Das Open-Air-Musical „Bonifatius“ auf dem Fuldaer Domplatz hat vier Shows hinter sich und vier vor sich. Zeit für eine kleine Zwischenbilanz. Dazu haben wir dem Produzenten des Fuldaer Musicalunternehmens spotlight, Peter Scholz, ein paar Fragen gestellt.
Peter Scholz: Wir liegen tagesaktuell nun bei 87 Prozent, Tendenz steigend… Damit sind wir sehr zufrieden.
Halbzeit für das Bonifatius-Musical in Fulda: Peter Scholz im Interview
Die Reaktionen derer, die das Stück bislang gesehen haben, sind – soweit ich das beobachtet habe – durchweg positiv. Welche Kommentare und Anmerkungen, ob direkt oder über Soziale Medien, haben Sie am allermeisten überrascht?
Uns freut besonders, dass offensichtlich niemand Schwierigkeiten mit dem religiösen Thema hat. Ganz viele Besucher sehen das Stück zum ersten Mal und sind über „Robin Hood“ Fulda-Fans geworden. Der Domplatz und Bonifatius hat bisher offensichtlich jeden in seinen Bann gezogen, und Bonifatius inspiriert auch nicht religiöse Menschen. Die Story scheint nach 20 Jahren auch keinesfalls angestaubt zu sein. [Spotlight hatte das Musical zum ersten Mal 2004 aufgeführt, Anm. d. Red.] Im Gegenteil: Es lassen sich enorm viele Parallelen mit unserer aktuellen gesellschaftlichen und politischen Situation finden.
Reinhard Brussmann, der ehemalige Bonifatius-Darsteller, sagte mir bei der Premierenfeier, dass ihn Thomas Borchert unglaublich begeistert habe. Wie kommt der neue Bonifatius denn beim Publikum an?
Das ist in der Tat so: Thomas wird als enorm glaubwürdig, energiegeladen und äußerst musikalisch wahrgenommen. Ein echter Volltreffer.
Was gegebenenfalls verbesserungswürdig ist, merkt man ja oft erst, wenn die Shows laufen. An welchen „Schrauben“ drehen Sie für die kommenden vier Vorstellungen?
Am Wetter können wir ja nix machen, aber damit haben wir ja auch großes Glück. Aber wir haben zum Beispiel mehr Hinweisschilder für Toiletten und Fluchtwege angebracht. Die Kollegen vom Catering sind leiser, um nicht die letzen Reihen zu stören. Manche Plätze haben für kleinere Menschen Sichtbehinderung durch die hohen Handläufe. Hier setzen wir auf Wunsch Zuschauer auf andere Plätze. Aber im Großen und Ganzen ist alles sehr gut geplant und organisiert. Ein großes Team hat eine komplexe Aufgabe sehr gut gelöst.
„Bonifatius“-Spektakel vor dem Dom in Fulda - Deutschlands größtes Open-Air-Musical feiert Premiere
Es gab Zuschauer, die es mir gegenüber bedauert haben, dass die Leinwände rechts und links nicht dazu genutzt würden, die Schauspielerinnen und Schauspieler vergrößert zu zeigen. Wie kam es zu dieser künstlerischen Entscheidung?
Dem Regisseur war wichtig, dass das Stück auf „Fernwirkung“ inszeniert ist. Würden die Bildschirme zur Übertragung genutzt, würden sie zentraler Teil der Inszenierung sein. Sie hätten also künstlerisch definiert sein müssen. Kameraleute hätten früh mitproben müssen, um ein in sich geschlossenes Kunstwerk zu schaffen. Zufällig kreierte Kamerabilder hätten von der eigentlichen Inszenierung abgelenkt.
Aktuell keine Bonifatius-CD geplant
Sind Sie selbst eigentlich jeden Abend vor Ort gewesen? Wenn ja: Sind und bleiben „Salz der Erde“ und der finale Song „Selbsterkenntnis“ die Publikumsrenner? So hatte ich es jedenfalls bei der Premiere empfunden.
Bei Bonifatius gibt es besonders viele Highlights, wie ich finde. Dazu zählen auch „Wann trägt der Wind mich fort, „Starke Frauen“, „Gib mir Kraft“, „Ein Leben lang“… Aber „Salz der Erde“ ist sicher auch optisch ein Höhepunkt.
Wird es mit Borchert und Sabrina Weckerlin (Alrun) eine Bonifatius-CD geben?
Es wird bestimmt einige schöne Videos auf Youtube geben. Eine Live-CD ist im Moment nicht geplant, da sich das nach aktueller Einschätzung nicht rechnen würde.
Zum Bonifatius-Musical
„Bonifatius“ erzählt die Geschichte des Missionars, der mit seinem Schüler Sturmius nach Germanien reist, um die Menschen zu christianisieren. Dabei stößt er auf Widerstände – nicht nur bei den Heiden, sondern auch in den eigenen Reihen. Auf seine Initiative hin wird ein Kloster entstehen, das den Namen des Flusses trägt, der dort fließ: Fulda.
In dem Musical mit der Musik von Dennis Martin sind zahlreiche Stars zu erleben, darunter Thomas Borchert, Sabrina Weckerlin, Friedrich Rau, Andreas Lichtenberger und Anke Fiedler.
Die restlichen Vorstellungen starten am 28., 29., 30. und 31. August jeweils um 20.30 Uhr auf dem Domplatz. Karten gibt es in allen Geschäftsstellen unserer Zeitung und online bei spotlight-musicals.de
Das Musical wird zwar als „zum letzten Mal“ auf dem Domplatz beworben, und dass so etwas nicht alle zwei Jahre stattfinden kann, ist verständlich. Aber wirklich „zum letzten Mal“? Wäre doch schade!
Das liegt nicht allein in unserer Hand. Nach unserem aktuellen Kenntnisstand findet es in der Tat zum letzten Mal statt. Aber ich persönlich kann mir nichts Authentischeres vorstellen, als „Bonifatius“ auf dem Domplatz. Daher genießen wir jetzt noch einmal die letzten Shows. Wer diese einmalige Atmosphäre nochmal genießen möchte, hat bis Samstag dazu Gelegenheit. Noch gibt es ausreichend Tickets...