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Frankfurt hängt leuchtende Halbmonde auf und rechte Kräfte reden von „Unterwerfung“. Dabei ist die Stadt einfach nur vielfältig. Ein Kommentar.
Frankfurt - Wenn man sich dieser Tage auf Twitter umsieht, das jetzt X heißt, könnte man den Eindruck gewinnen, Frankfurt sei schuld am Untergang der Zivilisation. Alle möglichen Leute, von FDP-Politikern bis hin zum AfD-Faschisten Björn Höcke regen sich wie wild darüber auf, dass die Innenstadt zum Fastenmonat Ramadan erstmals mit blinkenden Sternen und Halbmonden geschmückt wird. Von „Unterwerfung“ ist da die Rede, vom Ende des christlichen Erbes, sogar von „Islamisierung“.
Um es klar zu sagen: Das ist alles völliger Humbug. Die rechten bis rechtsextremen Kulturkämpfer haben nur ein neues Thema gefunden, mit dem sie ihre Verschwörungserzählungen vom Bevölkerungsaustausch und der Eroberung Europas durch den radikalen Islam stützen wollen. Mal ist es eine Kita, die angeblich aus Rücksicht auf Muslime Kindern keine Bratwurst mehr gönnt, mal ein St. Martins-Umzug, der vermeintlich wegen „Multikulti-Ideologie“ Laternenfest heißt. Und jetzt geht es halt um Glühbirnen in der Fußgängerzone.
Frankfurt: In der Stadt leben mehr als 100.000 Muslime
In Wirklichkeit ist es einfach so, dass in Frankfurt mehr als 100 000 Muslime leben und die Stadt dieser Tatsache Rechnung trägt. Wenn Weihnachtsbeleuchtung ein Zeichen von gelebter Tradition und besinnlicher Familienzeit ist, ist es Ramadan-Beleuchtung beim Shoppen eben auch. Kritisch könnte man höchstens diskutieren, ob der öffentliche Raum nicht auch mal frei von Religion sein sollte.
Die Wahrheit ist: In jeder Frankfurter Grundschule gibt es heute Christinnen, Muslime, Atheistinnen, Sikhs, Hindus. Die Stadt ist divers und hat keine eindeutige gesellschaftliche Mehrheit mehr. Das sorgt für Konflikte, na klar, aber es funktioniert weitaus besser, als rassistische Wirrköpfe aus Thüringen meinen.
Frankfurt: Der Islam gehört dazu
Zudem sind Zeichen der Zugehörigkeit an Muslime ein Mittel gegen Radikalisierung. Es ist auch das ewige „Ihr gehört nicht zu uns“, das junge Menschen in die Arme islamistischer Prediger treibt. Von daher: Lasst Frankfurt mal machen. Unsere postmigrantische Stadt ist allemal besser für die Demokratie als die Faschisten, die von „Remigration“ und ethnischer Reinheit träumen. (Hanning Voigts)
