Weltfrauentag

Teilzeit bleibt Frauensache: Mehr als jede zweite Frau im Kreis arbeitet nicht in Vollzeit

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Zwei feministische Symbole hängen an einem Zaun während einer Kundgebung für Gleichberechtigung vor dem Frauentag.
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Heute wird der Internationale Frauentag gefeiert. Doch der Weg zur echten Gleichberechtigung ist noch lang: Im Schwalm-Eder-Kreis ist Teilzeitarbeit für Frauen die Norm.

Fritzlar-Homberg – Ende Juni 2024 arbeiteten 58,5 Prozent der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Teilzeit – das sind 16.871 von 28.835 Arbeitnehmerinnen. Vor zehn Jahren lag ihr Anteil noch bei 55,2 Prozent.

Bei den Männern hat Teilzeit zwar ebenfalls zugenommen: Während 2014 nur 5,3 Prozent der männlichen Beschäftigten verkürzt arbeiteten, waren es 2024 bereits 14,2 Prozent. Allerdings liegt ihr Anteil mit 4308 Teilzeitbeschäftigten bei 30.314 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Männern weiterhin deutlich unter dem der Frauen.

Auch im Bereich der geringfügigen Beschäftigung seien Frauen überproportional vertreten

„Diese Zahlen zeigen, dass das Thema Chancengleichheit nichts an Bedeutung verloren hat“, sagt Kerstin Wickert-Strippel, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt von der Agentur für Arbeit. Auch im Bereich der geringfügigen Beschäftigung seien Frauen überproportional vertreten: 5302 Frauen im Kreis arbeiten in einem Minijob, bei den Männern sind es 3606.

Platz für starke Frauen

Der Internationale Frauentag wird jährlich am 8. März gefeiert und geht auf die Arbeiterinnenbewegung im 19. und 20. Jahrhundert zurück. In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern ist er ein gesetzlicher Feiertag. Ziel ist, auf Frauenrechte und die Gleichstellung von Frauen und Männern aufmerksam zu machen. Zugleich soll auf noch immer bestehende Ungleichheit hingewiesen werden. In dieser Ausgabe macht die Redaktion deshalb Frauen sichtbar. Auf jeder Seite des Lokalteils erwartet Sie, liebe Leserinnen und Leser, die Geschichte einer Frau.

Als Hauptgründe für die hohe Teilzeitquote bei Frauen nennt Wickert-Strippel die ungleich verteilte Care-Arbeit. „Frauen haben bis heute aufgrund der Aufgabenverteilung im familiären Leben häufiger eine Doppelbelastung zu tragen.“ Insbesondere bei Kindererziehung und Pflege von Angehörigen sind Frauen stärker eingebunden. Fehlende Kita-Plätze oder Betreuungsangebote zu Randzeiten seien zusätzliche Hürden für eine Vollzeittätigkeit.

Arbeitgeber könnten eine wichtige Rolle spielen, um Frauen den Weg in eine höhere Beschäftigung zu erleichtern

Die eingeschränkten Betreuungsmöglichkeiten sind jedoch nicht der einzige Faktor: „Auch die Infrastruktur kann eine Hürde darstellen, falls etwa ein weiteres Auto benötigt wird, um zur Arbeit zu kommen, oder wenn die Internetverbindung für Homeoffice nicht ausreicht“, erklärt Wickert-Strippel. Zudem gebe es Frauen, die auch ohne familiäre Verpflichtungen nicht Vollzeit arbeiten möchten oder keine passende Stelle finden.

Arbeitgeber könnten eine wichtige Rolle spielen, um Frauen den Weg in eine höhere Beschäftigung zu erleichtern. Die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt beraten zu familienfreundlicher Personalpolitik. Flexiblere Arbeitszeiten und Modelle wie Homeoffice könnten einen Beitrag leisten, um mehr Frauen eine Vollzeitstelle zu ermöglichen. (Maja Yüce)

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