Speiseeis mit Schnittlauch

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Mit Alsfeld-Eis und Blick auf das historische Rathaus: Birgit und Adolfo Macchione betreiben das Eiscafe auf dem Alsfelder Marktplatz.
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Sommer ist Eis-Zeit. Trotz steigender Preise ist die kühle Creme begehrt. So findet das neue »Alsfeld Eis« aus Mascarpone und Sauerkirschen am Alsfelder Marktplatz viele Abnehmer. Allerdings sind die Rohstoffe deutlich teurer geworden. Und nur ein Teil der Mehrkosten kann auf den Bällchenpreis umgelegt werden.

Ein leckeres Eis aus der Eisdiele ist sehr gefragt. Viel Regen und Temperaturen unter 20 Grad haben vor Wochen die Freude an der kalten Köstlichkeit beeinträchtigt. Doch dann hat die Hitzewelle das Interesse an einem Erdbeerbecher nach oben katapultiert. Die Lust auf eine Kugel Eis ist ungebrochen, wie die oft gut besetzten Eisdielen in der Alsfelder Altstadt, an der Durchgangsstraße in Romrod und in Merlau zeigen. Doch angesichts der gestiegenen Preise dürfte es dem einen oder anderen Kunden eiskalt den Rücken hinunterlaufen.

Im vergangenen Jahr kostete die Kugel Eis im bundesweiten Durchschnitt schon 1,46 Euro. In diesem Jahr müssen sich Naschkatzen vielerorts auf Preise von zwei Euro und mehr einstellen. Im Vogelsberg liegt man zwischen 1,30 und 1,60 Euro pro Kugel. Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig.

In Mücke-Merlau findet sich das kleine Eiscafe Italia Da Roberto E Sabrina. Dort bieten Roberto und Sabrina Casaluce seit neun Jahren handgemachtes italienisches Speiseeis an. Die Preise liegen mit 1,30 Euro pro Kugel deutlich unter dem überregionalen Durchschnitt. Doch auch in Merlau haben die Inhaber den geänderten Bedingungen Rechnung getragen: »Wir mussten zum Saisonstart zehn Cent teurer werden«, rechnet Sabrina Casaluce vor. »Die Eisbecher mussten wir sogar um 50 Cent teurer machen.«

Dass sie die Kugel Eis überhaupt zu diesem Preis anbieten können, liegt an der recht günstigen Miete für ihr Café. »Zudem stellen wir alles als Zwei-Personenbetrieb her und haben deshalb keine Personalkosten«, sagt Sabrina Casaluce weiter. Und die selbst hergestellte Eismenge ist begrenzt: »Wenn etwas leer ist, ist es leer. Wir haben keine Vorräte.« Bei der Nachfrage nach angesagten Sorten gibt es leichte Verschiebungen. »Die Trends gehen bei uns ganz klar hin zu veganen, laktose- und glutenfreien Eissorten«, erläutert Roberto Casaluce.

Sahnig ist Trumpf bei den Alsfelder Kollegen in »La Piazza« am Marktplatz. Gerne wird das neue »Alsfelder Eis« geordert, das freut Adolfo Macchione, der mit seiner Frau Birgit das Eiscafé mit Blick auf das Rathaus betreibt. »Das besteht aus Mascarpone und Sauerkirsch, daran habe ich fast ein Jahr gebastelt.« Die große Nachfrage bestätigt ihm, dass das Rezept ankommt. Auch die beiden neuen Joghurt-Eissorten mit Maracuja und mit Limette sind sehr gefragt.

Adolfo Macchione sieht darin eine Bestätigung seiner Arbeit als Hersteller von Eis. Den Trend zu veganen Sorten kann er nicht bestätigen, Touristen und Stammgäste greifen beim Piazza gleichermaßen zu Sahnekreationen und zum veganen Fruchteis. Birgit und Adolfo Macchione sind bereits seit 39 Jahren in Alsfeld, früher mit einer Pizzeria, inzwischen mit dem Eiscafé im Herzen der Altstadt.

Die Preise mussten auch sie um 10 Cent pro Kugel erhöhen, »der Zucker kostet doppelt so viel, Milch ist viel teurer geworden«, zählt Adolfo Macchione auf. Auch beim Kaffee ist der Einkaufspreis deutlich gestiegen und die Personalkosten gehen hoch. Da sei der Anstieg moderat. »Wir können die höheren Kosten nicht auf die Preise umlegen, dann würde keiner mehr ein Eis essen«, betont Adolfo Macchione.

In Alsfeld mit seinen vielen Touristen laden vier Eiscafés zu Cappuccino, Eisbecher und Waffeln ein. Dazu kommt das Angebot in den Kaffeehäusern, das ungewöhnlich sein kann. So wirbt das Marktcafé mit seinem »Eis der Woche« in der Geschmacksrichtung Joghurt-Schnittlauch.

Die Preiserhöhung um rund 10 Cent für eine handwerklich gefertigte Kugel in hiesigen Eisdielen liegt im Bundestrend. Annalisa Carnio, Sprecherin der Union italienischer Speiseeishersteller Uniteis spricht von einer Preisanpassung in sehr geringem Maße: »Wenn die Kugel im letzten Jahr 1,40 Euro gekostet hat, ist es jetzt 1,50 Euro. Mehr als zehn Prozent Erhöhung sind es eigentlich nirgendwo.«

Der Preis für eine Kugel Eis sei zudem keine willkürliche Entscheidung. Die gestiegenen Rohstoff- und Energiepreise trafen die Eisdielen-Betreiber schwer, sagt Carnio. Grundzutaten wie Zucker, Milch und Sahne seien im Einkauf viel teurer geworden. Hinzukommen gestiegene Strom- und Lieferkosten.

Neue Eissorten wie das Alsfelder Eis oder Joghurt Maracuja kommen gut an.

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