Politik auf Augenhöhe

Schüler aus Witzenhausen diskutieren mit fünf Landtagsabgeordneten

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Demokratie live: Schüler, Lehrkräfte und Abgeordnete im direkten Austausch.

Wie Demokratie erlebbar wird, zeigte sich am vergangenen Freitag an den Beruflichen Schulen in Witzenhausen.

Witzenhausen – Im Rahmen von „DialogP“ diskutierten 82 Schülerinnen und Schüler der 9. und 10. Gymnasialklassen der Johannisberg-Schule mit fünf Landtagsabgeordneten.

An fünf thematisch definierten Tischen in der Aula stellten sich die Parlamentarier den Fragen der Jugendlichen. Sie wechselten alle zehn Minuten die Tische und debattierten zu Migrationspolitik, Chancengleichheit, schulischer Entscheidungsfreiheit, Integration und Bildungsbewertung.

Die Schulleiter Tobias Vogel (Berufliche Schulen) und Andreas Hilmes (Johannisberg-Schule) betonten in ihrer Eröffnungsrede die Bedeutung solcher Formate: „Schule lebt vom Dialog, von Kommunikation und vom gemeinsamen Erarbeiten von Lösungen.“ Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) bestärkte die Jugendlichen in einem Videogrußwort: „Demokratie lebt vom Austausch. Nutzt diese Gelegenheit, um mit den Abgeordneten zu diskutieren.“

Die Jugendlichen nahmen diese Aufforderung ernst. Der AfD-Abgeordnete Gerhard Schenk wurde mit einer Frage zur Migrationsdebatte konfrontiert: „Meine Mutter ist Ukrainerin, mein Vater Pakistaner, nach Ihrer Logik dürfte ich also gar nicht hier sein?“, fragte Denis Butt (15). Schenk antwortete ausweichend: „Wir fordern eine kontrollierte Einwanderungspolitik.“ Denis hakte nach: „Aber wer entscheidet, wann ein Mensch es „wert“ ist, hierzubleiben?“

Landtagsabgeordnete im Schlagabtausch mit Schülern: Politik nahbar, kontrovers und auf Augenhöhe.

Auch das Thema Fehlerindex sorgte für Diskussionen. „Sollten wir nicht auf inhaltliche Qualität setzen, anstatt Schüler mit Lese-Rechtschreib-Schwäche zu benachteiligen?“, fragte eine Schülerin den Grünen-Politiker Felix Martin. Dieser erwiderte: „Sprache ist der Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe, aber die Gewichtung muss pädagogisch sinnvoll sein.“

Intensiv wurde auch die Frage diskutiert, ob Hessen weitere Förderprogramme zur Reduzierung sozialer Ungleichheiten im Bildungswesen auflegen sollte. SPD-Abgeordnete Karina Fissmann bejahte: „Bildungsgerechtigkeit bedeutet gleiche Startchancen für alle Kinder.“ Ein Schüler wandte ein: „Aber ist das realistisch, wenn es bereits an Lehrkräften und Ressourcen fehlt?“ Fissmann räumte Herausforderungen ein, betonte aber: „Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft.“

CDU-Politiker Stefan Schneider sprach sich für mehr Autonomie der Schulen aus: „Die Rahmenbedingungen müssen vom Land vorgegeben werden, aber Schulen vor Ort wissen selbst am besten, was ihre Schülerschaft braucht.“

Die FDP-Abgeordnete Wiebke Knell wurde zur Integrationspolitik befragt: „Reichen die bisherigen Maßnahmen aus?“ Sie antwortete: „Integration ist keine Einbahnstraße. Wir müssen Sprachförderung, berufliche Qualifikation und gesellschaftliche Teilhabe gezielt stärken.“

Die Veranstaltung wurde von den Schülern Felix Jatho, Luce Müller und Carolin Bohne moderiert. Annica Hartwig und Paula Neitmann dokumentierten die Diskussionen als Presseteam, während jeder Tisch von einem Schülervertreter begleitet wurde. Die intensive Vorbereitung im Politikunterricht durch Christian Koch, Hendrik Wetzel, Zeynep Akgün und Jessica Vorpagel zahlte sich aus. Die Jugendlichen führten fundierte Diskussionen und bewiesen ihre mündige Haltung als künftige Wähler.

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