MONTAGSINTERVIEW mit Schülern der Adam-von-Trott-Schule über Berufsorientierung

„Sollen zeigen können, was in ihnen steckt“

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Erzählen von der Berufsberatung: (von links) Dominik Happel (14), Lea Kasper (14), Emily Wendel (15) und Lehrer Karsten Rabe, Schulkoordinator für den Aufgabenbereich Berufsorientierung, im Berufswahlraum.
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Die Adam-von-Trott-Schule Sontra ist vor rund einem Monat für ihre vorbildliche Berufsorientierung ausgezeichnet worden.

Sontra – Damit ist sie eine von neun Schulen in ganz Hessen, die das Gütesiegel Berufs- und Studienorientierung Hessen erhalten hat. Wie die Berufsorientierung in der Praxis aussieht, erzählen Dominik Happel (14), Lea Kasper (14) und Emily Wendel (15) aus der Klasse 9aR sowie Lehrer Karsten Rabe. Seit 2013 gibt es den Berufswahlraum der Schule. Rabe ist seit Februar 2014 Schulkoordinator für den Aufgabenbereich Berufsorientierung und organisiert die Veranstaltungen zur Berufsorientierung. Knapp 50 finden allein im laufenden Schuljahr statt.

Lea, Emily, Dominik, ihr besucht die neunte Klasse. Hat jemand von euch schon einen festen Berufswunsch?

Dominik: Ja, ich möchte meine Ausbildung bei der Bundespolizei in Eschwege machen. Nachdem ich mein Praktikum in der achten Klasse dort absolviert habe, habe ich mich auch schon darüber informiert, wie das Bewerbungsverfahren aussieht. Auf die Bundespolizei bin ich eigentlich durch meine Familie aufmerksam geworden. Bei Messen an unserer Schule und an anderen Standorten wie in Eschwege und Bad Hersfeld habe ich an den Ständen der Bundespolizei viele Fragen stellen können. Neulich war die Bundespolizei aus Fulda an unserer Schule. Da haben die Bundespolizisten von ihrem Beruf und dem Bewerbungsverfahren erzählt. Teilweise gaben sie den Schülern auch ihre E-Mail-Adresse oder einen Flyer mit Kontaktdaten, damit wir auch danach Fragen stellen können.

Im nächsten Halbjahr habt ihr das nächste Praktikum. Wirst du wieder zur Bundespolizei gehen?

Dominik: Nein, weil mir meine Mutter den Rat gegeben hat, auch einen anderen Beruf kennenzulernen, für den Fall, dass ich meinen ersten Berufswunsch nicht umsetzen kann. Deswegen werde ich ein Praktikum im Einzelhandel machen.

Also habt ihr die Möglichkeit, mehrere Berufe kennenzulernen?

Emily: Ja, und ich habe auch viele Berufe, die ich mir für meine Zukunft vorstellen kann, weil mich viele Bereiche interessieren und man immer noch einen Plan haben sollte, falls aus einem Wunsch nichts wird. Nach der Realschule möchte ich mein Abitur machen, damit ich Jura studieren kann. Die Studienorientierung gibt es leider erst ab der neunten Gymnasialklasse, aber ich habe mich selbst informiert. Ich liebe es, Menschen zu helfen, und als Anwältin verteidigt man diejenigen, die das selbst nicht können. Ich zeichne aber auch sehr gern und mag die Vorstellung, dass mit einem Gebäude ein Kunstwerk von einem über Jahrhunderte bleibt. Deswegen könnte ich mir auch Architektur vorstellen. Im medizinischen Bereich wäre am ehesten eine Arbeit beim DRK etwas für mich. Das war auch vor Kurzem hier an der Schule.

Karsten Rabe: Wir hatten kürzlich einen Tag, an dem medizinische Berufe vorgestellt wurden. Das Deutsche Rote Kreuz war mit einem Rettungswagen hier, die Awo stellte die Pflegeschule und das Seniorenzentrum mit den Pflegeberufen vor. Wir achten darauf, dass sich Unternehmen direkt an der Schule vorstellen oder wir Fahrten anbieten, bei denen Schüler die Unternehmen besuchen können, die sie interessieren. Was medizinische Berufe angeht, waren wir beispielsweise bei der Bernd-Blindow-Schule in Bad Sooden-Allendorf.

Wie war dieser Besuch für euch?

