VonWiebke Huckschließen
Vor der Bürgermeister-Direktwahl in Großalmerode am 8. Oktober haben wir mit Finn Thomsen (parteilos) beim Kuchenbacken darüber gesprochen, warum er Bürgermeister der Tonstadt bleiben möchte.
Großalmerode – Finn Thomsen ist der jüngste Bürgermeister im Werra-Meißner-Kreis – als er 2017 zum ersten Mal gewählt wurde, war er 27 Jahre alt. 2018 wurde er ins Amt eingeführt. Jetzt stehen erneut die Bürgermeisterwahlen in der Tonstadt an und Finn Thomsen stellt sich wieder zur Wahl, immer noch parteilos, aber mit Unterstützung von CDU und Wählergemeinschaft.
Seit er 18 Jahre alt ist, arbeitet Thomsen, der gebürtig aus Schleswig-Holstein stammt, in der öffentlichen Verwaltung. Er ist Diplom-Verwaltungswirt und hat einen Master-Titel im Bereich öffentliche Verwaltung.
Seit 2012 ist er bei der Stadtverwaltung in Großalmerode beschäftigt. Durch den Wunsch nach mehr Verantwortung wurde die Idee geboren, sich für das Amt des Bürgermeisters zu bewerben. Mit Erfolg: 73 Prozent der Wähler stimmten für ihn.
In seiner bisherigen Amtszeit sei die Corona-Pandemie die größte Herausforderung gewesen, gemeinsam hätte man sie in der Stadt aber „gut gemeistert“, findet Thomsen.
Er ist Mitglied in der Feuerwehr, seit er zehn Jahre alt ist, und seit vielen Jahren gehört er auch zu den Großalmeröder Brandschützern. Zu den Einsätzen fährt er oft in doppelter Funktion: In erster Linie als Feuerwehrmann, bei Großeinsätzen seien aber auch immer wieder Entscheidungen des Bürgermeisters gefragt. „Kameradschaft ist in der Feuerwehr ganz wichtig, wenn ich als Atemschutzgeräteträger in den Einsatz gehe, gibt es keinen Bürgermeisterbonus.“ Am wichtigsten sei es, dass alle heile nach Hause kämen.
Sein ehrenamtliches Engagement liegt dem 32-Jährigen am Herzen. Darum weiß er auch, wie wichtig es ist, das Ehrenamt zu fördern und wertzuschätzen. Nicht umsonst sei der Slogan der Tonstadt: Gemeinsam Großalmerode. „Es ist die Gemeinschaft, die uns ausmacht, es sind die Ehrenamtlichen, die die Stadt am Laufen halten, sich engagieren und Veranstaltungen organisieren.“
Als eine seiner wichtigsten Aufgaben, jetzt und in naher Zukunft, sieht Finn Thomsen die Digitalisierung. „Wir müssen digitaler werden, auch als Gesellschaft, sonst hängen wir uns selber ab“, sagt er. Ganz wichtig dabei sei es, auch die ältere Generation mitzunehmen. Gleich zu Beginn der Pandemie habe die Stadt die Online-Terminvergabe eingeführt und beibehalten, denn sie wird gut angenommen, schon weil es damit beispielsweise bei der Beantragung eines Personalausweises keine Wartezeit mehr gibt. Die Kommune sei ein Dienstleister, sagt Thomsen: „Wir leben vom Steuergeld, das die Bürger bezahlen. Und dafür können sie auch einen gewissen Service erwarten.“
Thomsen gehört zum „Netzwerk Junge Bürgermeister“ und hat gemeinsam mit anderen Mitgliedern ein Kinderbuch herausgebracht: „Spielplatz-Alarm in Großalmerode“. Es soll dabei helfen, dass Kinder ihren eigenen Bürgermeister kennenlernen und sich trauen, ihre Wünsche an die Stadt und an den Rathaus-Chef zu richten. „Kinder und Jugendliche sind ja die, die in Zukunft bei uns wohnen sollen. Gerade im ländlichen Raum bauen wir darauf, dass die Jugend bei uns bleibt und nicht wegzieht, beziehungsweise wenn sie weggezogen ist, wieder zurückkommt“, sagt Thomsen. Darum sei es ihm auch besonders wichtig, die Kinder und Jugendlichen in der Stadt zu unterstützen, unter anderem das sehr aktive Jugendparlament.
Eines der wichtigsten und kostenintensivsten Projekte, das ihn in der nächsten Amtszeit beschäftigen würde, sei das Panoramabad in Großalmerode. Mittlerweile sind die Kosten für die Sanierung auf 6,5 Millionen Euro angewachsen. 1,7 Millionen Euro Fördermittel konnten bereits generiert werden, doch Thomsen will weitere Anträge auf den Weg bringen, um die Steuerlast für die Bürger so gering wie möglich zu halten. Das Bad zu erhalten, sei aber von größter Wichtigkeit, denn immer weniger Kinder würden schwimmen lernen, und dagegen müsse etwas getan werden.
Warum Thomsen Bürgermeister bleiben möchte? „Es gibt keinen abwechslungsreicheren Job als den des Bürgermeisters – man erlebt schöne, aber auch traurige Momente, aber es ist immer spannend und abwechslungsreich.“
Rubriklistenbild: © Evelina Kern

