„Leuchtturmprojekt“

Frühzeitige Warnung vor Starkregen: Ministerin nimmt Alarmsystem im Kreis Fulda in Betrieb

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Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus nahm das Starkregen-Alarmsystem am Donnerstag mit Landrat Bernd Woide offiziell in Betrieb.
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Die Menschen im Kreis Fulda können ab sofort besser und genauer vor Starkregen gewarnt werden. Ein Frühalarmsystem ist der Grund dafür. Dieses hat Hessens Digitalministerin Kristina Sinemus in Betrieb genommen.

Künzell - Digitalisierung kann helfen, Schäden durch Wassermassen zu minimieren. Im Landkreis Fulda ist jetzt eine gebietsgenaue und frühzeitige Warnung vor Starkregen oder Überflutungen dank des Einsatzes digitaler Technologien flächendeckend möglich, wie aus einer Mitteilung des Digitalministeriums hervorgeht.

Starkregen-Alarmsystem auf den Landkreis Fulda ausgerollt

Digitalministerin Professor Dr. Kristina Sinemus hat das Starkregen-Frühalarmsystem am Donnerstag gemeinsam mit Landrat Bernd Woide (beide CDU) und Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf (parteilos) final in Betrieb genommen.

Im November 2022 waren die Messpunkte in den Gemeinden Burghaun, Ebersburg, Eichenzell und Neuhof eingeschaltet worden. „Nach dem Start in den vier Pilotkommunen sind inzwischen in allen 23 Kommunen des Landkreises Fulda rund 200 Sensoren in Abwasserkanälen, an Brücken, öffentlichen Gebäuden und an Gewässern betriebssicher installiert“, heißt es in der Mitteilung. Die Sensoren sollen vor allem die Niederschlagsmengen, die Gewässerpegel und das Abflussverhalten in Echtzeit messen.

Das Digitalministerium hat das Projekt nach eigenen Angaben mit 828.000 Euro aus dem Programm „Starke Heimat Hessen“ gefördert. Die Gesamtkosten belaufen sich demnach auf knapp eine Million Euro.

Dieses Projekt ist der beste Beweis, dass Digitalisierung bei konkreten und sehr bedrohlichen Problemen in den Kommunen helfen kann.

Digitalministerin Kristina Sinemus

„Das Starkregenfrühalarmsystem ist ein echtes Leuchtturmprojekt, das wir deshalb gerne gefördert haben. Denn von den Erfahrungen hier im Landkreis Fulda können alle Kommunen profitieren, was angesichts der vermehrt auftretenden Extremwetterereignisse immer mehr an Bedeutung gewinnt“, sagte die Digitalministerin bei dem Termin in Künzell-Dirlos. „Dieses Projekt ist der beste Beweis, dass Digitalisierung bei konkreten und sehr bedrohlichen Problemen in den Kommunen helfen kann.“

Das System habe seit Beginn der Installation auch schon mehrfach den Praxistest bestanden und einen Alarm ausgelöst. „Daher ermutige ich alle Kommunen in Hessen, sich dieses Modellprojekt anzuschauen und sich bevorzugt in interkommunaler Kooperation mit dem Thema zu befassen. Und von den Bürgerinnen und Bürgern wünsche ich mir, dass sie sich die App installieren, um rechtzeitig gewarnt werden zu können. Überflutungen werden damit zwar nicht verhindert, aber die Folgen können dank des Zeitvorsprungs verringert werden“, so Sinemus.

System misst in Echtzeit Niederschlag, Pegelstände und Abflussverhalten

Das System misst in Echtzeit Niederschlag, Pegelstände und Abflussverhalten und kombiniert diese Daten mit den Werten des Deutschen Wetterdienstes. Im Bedarfsfall löst das System in Sekundenschnelle einen Alarm bei Bürgerinnen und Bürgern, Rettungskräften und Verwaltung per SMS, E-Mail oder VoiceCall aus.

Künstliche Intelligenz kommt bei der Auswertung der Daten zum Einsatz: Die Messergebnisse werden automatisiert analysiert, um den Alarmierungsprozess selbstlernend zu optimieren. Aktuell ist es das einzige System auf dem Markt, das flächig einen kompletten Landkreis bei drohender Gefahr in mehreren Stufen alarmiert.

In Künzell-Dirlos fand am Donnerstag die Inbetriebnahme des neuen Systems statt - im Beisein zahlreicher politischer Vertreter aus der Region.

Landrat Bernd Woide unterstrich die Wichtigkeit des Projekts: „Unsere Ausgangsbasis waren die zehn Gewässerpegel des Hessischen Landesamtes, die an den größeren Gewässern wie der Haune, der Ulster und der Fulda die Wasserstände gemessen haben. Mit den nun insgesamt 200 vorhandenen Sensoren gibt es nun eine viel breitere Datenlage.“

„Es liegt nun an jeder Bürgerin und an jedem Bürger, sich dieses Alarmsystem durch die Nutzung der App zu eigen zu machen“, appellierte der Landrat.

Flut-Spielplatz in Dirlos dient bei Inbetriebnahme als Beispiel

Auf dem Spielplatz in Künzell-Dirlos, der immer wieder überflutet wird, wurde bei dem Termin der finalen Inbetriebnahme beispielhaft gezeigt, wie die mobilen Hochwasser-Barrieren errichtet werden, um zu verhindern, dass das Wasser in den Ort hineinläuft.

„Das Starkregenfrühalarmsystem ist eine absolut sinnvolle Ergänzung unserer bisherigen Bemühungen. In der Vergangenheit hätte uns diese Einrichtung bestimmt schon gute Dienste erwiesen. Bauliche Maßnahmen wie hier am Grumbach müssen trotzdem umgesetzt oder mobile Schutzeinrichtungen beschafft werden, um vorhandene Eng- und Problemstellen im Bedarfsfalle zu optimieren“, sagte Künzells Bürgermeister Timo Zentgraf.

Die Angst vor den Folgen aus dem Klimawandel und den damit entstehenden neuen Wetterphänomenen könne durch eine jetzt vorhandene optimierte und zeitnahe Datengrundlage etwas abgemildert werden. Die Möglichkeit des sinnvollen Eigenschutzes werde dadurch ebenfalls erhöht, meinte Zentgraf.

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