VonSabrina Mehlerschließen
Mit deutlicher Anspannung betraten am Mittwoch, 13. November, drei junge Männer den Gerichtssaal, wo sich in den kommenden Wochen ihr Schicksal entscheiden wird. Die Anklage: gefährliche Körperverletzung nach einer Schlägerei im Schlossgarten.
Fulda – Die Auseinandersetzung hätte für einen 21-Jährigen auch noch schlimmer enden können, wäre sie nicht durch couragierte Musical-Mitarbeiter gestoppt worden. Zu Beginn der Verhandlung zeichnete die Staatsanwaltschaft ein reichlich verworrenes Bild der Juli-Nacht im vergangenen Jahr im Fuldaer Schlossgarten.
Prozessauftakt nach Gewaltexzess mit Eisenstangen und Messer
Die Eskalation begann laut Anklage als harmlose Auseinandersetzung: Einer der Angeklagten saß mit zwei Mädchen auf einer Bank in der Nähe des späteren Opfers, einem 21-jährigen Mann. Mehrfach habe der Angeklagte in Richtung des 21-Jährigen gespuckt, trotz dessen Aufforderung, dies zu unterlassen. Daraus entwickelte sich ein lautstarker Streit, so Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban, der schließlich in Handgreiflichkeiten mündete.
Das Opfer soll den Angeklagten am Kragen gepackt haben. Dieser wiederum habe mit einer 0,7-Liter-Hugo-Flasche gegen den Kopf des 21-Jähringen geschlagen. Daraufhin verließ der 21-Jährige den Schlossgarten, kehrte jedoch wenig später mit zwei Freunden zurück. Es kam erneut zu hitzigen Wortwechseln und schließlich zur erneuten körperlichen Auseinandersetzung mit mehreren jungen Männern, ohne sagen zu können, wie und wer sie begann, erklärte die Staatsanwaltschaft.
Bei Faustschlägen und Tritten blieb es nicht: Das Opfer erlitt zwei Messerstiche in den Bauch und einen weiteren Stich in den Rücken in der Nähe des Schulterblatts. Seine Angreifer sollen zudem noch schwere Eisenstangen von einer Baustelle gegriffen haben.
Der 21-Jährige schaffte es schließlich, sich zum Hintereingang des nahegelegenen Schlosstheaters zu schleppen, wo er blutend zusammenbrach. Doch auch dann endete die Gewalt nicht: Mit den Eisenstangen und einem Tritt gegen den Kopf wurde er weiter attackiert, bis drei Zeugen beherzt einschritten.
Musical-Mitarbeiter schreiten beherzt ein und können vermutlich Schlimmeres verhindern
Bereits kurz nach dem Vorfall im vergangenen Jahr war bekannt geworden, dass es sich bei den Zeugen, die den Angriff stoppten, um Mitarbeiter des Musicals „Robin Hood“ handelte. Peter Scholz, Geschäftsführer der Produktionsfirma spotlight, schilderte damals unserer Zeitung, wie er den brutalen Vorfall aus nächster Nähe miterlebte. Zunächst habe er nur Schreie gehört, was im Schlossgarten nichts Ungewöhnliches sei.
Doch dann habe er die Eisenstange gesehen: „In diesem Moment erlebte ich, wie wichtig Zivilcourage ist“, berichtete Scholz damals, und dass es manchmal vieler Menschen bedürfe, die gemeinsam eingreifen. Musical-Mitarbeiter hätten sofort Erste Hilfe geleistet. Das Opfer war schwer verletzt und musste umgehend ins Krankenhaus gebracht werden, wo Ärzte eine Notfall-Operation durchführten.
Am Mittwochmorgen äußerte sich nur einer der drei Angeklagten, die zur Tatzeit 17, 19 und 22 Jahre alt waren und aus Afghanistan und Syrien stammen, zum Tatvorwurf. Der Verteidiger eines Beschuldigten, Christian Celsen, schilderte die Sicht seines Mandanten: So sei die Aggression nicht von ihm ausgegangen, sondern von dem späteren Opfer, das den Angeklagten am Kragen gepackt habe. Sein Mandant habe zwar ausgespuckt, aber nur, weil er zuvor etwas getrunken habe, und keinesfalls in die Richtung des 21-Jährigen.
Laut Verteidigung habe sein Mandant lediglich reagiert, indem er mit einer Flasche auf den Oberarm des anderen eingeschlagen habe, woraufhin das spätere Opfer mit Drohungen zunächst fortgegangen sei. Zehn Minuten später sei dieses jedoch mit mehreren Begleitern zurückgekommen. Die erneute Konfrontation schlug in Gewalt um: „Daraufhin setzte sich mein Mandant zur Wehr.“ Zum weiteren Ablauf äußerte sich die Verteidigung nicht. Die Verhandlung wird am Donnerstag mit der Vernehmung mehrerer Zeugen fortgesetzt.


