VonFlorian Leclercschließen
Slowenien, Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse, hat zahlreiche Veranstaltungen auf und rund um die Buchmesse geplant. Das Gastland gibt erste Einblicke in den Pavillon.
Woher stammt der Autor Srecko Kosovel, den die Musikerin Patti Smith auf ihren Konzerten zitiert? Was haben die mehrfach als beste Köchin der Welt prämierte Ana Roš und Uefa-Präsident Aleksander Ceferin gemeinsam?
Juergen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, blickt in wissende Gesichter, als er den Auftritt des Ehrengastlandes Slowenien vorstellt. „Wir sind bemüht, die Einzigartigkeit unseres Ehrengastlandes herauszuarbeiten“, sagt er.
Ein Land, groß wie Rheinland-Pfalz, mit etwa zwei Millionen Einwohner:innen, geprägt von den Alpen, der Pannonischen Tiefebene und dem Mittelmeer. Ein Durchreiseraum für die Nachbarinnen und Nachbarn aus Kroatien, Österreich, Italien.
Geprägt von der Habsburgermonarchie und Jugoslawien
Geprägt von Jahrhunderten Herrschaft der Habsburgermonarchie und der Geschichte Jugoslawiens. „Ohne die Bücher und das Lesen gäbe es uns nicht mehr“, hält der slowenische Kurator des Gastlandauftritts, Miha Kovac, Professor für Buchwissenschaft an der Universität Ljubljana, fest.
Die slowenische Buchkultur und Landschaft will das Gastland im Ehrengast-Pavillon darstellen. Der Saal ist vom Architekturbüro „Studio Sadar“ aus Ljubljana hell und offen gestaltet. Ein Café lädt zum Verweilen ein. Es gibt zwei Auditorien, die für Lesungen und Veranstaltungen geeignet sind.
Eine Wand ist mit Zitaten slowenischer Autorinnen und Autoren bestückt, während Videos über Land und Leute Auskunft geben. In der Mitte des Saals wird den slowenischen Büchern Platz geboten, mit Sitzecken in Form aufgeklappter Bücher. Die Regale und Sitzgelegenheiten seien aus recycelten Materialien oder zumindest recycelbar, betont Jure Sadar vom Architekturbüro.
Die „Canyon“-Sitze erinnern an eine Steinlandschaft, die von Rosmarinbüschen gerahmt ist. Die „Wald“-Bücherregale sind aus Metallstrukturen und recycelten Pappböden konstruiert. Tagsüber soll Tageslicht den Saal erhellen, abends soll es eine gemütliche Beleuchtung geben.
Die Buchmesse
Die Frankfurter Buchmesse beginnt am Dienstagabend, 17. Oktober, mit einem Festakt und ist dann von Mittwoch, 18. Oktober, bis Sonntag, 22. Oktober, für das Publikum geöffnet. Die Fachbesucher:innen sind Mittwoch bis Sonntag da, die Privatbesucher:innen von Freitag bis Sonntag. 2022 kamen etwa 180 000 Gäste nach Frankfurt, vor der Pandemie waren es etwa 300 000 Gäste.
Slowenien ist Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse. Der Auftritt steht unter dem Motto „Waben der Worte“ (Englisch: „Honeycomb of Words“). Etwa 70 slowenische Autorinnen und Autoren werden zu Lesungen in Frankfurt erwartet. Zuletzt wurden mehr als 600 Bücher aus dem Slowenischen übersetzt, darunter viele ins Deutsche, unter anderem Schriften von Philosoph Slavoj Žižek. Die Anthologie „Mein Nachbar auf der Wolke: Slowenische Lyrik des 20. und 21. Jahrhunderts“ führt in die Vielfalt slowenischer Poesie ein. Gastland 2024 ist Italien. fle
Katja Stergar, Direktorin der slowenischen Buchagentur und Hauptverantwortliche für den Gastlandauftritt, hebt die Veranstaltungen hervor, die als Rahmenprogramm geplant sind: In der Alten Oper präsentiert das Ensemble Modern slowenische zeitgenössische Musik (7. Oktober). In der Romanfabrik spricht der Philosoph Mladen Dolar, ein Kollege von Slavoj Žižek, über zeitgenössische slowenische Philosophie (6. September).
Ausstellungen im Struwwelpeter-Museum und der Schirn
Die Ausstellung über „Die literarische Reise der Alma M. Karlin“ ist im Haus am Dom zu sehen (15. September bis 23. November). Das Struwwelpeter-Museum zeigt die Ausstellung „Hinter den neun Bergen. Slowenische Märchen“ (Mitte September 2023 bis 21. Januar 2024). „France Prešeren und die slowenische Romantik“ sind Thema im Deutschen Romantik-Museum (15. September bis 25. November).
Die Schirn Kunsthalle präsentiert die Künstlerin Maruša Sagadin (21. September 2023 bis 14. Januar 2024). Ein Konzert der Rockband Laibach ist in der Jahrhunderthalle (19. Oktober) geplant. Der Portikus präsentiert das „Art Book Festival“ (18. bis 22. Oktober), das Filminstitut&Filmmuseum zeigt eine Retrospektive slowenischer Filme (3. bis 29. Oktober), das Fotografie Forum Frankfurt stellt slowenische Fotografie aus (7. Oktober 2023 bis 7. Januar 2024).
Nach der Buchmesse könnten die Besucher und Besucherinnen noch mehr Fragen zu Slowenien beantworten, sagt Boos. Etwa, warum Salz und Honig ein beliebtes Mitbringsel von einer Slowenien-Reise seien.

