VonJohannes Rützelschließen
Ein Verkauf der Galeria-Immobilie in Kassel aus einer Insolvenzmasse der Signa-Gruppe scheint abgewendet. Signa ist nicht mehr Eigentümer.
Kassel – Die Kaufhaus-Immobilie an der Oberen Königsstraße 31 gehört nicht mehr zu René Benkos rund 1000 Gesellschaften zählender Signa-Gruppe. Die Immobilie in der Kasseler Innenstadt befindet sich seit Spätsommer 2023 im Eigentum einer Frankfurter Immobilienbeteiligungsgesellschaft, wie aus dem Grundbuch der Stadt Kassel hervorgeht.
Gegenüber unserer Zeitung ließ der Eigentümer auf Anfrage mitteilen, dass zwischen ihm und Signa keine Verbindungen bestünden. Der Grund für den Kauf des Kaufhauses sei der langfristige Mietvertrag gewesen. Man hoffe angesichts der aktuellen Situation, dass es für den Standort Kassel mit Galeria weitergehe, heißt es.
Damit ist klar: Einen Verkauf der Kasseler Kaufhaus-Immobilie aus einer Insolvenzmasse der zusammenbrechenden Signa-Gruppe des österreichischen Unternehmers Benko wird es in Kassel nicht geben. Allerdings gehört die Warenhauskette Galeria-Karstadt-Kaufhof (GKK) der Signa-Gruppe – und damit auch die Filiale in Kassel.
Zukunft von Galeria in Kassel ist weiter unklar
Offen ist, wie viel für Galeria in Kassel davon abhängt, ob Signa ab Februar die erste Tranche über 50 Millionen Euro des vereinbarten, 200 Millionen schweren Hilfspakets an GKK überweist. Diese Summe hatte die Signa-Gruppe Ende 2022 im Rahmen der jüngsten Schutzschirm-Insolvenz von GKK zugesagt, um die Sanierung der Kette zu unterstützen. Sollte das nicht passieren, könnte GKK zumindest die Mietzahlungen für zur Signa-Gruppe gehörende Kaufhausimmobilien zurückbehalten, wie in den vergangenen Monaten mehrere Medien berichteten.
Für den Galeria-Standort in Kassel besteht diese Möglichkeit wahrscheinlich nicht. Kommt es zu Zahlungsausfällen, müsste man sich mit dem Immobilieneigner aus Frankfurt gesondert einigen.
Mehrere Medien berichteten jüngst auch darüber, dass GKK für einige von Benkos Signa-Immobilien stark überhöhte Mieten bezahlen müssten. Auf den Standort Kassel trifft dieses Geschäftsmodell des Signa-Konzerns aktuell auch nicht zu. Wie viel Miete Galeria am Standort Kassel bezahlt, darüber gibt es keine Angaben.
Galeria-Karstadt-Kaufhof (GKK)
GKK betreibt aktuell noch 92 Warenhäuser und hat rund 15.500 Mitarbeiter. Zu Signa-Prime, die mittlerweile Insolvenz angemeldet hat, gehören laut Informationen der Deutschen Presseagentur (dpa) 18 Immobilien, die von GKK angemietet sind. Mit gleich mehreren Interessenten werden demnach Gespräche über eine Übernahme des Unternehmens geführt. Unternehmenskreise schließen derzeit nicht aus, dass es trotz der Signa-Insolvenzen zu einer Zahlung der zugesagten 200 Millionen Euro kommt und es auch bei den Mietzahlungen für die 18 Signa-Immobilien noch Bewegung geben könnte. Derzeit zahlt GKK nach dpa-Informationen rund 180 Millionen Euro Miete pro Jahr an Signa. Sollten die 200 Millionen Euro nicht fließen und kein Käufer gefunden werden, droht eine Insolvenz, obwohl das Unternehmen derzeit operativ schwarze Zahlen schreiben soll. (dpa)
Veranstaltung, Büros, Geschäfte: Umnutzung von Kaufhäusern
Was geschieht in deutschen Städten mit Kaufhausimmobilien, wenn der Einzelhandel verschwindet? In Hannover wird das ehemalige Kaufhaus seit Juni 2023 unter dem Namen „Aufhof“ für Veranstaltungen genutzt. Die Stadt Hannover bewirbt das Projekt als „ein Forum für Stadtentwicklung und Baukultur, für innovative und greifbare Wissenschaft und für einen kreativen Umgang mit den zukünftigen Herausforderungen der Stadt“. Das Gebäude soll eigentlich im Februar 2024 abgerissen und das Gelände von der Signa-Unternehmensgruppe neu bebaut werden. Der Ausgang ist angesichts der aktuellen Insolvenzen ungewiss.
In Fulda wurde in dem im März 2023 geschlossenen Galeria-Kaufhaus das Konzept-„Kaufhaus Karl“ eröffnet. Es ist ein Projekt, bei dem mehrere Akteure kooperieren, unter anderem IHK, Wirtschaftsförderung, Stadt und Betreiber. Im Untergeschoss gibt es Läden, im Obergeschoss Co-Working-Flächen.
In Paderborn hat Galeria im Juni 2023 eine Filiale geschlossen. Das Gebäude sollte für einen Supermarkt, Einzelhandel und Wohnungen umgebaut werden, die Pläne scheiterten. Später sollte ein Modegeschäft einziehen, diese Pläne zerschlugen sich vergangenen Herbst. In Bielefeld hat ein Immobilieninvestor vor Kurzem mit der Vermarktung des ehemaligen Karstadt-Gebäudes begonnen. Geplant ist ein Hotel, Geschäfte, Büroflächen, ein Parkhaus sowie eine Bar auf dem Dach des Gebäudes. Laut Exposé sollen die Flächen ab 2027 verfügbar sein. (Johannes Rützel)
Erst 2021 war das Galeria-Kaufhaus in Kassel saniert worden.
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