Rolf-Hochhuth-Stadtbibliothek Eschwege

Stadtbibliothek verleiht seit 2010 Jahr für Jahr mehr Medien

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Geben ihre Leidenschaft für Literatur an die Besucher der Stadtbibliothek weiter: (von links) Steffi Käppler-Zhour, Judith Vopicka-Rode und Guy Bennet mit ihren aktuellen Lieblingsbüchern.
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Bibliotheken haben in Internet-Zeiten ausgedient? Stimmt nicht! Die Rolf-Hochhuth-Stadtbibliothek verleiht Jahr für Jahr mehr Medien. Gerade Kinder gehören zu den Ausleihern.

Eschwege – Die Atmosphäre ist warm, hell und herzlich. Wer die Stadtbücherei in der alten Schlossmühle an der Werra betritt, solle sich wohlfühlen, sagt Bibliotheksmitarbeiterin und Fachbereichsleiterin für Sport und Kultur, Judith Vopicka-Rode. Denn die Eschweger Bibliothek soll keine wissenschaftliche sein, sondern eine Volksbücherei. Alle Altersschichten, alle Herkunftsnationen, alle sozialen Schichten sind herzlich willkommen. Und sie kommen offensichtlich gerne.

Am besten kann man das in Ausleihen messen. 2010 waren es 79 011, vor zehn Jahren 85 063 und im vergangenen Jahr schon 94 594 Medien, die am Mühlgraben entliehen wurden. Laut Judith Vopicka-Rode liegt das vor allem an den Kindern und Jugendlichen. „Sie sind unsere stärkste Gruppe“, sagt sie. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Zum einen besuchen alle Eschweger Kindergärten und Grundschulen mit den Kindern mindestens einmal die Stadtbücherei. Darauf ist das Konzept ausgerichtet. Mehr als 1800 Bilderbücher für die Kleinsten stehen bereit. Die Leseecke für die Kinder ist altersgerecht und gemütlich aufgebaut. Sie sitzen auf Mini-Stühlen. „Bei uns ist es auch nicht schlimm, wenn mal ein Kind weint“, sagt Vopicka-Rode. Volksbücherei eben. Die Fachbereichsleiterin spricht den Eschweger Familien aber auch ein großes Kompliment aus. Hier gebe es viele Eltern, die Lust hätten, ihre Kinder zu fördern.

Eine Bücherei zum Verweilen: Die Kinderecke ist gemütlich eingerichtet. Allein 1800 Bilderbücher gibt es hier zu entdecken.

Das funktioniert über Jahre hinweg. Vom Kleinkind- bis zum Jugendalter gibt es unterschiedliche Medien, die der Nachwuchs ausleihen kann. Besonders beliebt bei den Jüngeren sind derzeit die sogenannten Tonies. Die Comicfiguren stellt man auf das Abspielgerät, dann gibt es ein unterhaltsames oder wissensbasiertes Hörspiel. 264 verschiedene Modelle stehen zur Auswahl. Die meisten sind aber verliehen.

Einen ersten eigenen Ausweis gibt es für Kinder ab sieben Jahren. Sie zahlen die Hälfte der Erwachsenengebühr. Für Eschwege sind das zwölf Euro, für Auswärtige 18 Euro. Der Familienausweis kostet entsprechend 18 oder 24 Euro. Mit der Familienkarte Plus, die es beim Familienbüro in Eschwege gibt, ist der Jahresbeitrag kostenlos.

