VonKathrin Rosendorffschließen
Shani Ochana überlebte dank Oz Davidian den 7. Oktober. Der 53-Jährige und die 25-Järige sind auf Einladung der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt.
Frankfurt – Als Oz Davidian am 7. Oktober in seinem Pick-up-Truck losfährt, weiß er noch nicht, was genau passiert ist. Weil seine Schwester ihm zuvor eine Whatsapp geschickt hatte, weiß er, dass etwas nicht stimmt, dass Jugendliche auf der Flucht sind. Es sind junge Menschen wie Shani Ochana, die noch wenige Stunden zuvor, wie sie erzählt, „glücklich“ auf dem Supernova-Festival gefeiert hatten. Immer wieder schießen Hamas-Terroristen auch auf seinen Wagen. „Die Terroristen haben auf alle geschossen, egal ob sie jüdisch, muslimisch oder drusisch waren“, sagt er. Der 53-Jährige gibt aber nicht auf, sie zu suchen, und bringt die Menschen in die Ortschaft Maslul, die nur 10 Kilometer entfernt vom Gazastreifen liegt und deren Infrastruktur nicht zerstört wurde. Am Ende rettet er 120 Menschen das Leben. Einem jungen Mann verspricht er, als er ihn und seine Clique zunächst nicht orten kann, weil das Internet zusammenbricht: „Ich gehe nicht ohne dich nach Hause.“
Jüdische Gemeinde in Frankfurt lädt Überlebende des 7. Oktober ein
Als der Israeli diese Worte an diesem Montagmittag im Limpurgsaal des Römers wiederholt, kann er seine Tränen nicht mehr zurückhalten. Immer wieder streicht ihm dann Shani Ochana tröstend über den Rücken. Auch der 25-Jährigen hat er das Leben gerettet. „Mittlerweile ist er eine Vaterfigur für mich“, sagt sie. Hinter einer Hecke hatte sie sich versteckt. „Sie lief mir barfuß mit komplett verletzten Füßen entgegen, wir hörten die Terroristen, sie waren ganz in der Nähe, ich habe sie aber trotzdem erst mal in die Arme genommen.“
Alle im Saal sind emotional bewegt. Bürgermeisterin Nargess Eskandari-Grünberg (Grüne) betont immer wieder, dass Davidian ein Held ist.
Ein Held, der sich entschuldigt, weil er so aufgeregt ist, weil er nur selten seine Geschichte in der Öffentlichkeit erzählt, weil es so schwer ist. „Bis heute sind die Bilder in meinem Gedächtnis eingebrannt, immer wieder tauchen sie tagsüber auf und in der Nacht.“ Auf Youtube kann man seine Rettungsfahrten in Echtzeit anschauen, denn seine Dashkamera lief mit.
Shani Ochana, ihre Schwester Dana und Davidian sind drei der vier Gäste, die die Jüdische Gemeinde nach Frankfurt eingeladen hat. Die Bürgermeisterin hat sie in den Römer eingeladen. Am Abend wollen die Gäste in der jüdischen I. E. Lichtigfeld-Schule ihre Geschichte ausführlicher erzählen. Unter ihnen ist auch Sharon Kippermann, Ansprechpartner des Vereins „Frankfurter helfen“ aus Maslul. Er bedankt sich und erzählt, wie seine Frankfurter Freunde ihn nach dem Anschlag der Hamas fragten, wie sie denn helfen könnten. „Wir brauchen Wasser, zwölf Stunden später waren Wasser und Kühlschränke da“, sagt er. Neun Monate später geht die Hilfe weiter.
„Lasst uns daran glauben, dass es Hoffnung gibt“
Die Frankfurter Initiatoren Yuval Rozenberg und Lenny Lemler, die sich zunächst in ihrer Eintracht-Fan-Chatgruppe organisierten, gründeten den Verein. Lemler sagt: „Wir sind in der Lage, was zu tun.“ Durch Spenden wurden Dusch- und Waschräume oder auch Kinderbetreuung eingerichtet. Inzwischen sei sogar in Maslul ein Straßenkreisel nach dem Verein benannt. Kippermann sagt: „Lasst uns daran glauben, dass es Hoffnung gibt.“ Die israelische Generalkonsulin Talya Lador-Fresher betont: „Israel war das Opfer, alles was danach kam, war die Reaktion darauf.“ Diese Woche sollen die indirekten Verhandlungen über eine Waffenruhe im Nahost-Krieg und einen Austausch von Geiseln gegen palästinensische Häftlinge weitergehen.
Beim Rausgehen sagt Shani Ochana: „Es gibt den politischen Frieden und den zwischen Menschen. Ich hoffe, dass am Ende die Liebe gewinnt.“ An ihrem Armgelenk hat sie noch das blaue Festival-Bändchen. Ihre beste Freundin sei von der Hamas getötet worden, andere seien noch entführt. „Ich werde es erst abnehmen, wenn alle Geiseln wieder zurück sind.“
Rubriklistenbild: © Monika Müller

