Knappes Wahlkreis-Ergebnis erwartet

Bundestagswahl: Spannend wird es auch in Stadt und Altkreis Kassel

+
Die Direktkandidaten im Wahlkreis Kassel: (von links oben nach rechts unten) Daniel Bettermann (SPD), Maik Behschad (CDU), Boris Mijatovic (Grüne), Jan Terborg (FDP), Thomas Schenk (AfD), Violetta Bock (Linke), Christian Klobuczynski (Freie Wähler), Timo Scharf (Volt) und Hans Roth (MLPD).
  • schließen

Neun Direktkandidaten kämpfen ums das Kasseler Direktmandat, seit 1949 holte es stets die SPD. Bleibt es dabei?

Sonntag ist Bundestagswahl, der Tag der Entscheidung: Mit Spannung werden die Ergebnisse auch im Wahlkreis Kassel (167) erwartet. Knapp 215.000 Wahlberechtigte sind im Wahlkreis, zu dem neben Kassel auch die meisten Städte und Gemeinden im Altkreis Kassel gehören, zur Stimmabgabe aufgerufen.

Viele haben ihre Kreuzchen bereits gesetzt – trotz der wegen des vorgezogenen Wahltermins auf rund zwei Wochen verkürzten Zeit zur Briefwahl. In Kassel etwa beantragten knapp 40.000 Menschen Briefwahl oder stimmten gleich im Briefwahlbüro des Rathauses ab. 49.000 Briefwähler waren es bei der Bundestagswahl 2021, die aber stand noch im Zeichen der Corona-Pandemie. Die nun erwarteten 40.000 Briefwähler sind deutlich mehr als die 29.300 bei der Wahl 2017.

Der Trend zur Briefwahl hält also an. Ob bei dieser Bundestagswahl auch die SPD-Dominanz im Wahlkreis anhält, ist eine der spannenden Fragen dieses Sonntags. Seit 1949 ist das Kasseler Direktmandat, also der Gewinn des Wahlkreises nach Erststimmen, fest in SPD-Hand. Sozialdemokrat Daniel Bettermann setzt alles daran, dass dies so bleibt. Nach den Umfragen, die bundesweit die CDU vorne sehen, kann sich aber auch Christdemokrat Maik Behschad Chancen ausrechnen, den Wahlkreis zu gewinnen. Gute Aussichten, über vordere Plätze auf der Landesliste ihrer Parteien in den Bundestag einzuziehen, haben Boris Mijatovic (Grüne) und Violetta Bock (Linke). Insgesamt treten neun Parteien im Wahlkreis mit Direktkandidaten an, nämlich auch AfD, FDP, Freie Wähler, MLPD und Volt.

Beherrschendes Thema im Wahlkampf war nach den Anschlägen in Aschaffenburg und München die Migration. Wer wird davon profitieren? Umfragen sehen die CDU bei rund 30 Prozent, dahinter die AfD, danach erst SPD und Grüne. Die Linke liegt nach Prognosen inzwischen über der Fünf-Prozent-Hürde, für die FDP und das Bündnis Sahra Wagenknecht soll es demnach eng werden.

Die Prognosen für den Wahlkreis Kassel (etwa auf election.de) gehen von einem „Vorsprung SPD“ aus. Bei der Wahl 2021 setzte sich Timon Gremmels (SPD) mit 36,1 Prozent der Erststimmen und 32,2 % der Zweitstimmen durch. Die Wahlbeteiligung lag bei 74,5 Prozent. Nach Erststimmen folgte auf Platz 2 Michael Aufenanger (CDU/20,4 %) vor Boris Mijatovic (Grüne/17,3 %) und Matthias Nölke (FDP/8,1 %). Bei den Zweitstimmen lagen die Grünen (18,9 %) vor der CDU (17,5 %), gefolgt von FDP (10,2 %), AfD (7,5 %) und Linke (6,5 %).

Die Wahllokale öffnen von 8 bis 18 Uhr. Wählen ist auch ohne Vorlage der Wahlbenachrichtigung möglich. Wichtig ist, sich mit Personalausweis oder Reisepass ausweisen zu können. Nach Schließung der Wahllokale beginnt das große Zählen.

(Andreas Hermann)

Prognose für Wahlkreis 166: „Vorsprung CDU“

Baunatal und Schauenburg gehören zum Wahlkreis Waldeck (166), der die Städte und Gemeinden in den Altkreisen Hofgeismar, Wolfhagen und Waldeck umfasst und den von 1957 bis 2009 stets SPD-Direktkandidaten holten. 2013 gewann ihn Thomas Viesehon für die CDU. 2017 holte ihn Esther Dilcher für die SPD zurück, verteidigte ihn 2021. Nun strebt Dilcher erneut das Direktmandat an. Die Prognose sieht aber einen „Vorsprung CDU“ für Herausforderer Jan-Wilhelm Pohlmann.

Kommentare