VonSebastian Richterschließen
Das Tierheim Gießen kämpft mit einer Katzenflut. Ein abgegebener Bengal-Kater zeigt, wie sorglos manche Halter sich Tiere anschaffen.
Gießen – Wer sich ein Haustier anschafft, geht damit eine Verantwortung ein. Das sollte jedem klar sein, der die Entscheidung trifft, sich einen Partner in den Haushalt zu holen – unabhängig, ob es sich dabei um einen Hund, eine Katze, eine Schildkröte, ein Meerschweinchen oder was auch immer gängig ist, handelt. Tiere brauchen Pflege, Mühe, Liebe, Aufmerksamkeit und nicht zuletzt ein Grundwissen über die jeweiligen Besonderheiten der Rasse. Insbesondere, wer sich ein pflegeintensives Tier zulegt, sollte sich im Vorfeld genau über die Konsequenzen informieren.
Leider ist das nicht immer der Fall. Verfolgt man die Meldungen der letzten Zeit, bekommt man schnell den Eindruck, dass sich viele Menschen gar keine Gedanken darüber machen, wen man zu sich in die Familie holt. Gerade bei Katzen klagen die Tierheime über eine regelrechte Flut an neuen Schützlingen. Der Tierschutzverein Gießen und Umgebung e.V. berichtete so zuletzt von 50 neuen Katzen, die bei den Tierschützern abgegeben wurden – innerhalb von einer Woche.
Bengal Vegas landet im Tierheim Gießen – weil er „nervig“ sein soll
Wenige Tage später stellte das Tierheim erneut das dreiste Verhalten mancher Tierbesitzer zur Schau. Der fünf Jahre alte Bengal Vegas wurde bei den Tierschützern aus zwielichtigen Gründen abgegeben, wie das Tierheim bei Facebook postete. Diese Gründe sind: Zu hohe Kosten (wegen einer Durchfallerkrankung), zudem sei Vegas „nervig“, wie in dem Post zu lesen ist. Zu guter Letzt wurde dem Tierheim noch vorgeworfen, die Tierschützer würden Vegas nur aufnehmen, weil sie „mit ihm Geld machen“ wollten.
Es ist nicht bekannt, unter welchen Umständen Vegas bei den Vorbesitzern gelandet ist. Mehr als mutmaßen lässt sich nicht, dass Bengal von zwielichtigen Züchtern an die Vorbesitzer verkauft wurde. Allerdings ist genau das eine weitläufige Praxis bei diesen Rassekatzen. Die Zucht von Rassen wie Bengals und Savannahs wird von Tierschützern mindestens kritisch beäugt, zumeist eher verurteilt. Der Grund sind die Preise, die für die Tiere im Internet verlangt wird, während gleichzeitig tausende Katzen in Deutschlands Tierheimen dringend nach neuen Besitzern suchen.
Bengale sind anspruchsvolle Haustiere
Natürlich, Bengale sind durch ihre auffallend fleckige Fellfarbe Blickfänger und durchaus wunderschöne Tiere. Allerdings hätte eine simple Google-Suche dem Besitzer einige der späteren Probleme ersparen können. Denn Bengale sind bekannt dafür, dass sie jede Menge Aufmerksamkeit brauchen. Im Gegensatz zu manch anderen Katzenarten wollen Bengale gefordert und gefördert werden, vergleichbar mit einem Hund. Dazu gehört dann auch Training, um die lernwilligen und lernbedürftigen Katzen vernünftig auszulasten. Mit Kuscheln auf dem Sofa ist es nicht getan.
Zudem brauchen Katzen wie Bengale genügend Auslauf. Vegas wurde laut dem Tierheim Gießen dagegen als Wohnungskatze gehalten. Schon in diesem Punkt ist fraglich, ob man von artgerechter Haltung sprechen kann. Ausnahmen gibt es sicherlich, allerdings können Bengale nur artgerecht als Wohnungskatzen gehalten werden, wenn sie auf andere Weise genügend beschäftigt werden.
Dreister Vorwurf: Tierheim Gießen bereichert sich angeblich an Rassekatzen
Zuletzt ist der Vorwurf, das Tierheim Gießen wolle „mit ihm Geld machen“, dreist. Es stimmt, Bengale kosten eine Menge Geld. Jedenfalls, wenn man sie sich im Internet besorgt, dann fordern Züchter schnell für eine einzelne Katze mit einem Stammbaum-Nachweis eine vierstellige Summe. Allerdings nimmt das Tierheim lediglich eine Schutzgebühr – um damit zum einen zu verhindern, dass die Tiere wenig später wieder abgegeben werden, zum anderen, um den Tierschutz generell finanzieren zu können.
Inzwischen befindet sich Vegas in einer Pflegestelle, wie aus den Kommentaren bei Facebook deutlich wird. Die Pflegerin, bei der Vegas zwischenzeitlich untergekommen ist, bezeichnet ihn als „absoluten Schmusebär“ und findet ihn „ganz ganz toll“. Also weitab von dem genannten „nervig“, mit dem ihm die vorherigen Besitzer abgegeben haben. Wer Vegas ein dauerhaftes Zuhause mit der nötigen Aufmerksamkeit bieten möchte, kann sich unter der E-Mail-Adresse info@tsv-giessen.de mit dem Tierschutzverein Gießen in Verbindung setzen. (spr)
Rubriklistenbild: © Screenshot Facebook/Tierheim Gießen

