Kassel

Subventionen: Wie Landwirtschaft in Deutschland gefördert wird

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Landwirte verbrauchen mit den schweren Landmaschinen Diesel: Subventionen für den Kraftstoff sollen nun gestrichen werden, Bauern protestieren dagegen. Symbolbild: Julian Stratenschulte/dpa
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Agrardiesel-Förderung macht sechs Prozent der staatlichen Subventionen für Landwirte aus. Ohne Subventionen wäre der Anbau in Deutschland viel teurer.

Viele Bauern in Deutschland möchten diese Woche weiter für ihre Privilegien demonstrieren. Schließlich machen staatliche Förderungen einen Großteil der Betriebsgewinne in der Landwirtschaft aus. Hier ein Überblick über die wichtigsten Fakten, wie sie aus dem agrarpolitischen Bericht der Bundesregierung von 2023 hervorgehen:

Worum geht es beim sogenannten Agrardiesel?
Landwirte müssen beim Tanken ihrer landwirtschaftlichen Maschinen zunächst den regulären Steuersatz von 47,07 Cent pro Liter auf Diesel bezahlen. Sie können dann allerdings eine Rückerstattung von 21,48 Cent pro verbrauchtem Liter beantragen. Bei den Steuern für Agrardiesel gibt es in Europa keine einheitliche Regelung. In den Niederlanden erhalten Landwirte seit 2013 keine Steuerrabatte auf Diesel mehr, sie bezahlen den vollen Satz von 52 Cent pro Liter. Frankreich hat Agrardiesel 2018 mit 825 Millionen Euro subventioniert, bei Steuern von 18,8 Cent. In Polen gibt es für Landwirte keine Rabatte, sie zahlen 33,4 Cent. In Italien sind es 13,6 Cent pro Liter, in Spanien 9,7 und in Dänemark 7,1. In Belgien entfallen auf Agrardiesel gar keine Steuern. Mit der Steuererstattung liegt Deutschland bei 25,56 Cent pro Liter. Die Zahlen beruhen auf einer Untersuchung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).
Wie viel Diesel verbrauchen deutsche Landwirte?
Etwa zwei Milliarden Liter Diesel werden von deutschen Landwirten pro Jahr verbraucht. Das entspricht rund fünf Prozent des Dieselverbrauchs in Deutschland. Diese Menge stagniert seit 2014, vorher stieg sie stetig an, wie aus einer Untersuchung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) hervorgeht.
Allerdings: Die Anzahl der Betriebe und der landwirtschaftlich genutzten Fläche geht seit Jahren zurück. Der landwirtschaftliche Flächenverlust durch Umwidmung zwischen 1992 bis 2020 hat sich auf 1,42 Millionen Hektar summiert. 2022 wurden laut Bundesregierung 16,6 Millionen Hektar bewirtschaftet. Im Jahr 2020 gab es 263 500 landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Vor 25 Jahren waren es noch mehr als doppelt so viele. Die Tendenz ist also, dass weniger Betriebe jeweils größere Flächen intensiver bewirtschaften.
Wer profitiert von der Agrardieselregelung besonders?
Wegen verschiedener Kraftstoffverbräuche profitieren Betriebe unterschiedlich von der Agrardieselrückvergütung: Ein Ackerbaubetrieb erhielt 2020/21 laut Bundesregierung durchschnittlich 3886 Euro, Milchbauern 3238 und Obstbauern 1052 Euro zurück. Der Durchschnitt aller Haupterwerbsbetriebe lag bei 2883 Euro, in Hessen bei 3488, in Niedersachsen bei 3290 Euro. Spitzenreiter sind Betriebe in Mecklenburg-Vorpommern mit 7077 Euro und in Sachsen-Anhalt mit 6545 Euro. Zwischenzeitlich gab es bei den Rückerstattungen eine Obergrenze von 10 000 Litern Diesel, also 2148 Euro pro Betrieb.
