Schlüssel als Fundstücke Nummer eins

Rund 200 Gegenstände werden jährlich im Eschweger Fundbüro abgegeben

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Ein Kinderroller, eine Uhr, ein Notebook: Anja Grebenstein (links), Leiterin des Fundbüros in Eschwege, und Pressesprecherin Scarlett Grebestein präsentieren Dinge, die zurzeit im Fundbüro aufbewahrt werden.
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In den sozialen Medien sieht man häufig Meldungen, dass jemand etwas gefunden hat und nun den Besitzer öffentlich sucht.

Eschwege – „Das ergibt an sich auch Sinn“, stellt die Leiterin des Eschweger Fundbüros, Anja Grebenstein, fest, „doch nur, wenn der Finder dann auch dazuschreibt, dass er den Gegenstand im Fundbüro abgegeben hat.“ Und natürlich auch in welches, denn jede Gemeinde hat ihr eigenes Fundbüro. Heißt, der Schlüsselbund, der auf der Bank in Wanfried lag, sollte dann auch dort abgegeben werden. Schlüssel gehören zu den Gegenständen, die im Fundbüro im Eschweger Rathaus am häufigsten abgegeben werden – dicht gefolgt von Portemonnaies und Handys. Insgesamt finden jährlich rund 200 Dinge wie Notebooks, Ringe, Anhänger und Co. ihren Weg in das Fundbüro der Kreisstadt. „Portemonnaies gehen fast immer zurück an den Eigentümer und das meistens auch sehr schnell“, berichtet Anja Grebenstein, die sich darüber freut, wenn sich die Finder zeitnah melden, denn „die Leute, die etwas verloren haben, melden sich ja auch sofort bei uns.“

Kommen dann Gegenstand und Besitzer wieder zusammen, sei die Freude natürlich groß. „Wir machen die Leute gerne glücklich“, erzählt Anja Grebenstein strahlend.

Das Fundbüro macht nur einen kleinen Teil ihrer täglichen Arbeit aus, dafür aber einen besonders spannenden. Denn die Arbeit im Fundbüro hat neben der nüchternen Sacharbeit, in der die gefundenen Dinge feinsäuberlich mit allen wichtigen Daten wie Name des Finders, Art des Gegenstandes, Fundort- und Uhrzeit dokumentiert wird, auch eine emotionale und oft fast detektivische Seite. Kann der Besitzer wie im Falle der Portemonnaies eben nicht schnell ermittelt werden, muss Grebenstein andere Wege gehen. „Alles, was hier bei uns abgegeben wird, stelle ich online.“ Unter www.fundbuerodeutschland.de ist immer eine aktuelle Auflistung. Dabei lässt sie in der Beschreibung des Gegenstandes immer einen Aspekt aus.

„Das kann ein kleiner Makel bei einem Ring oder eine Gravur sein.“ So kann der Besitzer dann später beweisen, dass er den Gegenstand auch wirklich kennt, indem er Grebenstein genau diese Details beschreibt. „Bei Schlüsseln muss der Besitzer einen zweiten Vergleichsschlüssel mitbringen.“ Hilft auch die Onlineplattform nicht weiter und der Gegenstand wurde auch nach sechs Monaten nicht abgeholt, kann der Finder das Fundstück erwerben. Dazu muss man drei Prozent vom Wert des Gegenstandes zahlen sowie zehn Euro Aufbewahrungsgebühr. Aus diesem Grund geht Anja Gebenstein etwa mit gefundenem Schmuck zu den Juwelieren in der Region, um den Wert schätzen zu lassen. „Es kommt aber eher selten vor, dass Finder von diesem Recht Gebrauch machen.“

Auch selten kommen Versteigerungen vor. Das liegt laut Grebenstein daran, dass selten genug Fundstücke vorhanden sind, deren Versteigerung sich lohnen würde. Kommt es aber doch mal zu einer Versteigerung, geht der Erlös an den guten Zweck. So wurden bereits das Eschweger Tierheim, die Tafel sowie der Hospizverein mit einer Summe aus nicht abgeholten Gegenständen bedacht.

Bargeldfunde sind ebenso selten. Doch ab und zu würden auch sie ihren Weg ins Fundbüro finden. „Ab zehn Euro muss der Fund gemeldet werden, ansonsten ist das Fundunterschlagung“, so Grebenstein, bei der auch schon mal ein dreistelliger Betrag abgegeben wurde. Kuriose Funde kommen zwar ebenfalls selten vor, dennoch gibt es sie: Ein einzelner (falscher) Zahn sowie ein Gebiss zählen sicherlich in diese Rubrik.

Fundbüro-Hochbetrieb herrscht übrigens alljährlich zum Open Flair. Die Festivalbesucher verlieren so viel, dass das Flair-Team ein eigenes Fundbüro während des Festivals betreibt. Gegenstände, die auch eine Woche nach dem Open Flair nicht abgeholt wurden, kommen dann ins Fundbüro im Eschweger Rathaus. Darunter befinden sich meist jede Menge Brillen, Powerbanks, Cappies und Pullover. Die großen Gegenstände, die die Open-Flair-Camper nach ihrer Abreise hinterlassen, landen allerdings nicht im Fundbüro. (Ulrike Käbberich)

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