- VonTobias Stückschließen
Die Stadt Eschwege hat das Gebäude der katholischen Kita St. Elisabeth für rund 300 000 Euro gekauft und wird es sanieren, weil das Bistum Fulda sparen muss.
Eschwege – Die Stadt Eschwege hat das Gebäude des katholischen Kindergartens St. Elisabeth gekauft und wird ihn sanieren. Das hat die Stadtverordnetenversammlung in ihrer jüngsten Sitzung beschlossen, nachdem der Magistrat der Stadt bereits grünes Licht gegeben hatte.
Dem Bistum Fulda war daran gelegen, das Objekt abzugeben, die Kirchengemeinde wird Träger bleiben. Der Kaufpreis liegt bei knapp 300 000 Euro. Seit 2019 weist die katholische Kirchengemeinde nach Angaben des Magistrats die Stadt auf die Schwierigkeiten ihrer Finanzen hin. „Aufgrund der Schieflage der Finanzsituation des Bistums versuchen sie, die Kita-Objekte auf die Kommunen zu übertragen“, berichtet Bürgermeister Alexander Heppe. Die Stadt hatte angeboten, die Sanierung des in die Jahre gekommenen Gebäudes zu übernehmen und fortan eine Art Miete für die Finanzierung der laufenden Betriebskosten zu zahlen. Nach Angaben der Stadt sei das nicht im Sinne des Bistums gewesen. Nachdem sich Stadt und Bistum nicht einigen konnten, hatte die katholische Kirchengemeinde im Juli den Betriebsvertrag zum 31.7.2023 gekündigt.
Nach langen Verhandlungen ist es jetzt zu einer Einigung gekommen. „Unser Ziel war es, die bis zu 75 Betreuungsplätze zu sichern sowie dem Team, den Kindern und ihren Familien möglichst gemeinsam eine Perspektive zu geben“, sagt Heppe. Deswegen wurde der Kauf zu einer Alternative. Der Betrieb der Kita wird durch einen mit der katholischen Kirchengemeinde noch abzuschließenden Vertrag sichergestellt und kann mit vorhandenem Personal umgesetzt werden. „Ein Trägerwechsel war weder der Wunsch der Beschäftigten noch der Eltern“, berichtet Heppe.
Alle im Zusammenhang mit der Eigentumsübertragung entstehenden Kosten einschließlich Grunderwerbsteuer gehen zulasten der Kreisstadt. Für den Gebäudeankauf sind im Finanzhaushalt 2023 deshalb Investitionsmittel in Höhe von 340 000 Euro eingeplant worden.
Joana Wöhl (CDU) begrüßte, dass durch die bedeutende Maßnahme die Betreuung der Kinder gesichert sei. „Kein gut funktionierendes System wird zerrissen, Kinder und Eltern haben jetzt Sicherheit“, sagte sie vor dem Plenum. Stadtverordneter Karl Montag drückte seinen Unmut über das Vorgehen der katholischen Kirche mit einer Enthaltung in der Abstimmung aus. „Das hat mir nicht gefallen, das ist kein Umgang miteinander“, sagte er.
Das Bistum Fulda hat auf eine Anfrage unserer Zeitung bis Redaktionsschluss nicht reagiert. Das Bistum hatte bereits vor Jahren angekündigt, deutlich sparen zu müssen. Sinkende Kirchensteuereinnahmen führen dazu, dass weniger Geld zur Verfügung steht. Eingespart wird laut Haushaltsplan 2022 zum Beispiel bei Bauvorhaben, bistumseigenen Immobilien sowie bei Zuschüssen für Kirchengemeinden oder kirchliche Einrichtungen. (Tobias Stück)