Genau vier Wochen nach der ersten Flutwelle hat am Donnerstagabend erneut Starkregen vor allem Reinhardshagen heimgesucht.
Reinhardshagen – Um kurz vor 19 Uhr ging dort der erste Hilferuf bei der Feuerwehr ein. Eine halbe Stunde später stand fest, dass die Reinhardshäger Wehr die Lage nicht mehr allein bewältigen konnte: Sechs Katastrophenschutzzüge aus dem Kreis Kassel wurden zur Verstärkung alarmiert. Auch Hemeln auf der anderen Weserseite war stark betroffen. Menschen wurden nicht verletzt.
Starkregen von bis zu 100 Liter auf einen Quadratmeter sorgten vor allen in Veckerhagen und Vaake für schwere Überschwemmungen. Erneut stauten sich Wassermassen auch in Gottsbüren. Der Trendelburger Stadtteil ist noch immer mit den Folgen des schweren Unwetters von Anfang August beschäftigt.
Überflutete Straßen und vollgelaufene Keller gab es in weiteren Orten – wenn auch in geringerem Ausmaß. Der Landkreis meldet insgesamt 200 Einsatzstellen. Elf Einsätze bis 23 Uhr gab es in Grebenstein. Bis Mitternacht war die Feuerwehr Hofgeismar in der Kernstadt, in Hombressen und Kelze im Einsatz. Am Abend füllten die Wehrleute 500 Sandsäcke. Auch im Tierpark Sababurg hatte es stark geregnet. Die Anlagen blieben weitgehend verschont, der Park ist geöffnet.
In Veckerhagen und Vaake arbeiteten die Feuerwehrleute bis zum Morgen dagegen 175 Einsatzstellen ab. Vor allem vollgelaufene Keller mussten sie leer pumpen. Auch am Freitagvormittag stand das Telefon im Reinhardshäger Feuerwehrhaus nicht still.
In dem Ort an der Weser hatte es zudem Hagel und Sturm gegeben. Dadurch waren etliche Bäume umgestürzt, jeweils zwei stürzten auf Häuser und Autos. Zu Beginn des Unwetters blockierten Bäume auch Straßen. Das erschwerte die Anfahrt und die Einsätze der Feuerwehr. Auch der Flutgraben am Feuerwehrhaus war bei der ersten Alarmierung schon über die Ufer getreten.
Die Niederschläge überfluteten Keller, Garagen und Gärten. Zum Teil drückte das Wasser aus Kellereinläufen, Waschbecken und Toiletten in die Häuser. Als eine Folge des Unwetters ist auch das Freibad in Veckerhagen ab sofort geschlossen.
Noch in der Nacht bat Bürgermeister Fred Dettmar seine Kollegen um Unterstützung durch deren Bauhöfe. Um 7 Uhr hätten sich die ersten Mitarbeiter gemeldet, um ihre Reinhardshäger Kollegen bei den Aufräumungsarbeiten zu unterstützen.
Warum das Unwetter stärker ausfiel als zunächst angekündigt, erklärt Wetterbeobachter Florian Knauf aus Holzhausen: Eine dünne Wolkenschicht habe eine sogenannte Konvergenzlinie aus feuchten, warmen Luftmassen über der Region daran gehindert, als Gewitterwolken aufzusteigen. In dieser Zeit sammelte sich in den Wolken enorm viel Wasser an. Dann brach die Schicht unerwartet, die Gewitterwolken stiegen auf und bildeten immer wieder neue Zellen.