Eintracht

Schockierende Bilder aus dem Waldstadion in Frankfurt

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Der deutlich geelerte Unterrang im Waldtsdion am Samstag kurz nach Anpfiff des Spiels. Foto: dpa-Bildfunk +++

Polizei und Fan-Szene beschuldigen sich nach dem Gewaltexzess im Stadion vom Samstag gegenseitig

Die Auschreitungen vor dem Bundesligaspiel am Samstagabend im Waldstadion sorgen weiter für große Aufregung. Auch am Montag beschuldigten sich Polizei und Fanszene gegenseitig, für die Eskalation und die Vielzahl von Verletzten verantwortlich zu sein. Die Polizei lud am Nachmittag eigens zu einer Pressekonferenz, um ihre Sicht der Dinge zu schildern. Gezeigt wurden zwei von Einsatzbeamten aufgenommene Videos, die das aggressive Vorgehen teils vermummter Fans gegen die Polizei zeigen. Polizeipräsident Stefan Müller zeigte sich „sehr erschüttert“ über die Bilder. „Ein solcher Gewaltexzess ist nicht hinnehmbar“, sagte Müller. „Hier fand ganz offensichtlich eine Entladung statt, die sich seit Monaten aufgestaut hat.“

Laut Thomas Schmidl, Leiter der Abteilung Einsatz im Frankfurter Polizeipräsidium, wurden die Beamtinnen und Beamten mit allem beworfen, was irgendwie greifbar war, von Kohlensäureflaschen bis zu Handtuchhaltern aus den Toiletten. Die Polizei berichtet von 57 verletzten Einsatz- und 59 verletzten Ordnungsdienstkräften. Die Faninitiative 13. Mann hingegen führt den Großteil der Verletzten auf den massiven Reizgaseinsatz der Polizei zurück. Die Initiative hatte bis Montagnachmittag nach eigener Aussage etwa 100 E-Mails von Betroffenen erhalten, die sich über das rigorose Vorgehen der Polizei beschwerten und schockiert zeigten. Schockiert ist auch Ina Kobuschinski vom Fanclubverband, die den Polizeieinsatz für „völlig überzogen“ hält und von einer „Machtdemonstration“ der Polizei sprach. Sie selbst habe eine solche Vielzahl an Verletzten noch nie gesehen.

Für Unmut in der Fanszene sorgte vor allem das massive Polizeiaufgebot schon weit vor dem Spiel, als alles noch friedlich war. Die Szene vermutet dahinter einen bundesweiten Vorstoß, um im Hinblick auf die Europameisterschaft im kommenden Jahr die Muskeln spielen zu lassen. Dem widersprach Polizeipräsident Müller. Das sei keine bundesweite Linie, sondern „ein Frankfurter Problem“. Die Ultras sähen für sich den Anspruch auf einen rechtsfreien Raum in der Kurve sehen, den es jedoch nicht gebe.

Die hohe Zahl der Einsatzkräfte wirft allerdings in der Tat Fragen auf. Laut Schmidl von der Abteilung Einsatz hatte die Polizei die Partie gegen den VfB Stuttgart Anfang November als Risikospiel mit einem entsprechend größeren Bedarf an Beamt:innen eingestuft.

Die Gründe dafür seien ein Weihnachtsmarkt der Ultras am Gleisdreieck mit Alkoholausschank am Spieltag gewesen und die Befürchtung, es könnte eine Racheaktion von Frankfurter Seite geben, weil Stuttgarter Fans beim vorherigen Aufeinandertreffen im März am Gleisdreieck die Notbremse gezogen hatten, sagte Schmidl.

Bei der Eintracht zeigte man sich über die Einstufung zum Risikospiel verwundert. Der Verein sei darüber zu keiner Zeit in Kenntnis gesetzt worden. Schmidl begründete die hohe Zahl der Einsatzkräfte vor Ort auch damit, dass Kräfte aus der Innenstadt von einer Großdemonstration abgezogen worden seien. Allerdings wären diese wohl kaum rechtzeitig vor der Nordwestkurve angelangt, wenn die gesamte Auseinandersetzung wie von der Polizei beschrieben in etwa eine halbe Stunde dauerte. Die Polizei hatte noch am Sonntag eine fast 50-köpfige Sonderkommission (Soko 2511) eingerichtet. Diese soll vor allem das zahlreiche Videomaterial in Bezug auf mögliche Straftaten auswerten. Am Samstag selbst waren neun Eintracht-Fans festgenommen worden, die aber alle wieder auf freiem Fuß sind.

Die Soko soll auch die Verletzungen bei den Einsatzkräften dokumentieren. So habe einer der Beamten eine Fraktur erlitten, ein anderer einen Sehnenabriss. Insgesamt hätten sich acht Beamte im Krankenhaus behandeln lassen müssen.

Die Initiative 13. Mann riet verletzten Fans am Montag, die Verletzungen beim Arzt attestieren zu lassen, sich damit aber nicht an die Soko zu wenden. Auch vor Anzeigen gegen Polizeibeamte ohne anwaltlichen Beistand riet die Initiative ab. Das gegenseitige Misstrauen zwischen Polizei und Fanszene scheint derzeit groß.

Zwei Strafanzeigen gegen Polizeibeamte wegen Körperverletzung im Amt seien aber eingegangen, hieß es von Seiten der Soko. Im Hinblick darauf, dass am Donnerstagabend schon wieder eine Partie im Stadion ausgetragen wird, rief Polizeipräsident Müller beide Seiten auf, „so gelassen und professionell wie möglich“ zu agieren.

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