und Papst werden, aber das steht erstens auf einem anderen Blatt und zweitens ist Sabrina Weckelin längst verschwunden, und mit ihr der weiße Flynn.
Spielen auf schiefer Scheibe „ist echt anstrengend“
Während von Anke (Fiedler) zu Anke (Zimmer) noch darüber diskutiert wird, warum die Emanzipation der Frau vor der Wende im Osten viel weiter entwickelt war als im Westen und dann einen Rückschritt erlitt, während Produzent Peter Scholz als „Beinmodel“ herhalten muss für den Fotografen und Thomas Borchert über seinen Bonifatius-Bart schimpft – „der ist so zottelig, und er muss jetzt noch zwei Wochen weiterwuchern“ –, ist Friedrich Rau in den Feierabend entschwunden.
Bei der Probe noch folgte er sehr aufmerksam den Choreografie-Anweisungen von Farid Halim und Katrin Merkl, setzte deren Tipps um ... und machte sich dann flugs vom Acker. Doch es gibt kein Entrinnen. Dann muss er eben am Telefon erzählen, ob er sich rasch wieder in die Rolle des Sturmius eingefunden hat, er spielte ihn bereits 2019. „Ja“, sagte er, „das ging erstaunlich schnell. Die Rolle passt zu mir. Ich hab mir wohl offensichtlich die jugendliche Neugierde bewahrt, die auch Sturmius kennzeichnet.“
Und dann ist er voll des Lobes für Borchert, mit dem er hervorragend zusammenarbeiten könne. Auch haben sie zwei Gemeinsamkeiten: Beide geben im Herbst Konzerte in Fulda. Und beide erklären die schiefe Scheibe der Bühne zur Herausforderung. „Sie hat das aus Sicherheitsgründen maximale Gefälle“, sagt Rau, „darauf zu spielen ist echt anstrengend“. Was dem Publikum gar nicht so bewusst würde. Vielleicht aber den drei Hunden: Sie haben an diesem Probentag nicht eine Pfote darauf gesetzt.
„Bonifatius – das Musical“ wird vom 22. bis 31. August täglich (außer Montag und Dienstag) jeweils um 20.30 Uhr auf dem Domplatz in Fulda aufgeführt. Karten für die Shows gibt es in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung.
Rubriklistenbild: © Charlie Rolff

