Warten auf Gesetzesänderung

Solarenergie: Balkonkraftwerke werden immer attraktiver

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Christel Ganz und ihr Schwiegersohn Burkhard Albers. Er hat der Allendorferin die Anlage an der Hauswand mit Südausrichtung installiert.

Man sieht sie immer häufiger: Kleine Photovoltaik-Anlagen an Balkonen, an Hauswänden oder auf Dächern, durch die Sonnenenergie direkt im eigenen Haushalt nutzbar wird. Das kann sich binnen zwölf Jahren rechnen.

Schwalm – Mit kleinen Photovoltaik-Anlagen beispielsweise am Balkon oder an der Hauswand können Haus- und Wohnungseigentümer und sogar Mieter Strom aus Sonnenenergie produzieren.

Sie bestehen in der Regel aus ein bis zwei Solarmodulen und einem Wechselrichter. Dieser wandelt den Solarstrom in Haushaltsstrom um, der direkt in die Steckdose eingespeist werden kann. Der Strom kann dann im Haushalt verwendet werden und man spart Energiekosten, da man weniger Strom aus dem öffentlichen Stromnetz beziehen muss.

Leistungsgrenze soll auf 800 Watt ausgeweitet werden

Für Balkonkraftwerke gilt derzeit eine Leistungsgrenze von 600 Watt. Diese wurde festgelegt, um sicherzustellen, dass die Stromnetze weiterhin stabil funktionieren, wenn zusätzliche Anlagen Strom produzieren und – obwohl kein Strom ins Netz eingespeist wird – Einfluss auf das Stromnetz und dessen Auslastung haben. Die Stichworte dazu sind Versorgungssicherheit und Vermeidung von Schäden durch zu starke Schwankungen und Überlastungen.

Da sich bisher aber keine Probleme zeigen, soll im kommenden Jahr eine Ausweitung auf eine Leistungsgrenze von 800 Watt kommen.

Vermieter muss zustimmen – Versteuern muss man nichts

Die kleinen Solaranlagen sind von der Einkommenssteuer befreit. Man muss somit den geldwerten Vorteil durch die Stromerträge nicht versteuern. Seit dem Jahr 2023 gilt für den Kauf von Balkonkraftwerken, Zubehörteilen und die Dienstleistung rund um deren Installation ein Umsatzsteuersatz von 0 Prozent.

Wenn der Vermieter zustimmt, können auch Mieter Solarkraftwerke installieren. Bei einem Wohnungswechsel können sie Ihre Anlage dem Nachmieter anbieten oder verkaufen.

Christel Ganz aus Allendorf/L. hat sich von Schwiegersohn Burkhard Albers eine Stecker-Solaranlage mit 600 Watt Peak (Wp) an einer Hauswand mit südlicher Ausrichtung installieren lassen. Diese produziert maximal 600 Watt in der Stunde und besteht aus zwei Solarmodulen und einem Wechselrichter.

Die Anlage wurde vor zwei Jahren in Betrieb genommen und hat bisher 856 Kilowattstunden (kWh) Strom erzeugt. 302 kWh wurden nicht selbst genutzt und daher ins Netz eingespeist. Hierfür gibt es bisher allerdings keine Vergütung. 554 kWh wurden in den zwei Jahren selbst genutzt – pro Jahr etwa 277 kWh.

Balkonkraftwerke sollen mindestens 20 Jahre Strom produzieren

Christel Ganz lässt die zwei größten Stromverbraucher, die Waschmaschine und die Spülmaschine, nach Möglichkeit immer zu Zeiten laufen, in denen die Anlage Strom produziert. Daher werden nahezu zwei Drittel des produzierten Stroms selbst genutzt.

Die Anlage ist aus deutscher Produktion und kostete etwa 1300 Euro. Sie amortisiert sich somit nach etwa 13 Jahren, wenn man nur den selbst genutzten Strom den Kosten gegenüberstellt.

