VonOliver Teutschschließen
Die Aufarbeitung der Gewalttätigkeiten im Stadion zieht sich hin. Es gibt Kritik der Fans auch an der Eintracht und die Staatsanwaltschaft verwundert mit einem Zeugenaufruf.
Sieben Wochen sind seit den schweren Ausschreitungen im Stadtwald vergangen. Sieben Wochen, in denen die Polizei mit einer Sonderkommission auf Hochtouren ermittelt, sich aber genauso wie die Staatsanwaltschaft weitgehend ausschweigt. Kritik gibt es nach den Krawallen aber nicht nur an der Polizei, sondern auch an Eintracht Frankfurt. Der Verein hatte sich zwei Tage nach den Ausschreitungen als Veranstalter des Bundesligaspiels bei allen entschuldigt, die verletzt worden oder zu Schaden gekommen waren, und angekündigt, die Vorfälle sorgfältig auszuwerten. Seit diesem „ersten Zwischenfazit“ hat sich der Verein nicht mehr zu den Gewalttätigkeiten geäußert.
Enttäuscht davon sind nicht nur Betroffene. Jürgen Wach, der die Vorkommnisse am 25. November mit seinem inoffiziellen Eintracht-Fanclub „Die Tribünenkrätscher“ unbehelligt von der Gegentribüne aus verfolgt hatte, hat einige Tage danach einen offenen Brief an den Eintracht-Vorstand gesandt. Darin kritisiert der Fanclub aus dem Main-Taunus-Kreis nicht nur die Ultras scharf. „Auch wenn sie die Stimmungsmacher sind, die ein Stück den Markenkern der Eintracht ausmachen, ist der Kipppunkt längst schon überschritten“, heißt es in dem Brief. Erinnert wird dabei an die vielen Geldstrafen, die der Verein wegen des Abbrennens von Pyrotechnik immer wieder zu zahlen habe, aber auch an martialische Auftritte wie etwa beim DFB-Pokal-Finale in Berlin im vergangenen Mai, als haufenweise Böller gezündet wurden und auf ausgelegten Fanartikeln der „Fußball-Terror“ beschworen wurde.
Kritisiert wird dabei aber auch der Vorstand der Eintracht, der die Verursacher „seit Jahren hofiert“. Die friedlichen Fans würden „als Zahlvieh eigentlich nur dann wahrgenommen, wenn die Überweisungen anstehen“, heißt es weiter. Auf ihren Brief haben die „Tribünenkrätscher“ bislang nur eine Antwort des Fanservice erhalten, in der es heißt, der Brief sei intern weitergeleitet worden. Auch darüber ist Wach enttäuscht. „Für mich ist es eine Bestätigung meiner Einschätzung über den Stellenwert der ,unproblematischen‘ Vollzahler auf den etwas teureren Plätzen.“
Die Eintracht hatte in ihrem Zwischenfazit bereits angekündigt, die Aufarbeitung der Ereignisse sei „komplex“ und werde „weitere Zeit“ in Anspruch nehmen. Bereits konstatiert hat die Eintracht in der Mitteilung, dass sich an jenem Nachmittag „wiederholt kleinere Gruppen durch Wegstoßen der Ordnungsdienstmitarbeiter Zutritt verschafft hatten“ und ein zu Hilfe gerufener Sicherheitsmitarbeiter des Vereins „umgehend von circa 20 Personen körperlich mit Schlägen angegriffen“ worden sei.
Womöglich wartet die Eintracht auch die Ermittlungen der Polizei ab. Genauere Angaben zum Stand der Ermittlungen machte die für Presseauskünfte zuständige Frankfurter Staatsanwaltschaft auch in dieser Woche „aus ermittlungstaktischen Gründen“ nicht. Auf die explizite Nachfrage zum Stand der Ermittlungen gegen mögliche Verfehlungen von Polizeibeamten führte die Staatsanwaltschaft aus, dass die Aufklärung „aufgrund der fehlenden Kooperation von Geschädigten“ erhebliche Probleme bereite. „Daher wäre zu begrüßen, wenn sämtliche zur Verfügung stehenden Zeuginnen und Zeugen gegenüber den Ermittlungsbehörden Angaben zur Sache machen würden“, heißt es in der Antwort an die FR.
Der Aufruf verwundert insofern, da für die Ermittlungen gegen Polizeibeamte ja dieselben unlängst kolportierten zwei Terabyte Videomaterial aus der Stadionüberwachung zur Verfügung stehen müssten wie für die Ermittlungen gegen gewalttätige Fans – und auch für diese Ermittlungen kaum mit der Kooperation von Beteiligten zu rechnen sein dürfte. Der Spielbetrieb in der Bundesliga läuft seit Samstag wieder, die Aufarbeitung dürfte sich noch eine Weile hinziehen.
