Landgericht Göttingen

Prozess um Online-Anlagebetrug: Quartett soll Millionensumme ergaunert haben

+
Prozessauftakt um mutmaßlichen Millionenbetrug: Mehrere Verteidiger vertreten die Angeklagten.
  • schließen

International agierendes Netzwerk: Prozessauftakt um Online-Betrug vor Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Göttingen: Vier Männer sind angeklagt.

Göttingen – Vor dem Landgericht Göttingen hat am Donnerstag der Prozess gegen vier mutmaßliche Angehörige eines international agierenden Netzwerks von Online-Anlagebetrügern begonnen.

Die vier Männer – zwei 37 und 40 Jahre alte Israelis, ein 30-jähriger Bulgare und ein 52 Jahre alter israelisch-rumänischer Staatsbürger – sollen zwischen August 2017 und Oktober 2021 mehrere betrügerische Online-Plattformen betrieben haben, die angeblich lukrative Finanzprodukte und Kapitalanlagemöglichkeiten anboten.

International agierendes Netzwerk für Anlagebetrug: Prozessauftakt am Landgericht Göttingen

Tatsächlich sollen die eingezahlten Beträge nie angelegt worden sein. sondern von den Angeklagten und weiteren Tätern beiseitegeschafft worden sein. Insgesamt sollen sie dabei allein in Deutschland mehr als 5.600 Personen geschädigt und dabei mehr als 23 Millionen US-Dollar sowie einen weiteren Betrag von mehr als 2,2 Millionen Euro erlangt haben.

Insgesamt soll das kriminelle Netzwerk nach den Erkenntnissen der Ermittler weltweit mehr als 33.000 Geschädigte um über 89 Millionen Euro geprellt haben.

Die Angeklagten waren Anfang März bei einer internationalen Großrazzia festgenommen und später nach Deutschland ausgeliefert worden. Alle vier sitzen seitdem wegen Fluchtgefahr in unterschiedlichen Justizvollzugsanstalten in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft hat noch vier weitere Verdächtige angeklagt, die Verfahren gegen diese Angeschuldigten wurden abgetrennt.

Anlagebetrug in großem Stil: 23 Millionen US Dollar und über zwei Millionen Euro

Dass der Prozess gegen die mutmaßlichen Drahtzieher in Göttingen stattfindet, hat seinen Grund darin, dass die Zentralstelle für Internet- und Computerkriminalität bei der Staatsanwaltschaft Göttingen angesiedelt ist.

Außerdem waren die Ermittlungen durch die Strafanzeige eines Göttingers ausgelöst worden, der 250.000 Euro verloren hatte. Die Staatsanwaltschaft hatte dann sämtliche bekannt gewordenen Betrugsfälle aus Deutschland zu einem Sammelverfahren gebündelt.

Der Prozess ist mit großem Aufwand verbunden: Da die Angeklagten unterschiedliche Sprachen sprechen, hat das Gericht mehrere Dolmetscherkabinen in den Zuschauerraum eingebaut. Insgesamt sechs Dolmetscher für Englisch, Bulgarisch und Hebräisch übersetzen die Verhandlung simultan.

Vier Männer vor dem Landgericht Göttingen angeklagt: Anlagebetrug bei über 5.600 Personen

Dass es sich um ein sehr komplexes Verfahren handelt, zeigte sich auch daran, dass die Verlesung der Anklage eineinviertel Stunden dauerte. Die Staatsanwaltschaft wirft den vier Angeklagten gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs sowie Bildung einer kriminellen Vereinigung vor.

Laut Anklage sollen sie diverse betrügerische Online-Plattformen betrieben haben, darunter „fx-leader.com“, „invcenter.com“. „interactive-trading.com“ und „qteck.io“.

Zum Prozessauftakt kritisierten mehrere Verteidiger, dass die Anklage nicht den Anforderungen entspreche, da die jeweiligen Tatbeiträge der Angeklagten nicht hinreichend konkret benannt seien und zudem die Ermittlungen noch gar nicht abgeschlossen seien.

So stehe derzeit noch die Auswertung des Zahlungsverkehrs und der Chatnachrichten aus. Ein Verteidiger beantragte deshalb, die Anklage gar nicht erst zu verlesen, sondern das Verfahren durch Urteil einzustellen. Dies lehnte das Gericht ab. Der Prozess wird Anfang Oktober fortgesetzt. (Heidi Niemann)

Kommentare