Bundesweite Analyse

In Kassel wird besonders wenig mobil geblitzt

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In der Stadt Kassel müssen Autofahrer im Vergleich mit anderen Großstädten eher seltener damit rechnen, geblitzt zu werden.

Kassel – Dies geht zumindest aus einer bundesweiten Analyse der Rechtsanwaltskanzlei Goldenstein aus Brandenburg hervor. Demnach finden vor allem mobile Geschwindigkeitskontrollen sehr unterdurchschnittlich statt. Bei der Bewertung wurde die Zahl der stationären und mobilen Blitzerstandorte ins Verhältnis zur jeweiligen Straßenfläche der Städte gesetzt.

Während Kassel mit sechs festen Blitzersäulen – wovon eine wechselnd in beide Richtungen auslöst – ähnlich viele wie Städte vergleichbarer Größe hat, liegt die Kommune bei den mobilen Kontrollen auf Platz 38 der 40 größten Städte. Beim Spitzenreiter Bonn ist die Dichte mobiler und teilstationärer Blitzer zehnfach höher. Wobei jeweils bewertet wurde, wie viele mobile Anlagen im Analysezeitraum zeitgleich von Ordnungsamt und Polizei aufgestellt wurden. Aus Sicht der Anwaltskanzlei sind gerade mobile Blitzer besonders wirksam, um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen.

Diese Säule blitzt in wechselnde Richtungen: Die Anlage auf dem Kasseler Steinweg kann in beide Fahrtrichtungen eingesetzt werden.

Die Stadt Kassel übt Zweifel an der Analyse. Zwar stellt diese nicht die von der Kanzlei berechnete Blitzerdichte infrage, aber es wird moniert, dass diese nicht in Relation zum Verkehrsaufkommen der untersuchten Städte gestellt wird. Allein die Straßenfläche als Maßstab zu nehmen, führe zu keiner aussagekräftigen Bewertung, so ein Stadtsprecher.

Stadt Kassel übt Zweifel an der Blitzer-Analyse

Zudem verweist die Stadt darauf, dass die Aufstellung stationärer und mobiler Geschwindigkeitsmessanlagen an rechtliche Voraussetzungen geknüpft sei. So dürften stationäre Blitzer nur in „besonders schutzwürdigen Bereichen“ aufgebaut werden, wo dauerhaft Geschwindigkeitsüberschreitungen festgestellt werden. Bei der Auswahl der Standorte spielten etwa Unfallschwerpunkte, Fußgängerüberwege und die Nähe zu Kindergärten, Schulwegen, Krankenhäusern und Altenheimen eine Rolle. Entsprechende Entscheidungen würden in Abstimmung mit der Hessischen Hochschule für öffentliches Management und Sicherheit getroffen. Es sei aktuell nicht vorgesehen, die Zahl stationärer Blitzer zu erhöhen, so Ordnungsdezernent Heiko Lehmkuhl.

Anders sieht es bei mobilen Kontrollen aus. Diese seien in den vergangenen Jahren „massiv intensiviert“ worden. Dafür seien die Einsatzzeiten der Stadtpolizei ausgeweitet worden. Ein weiteres mobiles Messgerät werde derzeit angeschafft.

Hier messen zwei Säulen in beide Richtungen: Die Wilhelmshöher Allee in Höhe der Sophienstraße.

Kassels Ordnungsamt hat vergangenes Jahr 71 000 Verwarn- und Bußgeldverfahren aufgrund von Geschwindigkeitsübertretungen eingeleitet. Davon entfielen 28 000 auf die stationären Blitzer. Bei diesen ist ein kontinuierlicher Rückgang zu beobachten, weil die Standorte (Steinweg, Wilhelmshöher Allee - beide Richtungen, B 83 - beide Richtungen, Frankfurter Straße) mittlerweile bekannt sind. Bei den mobilen Messungen ist die Zahl der Verfahren 2023 leicht gestiegen.

Kassel schneidet vor allem bei den mobilen Tempokontrollen schlecht ab

Die Stadt Kassel schneidet in einem aktuellen Blitzer-Ranking der Anwaltskanzlei Goldenstein aus Brandenburg vor allem bei den mobilen Tempokontrollen schlecht ab. Im Verhältnis zur Verkehrsfläche der Stadt finden laut Analyse verhältnismäßig selten derartige Messungen statt. Hier die Ergebnisse im Einzelnen.

