VonThomas Stillbauerschließen
Klimabewegung und Bahnpersonal legen den Verkehr in Frankfurt lahm – für Autos nur kurz, für Straßen- und U-Bahn länger.
Gut 1000 Menschen haben am Freitagmittag in der Frankfurter Innenstadt für Klimaschutz und Verbesserungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) demonstriert. Dem Frühjahrs-Klimastreik der Bewegung Fridays for Future schlossen sich die Gewerkschaft Verdi und Bedienstete der Verkehrsbetriebe an. Über den Mainkai, Untermain- und Alte Brücke, Kurt-Schumacher- und Berliner Straße zog die Demonstration zurück zum Kundgebungsort Römer. Autofahrer:innen mussten wegen der Aktion jeweils nur wenige Minuten warten.
Sprecherinnen und Sprecher der Klimabewegung und der Gewerkschaft forderten dabei immer wieder eine Verkehrswende: weg von Vorrechten der Autos in der Stadt, hin zu einer lebenswerten City mit leistungsstarkem ÖPNV und fairen Bedingungen an den Arbeitsplätzen.
Beim Bus- und Bahnpersonal herrschten hohe Krankenstände wegen „miserabler Arbeitsbedingungen“, sagte Thomas Heimbürger, Mitglied der Verdi-Tarifkommission und Betriebsratsvorsitzender der Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF): „Der Arbeitgeberverband hat noch gar nicht begriffen, um was es hier geht“, kritisierte er. Von „beschissenen Arbeitsbedingungen“ sprach gar eine Fridays-Sprecherin, frenetisch beklatscht von den jungen Klimaaktivisti und den in Signalfarben angetretenen Nahverkehrsbeschäftigten.
Viola Rüdele vom Bündnis Verkehrswende zeichnete eine Zukunft mit viel mehr Straßenbahnlinien für die Stadt und viel weniger Autos. Ein Sprecher der antikapitalistischen Organisation „Kritik und Praxis“, sagte: „Wir alle haben einen Grund, wütend zu sein.“ Wenn sich nicht sofort Grundlegendes an der Verkehrsinfrastruktur ändere, werde das für lange Zeit große Probleme nach sich ziehen.
Eine Sprecherin der Gruppe Offenes Klimatreffen Frankfurt sagte, „die Verkehrspolitik des letzten Jahrhunderts“ zerstöre Naturgebiete wie den Fechenheimer Wald und sei extrem ungerecht. Bereits am Freitagmorgen hatte die Polizei eine Aktion der Fridays in Bockenheim verhindert und Teilnehmer:innen vorübergehend festgehalten.
Zusätzlich zur Demonstration wird im öffentlichen Nahverkehr gestreikt. Den ganzen Freitag und Samstag fahren in Frankfurt keine U-Bahnen und keine Straßenbahnen. Züge, S-Bahnen und Busse sind davon nicht betroffen.
Ähnlich sieht es in Kassel aus. Auch hier entfallen die U-Bahnen und Trams. In Wiesbaden stehen laut ESWE Verkehrsgesellschaft alle Busse still. Regionalbusse und Bahnen fahren aber weiterhin. Auch in Hanau und Offenbach kommt es zu Ausfällen im öffentlichen Busverkehr. In Gießen fahren laut RMV die Busse an beiden Tagen nach dem Samstagsfahrplan. Auch die Marburger Stadtbusse streiken am 1. März von 4.30 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts.
Die Gewerkschaft Verdi hatte die ganze Woche in verschiedenen Bundesländern nacheinander zum Streik aufgerufen. An den letzten beiden Tagen ist Hessen betroffen. Der Streik endet Samstagnacht.