Lea: Emily und ich waren bei einer Fahrt in der Kreisverwaltung in Bad Hersfeld und der Blindow-Schule, weil ich mein Praktikum auch gern beim Roten Kreuz gemacht hätte, aber leider zu jung bin. In der Blindow-Schule sahen die Räume ganz anders aus als bei uns.

Emily: Dort gab es keine Tische, aber zum Beispiel Liegen. Der Tag war eigentlich sehr gut. Es hat Spaß gemacht, dass wir uns die Räume angucken durften. In der Sporthalle haben wir zum Beispiel gesehen, wie Physiotherapie mit dem Training für den Aufbau von Knochen und Muskeln aussieht. Ich konnte aber noch nicht all meine Fragen stellen, weswegen es gut ist, dass sie wieder zu uns kommen werden.

Wie sieht die Suche nach einem Praktikumsplatz aus?

Karsten Rabe: Wir möchten, dass die Schüler selbstständig suchen. Unser Ziel ist, dass sie selbstbewusst auftreten und zeigen können, was in ihnen steckt. Mit Beginn der Herbstferien suchen die Schüler schon nach einem geeigneten Praktikumsplatz für den März. Vor dem Berufswahlraum hängt eine Karte, auf der unser Sozialarbeiter Benjamin Franke alle Unternehmen aus Sontra und der näheren Umgebung festgehalten hat. Dadurch sehen die Schüler, welche Möglichkeiten es hier gibt. Wir haben auch schon Berufswanderungen in Sontra und Eschwege gemacht. Dabei gucken die Schüler, welche Unternehmen es gibt und gehen auch einfach mal rein und fragen. Wir machen die Erfahrung, dass unsere Schüler auch schon in der achten Klasse sehr gern von den Unternehmen aufgenommen werden.

Lea: Ich war bei meinem letzten Praktikum beim Optiker und fand die Kombination aus Handwerk und Service mit den Kunden gut. Eigentlich hätte ich mir auch ein Praktikum bei einem Fotografen oder im Bereich Medien und Gestaltung vorstellen können, aber das gab es in der Nähe nicht.

Ihr habt schon ziemlich genaue Vorstellungen davon, welche Bereiche euch interessieren.

Karsten Rabe: Wir machen mit den Schülern in der siebten Klasse eine Kompetenzfeststellung, damit sie wissen, wo ihre Stärken liegen. Und es ist uns wichtig, dass sie Berufsbilder nicht nur theoretisch im Unterricht, sondern direkt kennenlernen. Jeden Donnerstag gibt es im Raum individuelle Berufsberatung. Zudem gibt es AGs wie den Schulsanitätsdienst oder die „Mint-Up-AG“, in denen Schüler merken, welche Bereiche ihnen liegen.

Wie sieht so eine Kompetenzfeststellung aus?

Dominik: Als die Kompetenzfeststellung hier stattfand, war ich noch an einer anderen Schule, aber ich habe es dort ähnlich erlebt. Es gab verschiedene Stationen, die man in den sechs Stunden durchlaufen musste. Ich hatte zum Beispiel die Aufgabe, eine Brücke aus Papier und Tesafilm zu bauen, über die ein Spielzeugauto fahren kann. An einer Station zu medizinischen Berufen haben wir die stabile Seitenlage und das Anlegen eines Druckverbands gelernt. Auch Team-Arbeit spielte eine Rolle. Am zweiten Tag sollten wir dann einschätzen, was für uns wie anstrengend war, wofür wir am meisten Konzentration und am meisten Geduld brauchten.

Karsten Rabe: Als Lehrer beobachten wir dabei, wo die Stärken der Schüler liegen. Wir sehen zum Beispiel, wer besser im Team arbeiten kann.

Welche Berufe würdet ihr noch gern vor Ort kennenlernen?

Emily: Architekt, den Beruf des Anwalts oder Richters, den von Ärzten, Psychotherapeuten bei der Bundeswehr oder auch von Forschern.

Könnt ihr die Berufswahl an eurer Schule mit der an anderen vergleichen?

Lea: Ich habe Freundinnen in Hessen, mit denen ich schon darüber geschrieben habe. Sie machen meist nur ein oder zwei Praktika und keine Fahrten oder Ähnliches. Sie sind oft erstaunt darüber, dass wir so viele Veranstaltungen dazu haben. Ich finde es gut, dass wir auch zu Unternehmen hinfahren. (Eden Sophie Rimbach)

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