Bis zur Installation von geeichten Zweirichtungszählern sollen übergangsweise rückwärtsdrehende Zähler geduldet werden, wenn die Neuregelung in Kraft tritt. In diesem Fall amortisiert sich die Investition schon deutlich früher. Man geht davon aus, dass Balkonkraftwerke mindestens 20 Jahre Strom produzieren.

Zukünftig kann die Installation auch ohne Elektriker stattfinden

Die Anschaffung einer solchen Anlage ist daher durchaus rentabel, wie diese Rechnung zeigt: 277 Kilowattstunden pro Jahr mal 13 Jahre bei einem Preis von 36 Cent pro Kilowattstunde ergibt über 1296 Euro Kosteneinsparung in 13 Jahren.

Burkhard Albers hatte die Steckersolaranlage am Haus installiert. Diese Arbeiten können an einer Fassade zu zweit erledigt werden. Wird die Installation am Balkon vorgenommen, so kann man die Arbeiten eventuell sogar ohne weitere Hilfe alleine vornehmen.

Der Elektriker hatte eine Wieland-Steckdose installiert, die aktuell noch erforderlich ist. Mit der vorgesehenen Änderung der Norm wird zukünftig das Einstecken in eine bestehende Schuko-Steckdose ermöglicht. Auf den Elektriker kann dann voraussichtlich verzichtet werden.

Die Anmeldung beim Netzbetreiber soll entfallen

Burkhard Albers hatte die Anlage bei dem Netzbetreiber, der EAM, angemeldet. EAM-Netz reagierte sehr schnell, sodass schon nach kurzer Zeit der erforderliche Zweirichtungszähler kostenlos eingebaut war und die Anlage ans Netz genommen werden konnte.

Die Anmeldung soll im Rahmen der Entbürokratisierung zukünftig entfallen. Der Strom, der nicht selbst genutzt wird, wird ins Netz eingespeist. Man erhält dafür bisher keine Vergütung. Anschließend hat Burkhard Albers die Solaranlage im Stammdatenregister eingetragen. Das Eintragen soll ebenfalls in diesem Jahr vereinfacht werden.

Christel Ganz ist sehr zufrieden mit der Steckersolaranlage. Bisher gab es keine Probleme. Sobald es zulässig ist, 800-Wp-Anlagen zu betreiben, will sie die Anlage entsprechend umrüsten. Hierzu muss ein neuer Wechselrichter installiert werden, der die Leistung der zwei Kollektoren auf 800 Wp begrenzt.

Die zwei Module produzieren schon jetzt mehr Strom, werden aber auf 600 Watt in der Spitze begrenzt, so Burkhard Albers. Wie viel Strom die Anlage produziert, kann man an dem Zweirichtungszähler ablesen.

25 Jahre Gewährleistung auf Kollektoren

Rosi Haldorn-Walper und Armin Schuchhardt möchten sich ebenfalls ein Mini-Kraftwerk auf dem Dach ihres Hauses in Ziegenhain zulegen. Armin Schuchhardt wartet damit ab, bis Stecker-Solaranlagen mit bis zu 800 Watt in Betrieb genommen werden dürfen.

Zwei Kollektoren mit 500 Watt will er auf dem Dach installieren, der Wechselrichter begrenzt die Stromproduktion jedoch auf die dann gesetzlich festgelegten 800 Watt.

Armin Schuchhardt plant ein Mini-Kraftwerk auf dem Hausdach, sobald 800-Watt-Anlagen mit Schuko-Stecker erlaubt sind. Sichtbar ist hier eine Solarthermie-Anlage.

Die etwas überdimensionierten Kollektoren bieten den Vorteil, dass bei geringerer Sonneneinstrahlung mehr Strom produziert werden kann. Die Solaranlage kostet einschließlich Installationskomponenten etwa 1200 Euro, so Schuchhardt, die Installation nimmt er selbst vor.

Der Hersteller gibt eine Gewährleistung für 25 Jahre auf die Kollektoren und für 15 Jahre auf die Wechselrichter. Bei einer Amortisationszeit von zwölf bis 13 Jahren wäre das somit eine rentable Investition. Eine Solarthermieanlage für Warmwasser arbeitet auf dem Dach bereits. (Guido Hahn)

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