Verglichen wurden die 40 größten deutschen Städte dahingehend, wie viele Tempokontrollen im Verhältnis zu ihrer jeweiligen Straßenfläche stattfinden. Dafür hat die Anwaltskanzlei die Zahlen zu den stationären Blitzern bei den Städten abgefragt.

Die Angaben zu den mobilen und teilstationären Blitzern wurden ermittelt, indem zwischen November 2023 und Januar 2024 einmal täglich die Anzahl zeitgleich aufgestellter mobiler und teilstationärer Blitzer auf Basis von Daten der Verkehrsapps Waze und Blitzer.de überprüft wurden. Dabei seien sowohl Kontrollen des Ordnungsamtes wie der Polizei erfasst worden, heißt es von der Kanzlei.

An der Frankfurter Straße: In Höhe der Horst-Dieter-Jordan-Straße wird nur stadteinwärts gemessen.

In den 40 untersuchten Großstädten sind im Schnitt 11,5 Blitzer auf 1000 Hektar Straßenfläche zeitgleich im Einsatz. Dieser Wert umfasst sowohl feste, mobile und teilstationäre Geschwindigkeitskontrollen. In der Stadt Kassel sind laut Analyse nur 7,6 stationäre und mobile Blitzer auf dieser Fläche in Betrieb. Kassel landet mit diesem Wert auf Platz 24 von 40.

Schlusslichter sind neben Kassel Bremen, Dresden und Rostock

Die höchste Blitzerdichte gibt es in Freiburg (35,37), gefolgt von Wiesbaden (33,89), Wuppertal (25,92), Karlsruhe (25,81), Hannover (22,56) und Stuttgart (21,4). Die niedrigste Dichte gibt es in Magdeburg (0,6), wo nicht ein einziger stationärer Blitzer steht. Davor rangieren Krefeld (1,84), Duisburg (2,91), Nürnberg (3,01), Bochum (3,17) und Braunschweig (3,18), wo ebenfalls vergleichsweise wenig feste, mobile und teilstationäre Blitzer stehen.

Betrachtet man nur die mobilen Blitzer, schneidet Kassel schlecht ab. Die nordhessische Stadt erreicht Platz 38 von 40. Nur 0,38 mobile Tempokontrollen fanden im Analysezeitraum durchschnittlich zeitgleich pro 1000 Hektar Straßenfläche statt. Bonn ist bei den mobilen Kontrollen Spitzenreiter und kontrolliert zehn Mal stärker (3,87 Blitzer zeitgleich pro 1000 Hektar) als Kassel. Auch in Oberhausen, Mannheim, Hamburg und Mainz wird laut Analyse oft mit mobilen Blitzern gearbeitet. Schlusslichter sind neben Kassel Bremen, Dresden und Rostock.

An der B 83 wird in beide Richtungen gemessen: Hier werden die meisten Autofahrer in Kassel geblitzt.

Bei den stationären Blitzern landet Kassel hingegen im Mittelfeld. Vergleichbar große Städte wie Erfurt haben ähnliche viele feste Anlagen im Betrieb.

Weil die 2016 in Kassel aufgebauten stationären Anlagen inzwischen bei Autofahrern bekannt sind, werden immer weniger von ihnen geblitzt. 2017 lagen die Einnahmen allein aus dem Betrieb der stationären Blitzer noch bei 2,5 Millionen Euro. 160 000 Autofahrer wurden damals geblitzt. 2023 wurde nur noch gegen 28 000 Autofahrer ein Buß- und Verwarngeld aufgrund der stationären Messungen verhängt. Mit 21 000 entfiel das Gros auf die Geräte an der B 83 (beide Fahrtrichtungen).

Die Einnahme aus den stationären und mobilen Geschwindigkeitskontrollen betrug 2023 nach vorläufigen Zahlen etwa zwei Millionen Euro. Ein Vergleich mit Vorjahren sei aufgrund unterschiedlicher Ausfallzeiten der Technik schwierig, so ein Stadtsprecher. Hinzu komme die Anhebung von Verwarn- und Bußgeldbeträgen Ende 2021, die für ein deutliches Plus gesorgt habe. Auch die documenta vor zwei Jahren sorgte für einen Ausreißer nach oben. Damals galt für 100 Tage auf dem Steinweg Tempo 30. Deshalb erzielte die dortige Blitzersäule nochmals ein Rekordergebnis: 35 000 geblitzte Autofahrer und über eine Million Euro Einnahmen lautet die Bilanz nach den 100 Tagen. (Bastian Ludwig)

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