Zwei Drittel der Entleiher kommt aus Eschwege, die anderen aus anderen Teilen des Kreises, oder aber auch aus ganz Deutschland. Denn die Eschweger Stadtbücherei hat eine digitale Zweigstelle. So kann man über den Verbund öffentlicher hessischer Bibliotheken rund 190 000 Titel digital ausleihen – von überall auf der Welt. Dazu gehören dann auch E-Books und andere digitale Medien. Bald soll man auch den Eschweger Bibliotheksausweis online beantragen und bezahlen können – falls einem im Urlaub unter der Sonne der Malediven mal der Lesestoff ausgeht. „Das Internet ist also weniger eine Konkurrenz, sondern mehr eine Erweiterung unseres Angebots“, wischt die Leiterin die Bedenken beiseite. Zumal die Leihe vor Ort immer noch stärker nachgefragt ist. 2023 wurden 78 000 Titel in der Schlossmühle ausgeliehen, 16 000 online. Was heute allerdings schon nachgelassen hat, ist die Nachfrage nach CDs und DVDs. Dafür wurde der vermehrten Nachfrage nach WLAN in der Schlossmühle schon lange nachgegeben.

Termine in der Stadtbücherei

Die Eschweger Stadtbücherei hat dienstags bis samstags entweder nachmittags oder vormittags geöffnet. An jedem ersten Dienstag im Monat gibt es im Eingangsbereich einen Bücher-Flohmarkt, wo man Exemplare zum Preis von 50 Cent bis 1,50 Euro kaufen kann. Alle sechs Wochen findet hier ein offener Literaturtreff statt. Bei den Buchbesprechungen kann jeder mitmachen. Nächster Termin ist am Donnerstag, 25. Januar um 19 Uhr.

Geordnet ist der Bestand von rund 35 000 Medien in Eschwege nach dem Hannover’schen Online-Bibliothekssystem, das viele Büchereien in Deutschland nutzen. Um die Systematik und die Möglichkeiten der Suche zu verstehen, gibt es für die Kinder einen Bibliotheksführerschein und eine Bibliotheksrallye, neue erwachsene Mitglieder werden von den Mitarbeitern eingewiesen. Neben Judith Vopicka-Rode und fünf ehrenamtlichen Stützen arbeiten Beatrice Schneider, Steffi Käppler-Zhour und Guy Bennet in Teilzeit in der Stadtbücherei. Ihnen allen ist die Leidenschaft für Literatur anzumerken. Steffi Käppler-Zhour liest und hört immer mehrere Bücher gleichzeitig, ist immer auf dem aktuellen Stand der Buchneuheiten. Bei rund 2000 Medien, die Jahr für Jahr neu angeschafft werden, ist Aktualität ein Muss. Aber auch die Leser dürfen Wünsche äußern. Der Brite Guy Bennet ist mit Büchern aufgewachsen. Als Sohn einer Lehrerin und eines Bibliothekars ist der Germanist in beider Fußstapfen getreten und kann auch zu fremdsprachiger Literatur beraten.

Auch für Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, hält die Stadtbücherei eine Auswahl bereit. Früher mussten Sprachanfänger oft mit Kinderbüchern die Leseanfänge bestreiten“, sagt Vopicka-Rode. Jetzt gibt es hier auch bekannte Romane, die in sogenannter „leichter Sprache“ verfasst sind.

Der Literaturtreff trifft sich das nächste Mal am Donnerstagabend in der Stadtbibliothek und bespricht ein Buch der 1946 in Eschwege geborenen Aliza Olmert, Frau des ehemaligen israelischen Ministerpräsidenten.

Jedes Jahr wird der Bestand überprüft. Für Neuanschaffungen stehen der Stadtbibliothek jedes Jahr knapp 30 000 Euro von der Stadt und dem Land Hessen sowie eigenen Einnahmen zur Verfügung. Darüber hinaus bekommen sie jedes Jahr rund 10 000 Bücher aus Nachlässen gespendet. Dadurch entstehen natürlich Kapazitätsproblem. Trotz 550 Quadratmeter Fläche in der Schlossmühle, die seit 1982 Sitz der Eschweger Stadtbibliothek ist, ist der Platz nicht unendlich. Über den Bücher-Flohmarkt wird jedes Jahr Platz geschaffen. Das spült zusätzlich auch etwas Geld in die Kasse. (Tobias Stück)

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