VonChristopher Hessschließen
44 Alltagsmenschen zieren seit Ende März die Innenstadt. Am Montag werden die Betonfiguren abgebaut. Die Künstlerinnen, OB Wingenfeld und das City Marketing ziehen eine positive Bilanz – trotz des Vandalismus, der die Alltagsmenschen von Beginn an begleitete.
Fulda - Sie sorgen in der Stadt für Aufsehen und sind an ein beliebtes Fotomotiv: Die Tanzpaare in der Marktstraße, die Bauarbeiter am Bahnhofsvorplatz, zwei Figuren auf einem Familiensofa am Buttermarkt, das Wartezimmer an der Heilig-Geist-Kirche und natürlich der im Aueweiher schwimmende Paule.
Trotz Vandalismus: Freude über Alltagsmenschen in Fulda groß
Die Künstlerinnen Laura und Christel Lechner haben die Figuren entworfen – und sind beeindruckt von der Ausstellung und der Resonanz in Fulda. „Es war eine eindrucksvolle Erfahrung. Die besondere Atmosphäre in Fulda hat wunderbar mit den Skulpturen harmoniert und neue Perspektiven auf die Stadt gezeigt“, sagt Christel Lechner voller Zufriedenheit. „Die Resonanz der Besucher war beeindruckend.“ Die Künstlerin aus Witten an der Ruhr berichtet von vielen positiven Momenten und Begegnungen.
Auch die Kombination der Alltagsmenschen-Ausstellung mit der Landesgartenschau in Fulda ist aus Sicht der Künstlerinnen ein voller Erfolg gewesen. Wo die Fuldaer Alltagsmenschen künftig stehen werden, ist noch unklar. Vorerst geht es für sie zurück ins Atelier.
Die Kosten
Das Projekt wurde in Kooperation zwischen dem Verein City Marketing und der Stadt Fulda durchgeführt. Die Gesamtkosten für den Leihvertrag der Alltagsmenschen belaufen sich laut Edi Leib auf etwa 90.000 Euro. Die Ausstellung wurde im Zuge des hessischen Förderprogramms „Zukunft Innenstadt“ mit 65.000 Euro gefördert.
Die Stadt Fulda hat einen Anteil von 10.000 Euro übernommen, 25.000 Euro steuerte das City Marketing mit Sponsoren bei. Außerdem unterstützte das Betriebsamt den Aufbau der Ausstellung. Auch die Reparatur von Vandalismusschäden haben Handwerker der Stadt Fulda übernommen.
Die Freude der Künstlerinnen kann auch der Vandalismus nicht trüben, dem einige der Figuren in den vergangenen Monaten zum Opfer fielen. Kunst im öffentlichen Raum sei immer auf die Interaktion mit den Betrachtern ausgerichtet. „Meist findet diese mit einem Lächeln im Gesicht statt. Leider gehört auch die Kehrseite der Medaille – mögliche Beschädigungen – dazu“, so Lechner. Nicht nur in Fulda, auch in anderen Städten komme es zu Beschädigungen. Wie groß der Schaden ist, könne noch nicht gesagt werden. „Das müssen wir erst imAtelier sichten“, erklären die Künstlerinnen.
Barockstadt voller Betonfiguren: Lebensgroße „Alltagsmenschen“ der Künstlerinnen Christel und Laura Lechner nun zu sehen




Nicht der Vandalismus bleibe den beiden in Erinnerung, sondern der kreative und positive Umgang der Fuldaer damit. Als einer Dame der Installation „Das Wartezimmer“ ein Fuß fehlte, hatten Passanten ihn liebevoll bandagiert.
Zufriedenheit herrscht auch bei Oberbürgermeister Heiko Wingenfeld (CDU): „Die Alltagsmenschen haben unsere Innenstadt in diesem Sommer bereichert und vielen Menschen – Gästen wie Einheimischen – Freude bereitet“, sagt der OB auf Anfrage unserer Zeitung.
Das sagen Passanten zu den Alltagsmenschen
Henrik de Kruijff und Marie: „Am lustigsten fand ich die duschenden Alltagsmenschen am Universitätsplatz“, sagt der 74-jährige aus Schlitz. Er findet es schade, dass die Figuren am Montag abgebaut werden. „Das war eine gute Aktion, die Leute hatten viel Spaß mit den Alltagsmenschen.“
Nicole Weider: „Als ich die Alltagsmenschen in der Löherstraße das erste mal gesehen habe, dachte ich, es wären die Bewohner des Altenheimes“, sagt die 53-Jährige lachend. Dass die Figuren häufiger beschädigt wurden, liege daran, „dass viele Menschen fremdes Eigentum und Kunst nicht mehr schätzen.“
Ingeborg Gebhardt: Die 63-jährige aus Hofbieber, findet es schade, dass die Alltagsmenschen die Innenstadt verlassen: „Die Figuren haben mich immer zum Schmunzeln gebracht. Das sie mehrmals Opfer von Vandalismus geworden sind, konnte ich nicht nachvollziehen.“
Nicole Hasani: „Von mir aus könnten die Alltagsmenschen stehen bleiben“, meint die 49-jährige aus Engelhelms. Besonders gefallen haben ihr die tanzenden Figuren am Buttermarkt. „Dass die Figuren jetzt abgebaut werden, ist ein Verlust für die Stadt.“
Jochen Luft: Der 57-jährige Fuldaer sagt: „Man hat sich an die Alltagsmenschen gewöhnt, sie sind Teil des Stadtbildes geworden.“ Auch er wird die Figuren vermissen. „Die Alltagsmenschen waren perfekt für lustige Fotos und haben sicherlich viele zum Verweilen eingeladen.“
Auch wenn es zu Schäden durch Vandalismus oder Unachtsamkeit gekommen war, so sei die Erfahrung für die Stadt eine positive. „Daher freut es uns, dass wir eine Figur erwerben konnten, die dauerhaft in Fulda bleibt: Der Schwimmreifenmann Paul im Aueweiher.“ Was der Erwerb der Figur kostet, dazu machten die Stadt und die Künstlerinnen keine Angaben.
Edi Leib vom City Marketing hatte die Idee, die Alltagsmenschen nach Fulda zu holen – und verwirklichte diese gemeinsam mit der Stadt Fulda. „Ich war fasziniert davon, wie positiv die Menschen auf diese Figuren reagieren“, sagt Leib . „Die Alltagsmenschen strahlen eine gewisse Grundzufriedenheit aus, eine positive Sicht auf die Dinge – das wirkt einfach ansteckend.“