Wie viel macht die Agrardieselregelung bei den Subventionen aus?
Die EU-Subventionen machten laut Bundesregierung 2021/22 rund 57 Prozent der insgesamt pro Betrieb gezahlten Zuschüsse aus. Der Rest kommt aus den Haushalten von Bund und Ländern, wobei die Agrardieselförderung rund sechs Prozent der Gesamtsubventionen ausmachte.
Wie viel der landwirtschaftlichen Produktion wird zu Nahrung?
Von 42 Millionen Tonnen angebautem Getreide wurden 2021/22 etwa 15,4 Mio. Tonnen exportiert und 13,6 Mio. Tonnen wieder importiert. 39 Mio. Tonnen wurden in Deutschland verwertet, davon 20 Mio. Tonnen für Tierfutter und 8,9 Mio. Tonnen als Nahrungsmittel. Sowohl in Deutschland als auch in der EU wird mehr Getreide angebaut, als vor Ort benötigt wird. Aus 28 Mio. Tonnen Zuckerrüben wird vor allem Zucker. Aus den Resten wird unter anderem Tierfutter und Ethanol, zum Beispiel für E10-Benzin, hergestellt. 10 Mio. Tonnen Kartoffeln landen dagegen zu einem Großteil auf dem Teller.
Wie viele Subventionen erhalten die Bauern?
Es gibt Subventionen für junge Landwirte, für kleine Betriebe, für ökologische Ausgleichsflächen und noch viel mehr. Je nach Bundesland unterscheiden sich die durchschnittlich gezahlten Beträge pro Hektar. Laut der Fachzeitschrift Agrarheute lagen sie 2019/20 in Bayern bei 508, in Hessen bei 410 und im geringst-geförderten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern bei 334 Euro pro Hektar. 2019/20 erhielt ein Betrieb durchschnittlich 39 000 Euro Direktsubventionen, 2021/22 waren es laut Bundesregierung fast 48 000 Euro – was jedes Jahr einen großen Anteil am Gesamteinkommen ausmachte.
Wie viel verdienen Bauern pro Jahr?
Im Wirtschaftsjahr 2022/23 stieg das durchschnittliche Unternehmensergebnis der Landwirtschafts-Betriebe nach Abzug aller Kosten laut Deutschem Bauernverband auf einen Rekord von 115 400 Euro – eine Zunahme von 45 Prozent. Das liegt laut Verbandspräsident Joachim Rukwied vor allem an den gestiegenen Erzeugerpreisen, die die Bauern für ihre Waren erzielen konnten. Rukwied sieht die Lage dennoch pessimistisch: Preise von Getreide, Ölsaaten und Milch sinken bereits wieder. Die Aussichten für das Folgejahr seien deutlich schlechter.
Bereits 2021/22 waren die Gewinne der Betriebe um 47 Prozent auf 81 935 Euro gestiegen, wie aus Zahlen der Bundesregierung hervorgeht. Im Jahrzehnt davor schwankten die Gewinne zwischen 65 000 und 41 000 Euro pro Jahr.
Wer bekommt in Deutschland denn noch Subventionen?
Aus dem Agrarfonds der Europäischen Union flossen sieben Milliarden Euro im Jahr 2022 in die deutsche Landwirtschaft und Fischerei. Dazu kommt noch mal fast die gleiche Summe aus den Haushalten von Bund und Ländern. Zum Vergleich: Mehr Förderung gibt es in Deutschland nur für energieeffiziente Gebäude, mit knapp 19 Milliarden Euro. Mikroelektronik wird mit knapp vier Milliarden Euro gefördert. (Johannes Rützel)

Bauernproteste ab dem 8. Januar: Wo es in und um Kassel zu Verkehrsbehinderungen kommen kann.

Hier geht es zur Untersuchung der OECD zur Besteuerung von Landwirtscahft (Englisch).

Hier finden Sie den Agrarpolitischen Bericht der Bundesregierung 2023.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikel war im achten Absatz einmal von Quadratmeter - statt wie es richtig heißen müsste Hektar - die Rede. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

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