Bildungspolitik

Stadt Frankfurt mietet die Neue Börse für zwei Gymnasien an

+
Die „Neue Börse“ wurde 2001 als Hauptsitz der Deutschen Börse erbaut. Michael Schick
  • schließen

Die Schulen am Industriehof sollen schon im Sommer eröffnen. Die CDU spricht von „Sardinenbüchsen“.

Trotz Bedenken des Revisionsamts mietet die Stadt die Gebäude an der „Neuen Börse“ als Standort für zwei Gymnasien an. Die Stadtverordneten haben entsprechenden Plänen des Magistrats am Donnerstagabend zugestimmt. Als Maßgabe der Stadtverordneten soll die Stadt die Möglichkeit bekommen, den Gebäudekomplex zu kaufen.

In den Räumen, die einst von der Deutschen Börse genutzt wurden, sind zwei Gymnasien mit jeweils 1600 Schülerinnen und Schüler geplant. Bis 2026 sollen die Gebäude umgebaut werden. Doch eröffnen werden die Schulen bereits im kommenden Sommer, wie Bildungsdezernentin Sylvia Weber (SPD) erklärte. Zunächst soll der Unterricht in einer Containeranlage auf dem Gelände stattfinden.

Dass die Stadt rund 13 Millionen Euro pro Jahr als Miete bezahlen wird, hält das Revisionsamt für unverhältnismäßig. Zudem bemängelt das Amt „schlechte energetische Werte“ des Gebäudes und „unverhältnismäßig hohe Betriebskosten“ .

Die SPD-Fraktionschefin Ursula Busch räumte im Ältestenausschuss der Stadtverordneten ein, die nun beschlossene Lösung „sei nicht ideal – das sagt auch niemand“. Allerdings stehe die Stadt bei der Suche nach Flächen für neue Schulen massiv unter Druck. Alternativen zu den Gebäuden an der „Neuen Börse“ gebe es nicht.

Weber weist Kritik zurück

Die CDU stimmte gegen die Anmietung. Ihre bildungspolitische Sprecherin Sara Steinhardt sagte, an der „Neuen Börse“ entstünden Schulen für die „Sardinenbüchsenhaltung“ von Schülerinnen und Schülern. „Auf so eine Schule würde ich als Kind nicht gehen wollen, und an so einer Schule möchte ich auch nicht unterrichten“, sagte Steinhardt, die im Hauptberuf Lehrerin ist. Als Übergangslösung könnten Container auch woanders aufgestellt werden, etwa am Ben-Gurion-Ring oder auf dem ehemaligen Fiat-Gelände in Griesheim.

Sylvia Weber verwahrte sich gegen Steinhardts Vorwurf, an der „Neuen Börse“ entstünden „Sardinenbüchsen“. Im Gegenteil: Das Team aus Architekten, das die Gebäude für schulische Zwecke umbauen soll, sei „begeistert“ und sehe viel Potenzial in der Immobilie.

Steinhardts Vorschlag, die Container in Griesheim oder im Norden der Stadt aufzustellen, helfe nicht weiter. Es gehe nicht um Provisorien, sondern um dauerhafte Lösungen für Schulen.

Kommentare