Elektroautos

Verkauf von E-Autos schleppend: Förderstopp bremst Nachfrage im neuen Jahr

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Derzeit kaum gefragt: Elektroautos wie dieser Renault Twingo, den Michael Möller in seinem Autohaus in Balhorn im Programm hat. Zuvor hatten Fördergelder und Herstellerprämien von insgesamt bis zu 7000 Euro pro E-Auto die Nachfrage angekurbelt.
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  • Paul Bröker
    Paul Bröker
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Die Förderung ist gestoppt, prompt ebbt die Nachfrage ab: Das erleben derzeit Autohändler im Landkreis Kassel, die Elektroautos in ihrem Programm haben.

Kreis Kassel – Nachdem der staatliche Umweltbonus für Elektroautos Ende des vergangenen Jahres ausgelaufen ist und damit früher als geplant endete, steht der Markt für E-Autos auch im Landkreis Kassel vor vielen Ungewissheiten.

„Im vergangenen Jahr haben wir im Durchschnitt pro Monat drei Elektrofahrzeuge verkauft, jetzt im Januar haben wir noch kein einziges verkauft“, berichtet Michael Möller, Inhaber des Renault-Händlers H. K. Möller im Bad Emstaler Ortsteil Balhorn. Ähnliches hört man vom Autohaus Fiege in Hofgeismar. Auch dort sei die Nachfrage mit dem Wegfall der staatlichen Förderung eingebrochen.

Dabei sind die Fahrzeuge laut Händler liefer- und bestellbar. „Und das mit überschaubaren Lieferfristen von maximal vier bis fünf Monaten“, wie Möller erklärt.

Woran der Nachfrage-Einbruch liegt? „Die Zinsen sind derzeit hoch, was das Leasing verteuert“, nennt Möller als einen Grund. Gerade bei Elektroautos seien Leasing und Finanzierung beliebt. „Die Kunden leasen erstmal, um zu schauen, ob das mit dem E-Auto überhaupt für sie funktioniert, etwa ob die Reichweite ausreicht.“ Vor zehn Jahren, als der erste Renault Zoe auf den Markt kam, hätten dagegen viele Enthusiasten bei ihm Elektroautos ohne Finanzierung gekauft. „Die waren davon überzeugt, heutige Käufer sind eher Bedenkenträger“, sagt er.

Selbst elektrische Gebrauchtwagen sind wenig gefragt: Das sagt Verkaufsleiter Jakob Simon (Foto) vom Autohaus Ostmann in Hofgeismar.

Ein Grund für Zurückhaltung: „Die Zinsen sind derzeit hoch, was das Leasing verteuert“

Das bestätigt Jakob Simon, Verkaufsleiter beim Autohaus Ostmann in Hofgeismar. Er nennt Unsicherheiten in der Ladeinfrastruktur, aber auch bei der Frage: Was tun, wenn die Batterie schlapp macht? Die koste im Schadensfall bis zu 25 000 Euro. Vielleicht auch ein Grund, warum die meisten E-Autos, die man auf der Straße sieht, geleast sind, vermutet er.

Nach dem Leasing landeten die Fahrzeuge meist über die Hersteller beim Gebrauchtmarkt. Solche E-Autos verkauft Ostmann in Hofgeismar. Die Nachfrage: verhalten. Vor allem seit dem Auslaufen der staatlichen Förderung sinken laut Verkaufsleiter mit der Nachfrage auch die Preise von E-Autos – ob neu oder gebraucht.

Das zeigt das Beispiel des Renault Mégane E-Tech. Autohändler Michael Möller aus Balhorn erklärt: „Der hat bis Ende vergangenen Jahres 42 000 Euro gekostet. Jetzt ist der Listenpreis seit 1. Januar auf 35 000 Euro gesenkt worden, um die fehlende Förderung auszugleichen.“

Kein Enthusiasmus mehr: Kunden kaufen heute Elektroautos aus praktischen Gründen

Einen kurzfristigen Anstieg der Nachfrage bemerkten Händler im September, als es eine Förderung für eine Wallbox (E-Auto-Ladestation) in Verbindung mit einer Fotovoltaikanlage und einem Batteriespeicher gab. Kunden kauften dann auch E-Autos aus praktischen Gründen, etwa um ihre Solar-Anlage auszulasten. Der Ansturm hielt aber nur kurz, denn der Fördertopf sei schnell leer gewesen.

Ohne Prämie und staatliche Förderung liegt man bei einem E-Mittelklassewagen schnell bei 40 000 bis 60 000 Euro. „E-Autos bieten Potenzial, aber für die Allgemeinheit sind sie noch zu teuer.“

Gut 7000 Euro machten die Förderung und die Händlerprämie beim Kauf eines Elektroautos aus. Immerhin gleiche in seinem Fall Renault für alle bis zum 17. Dezember bestellten Autos die ausgelaufene Prämie teilweise aus, wenn das Fahrzeug bis Ende März zugelassen wird, erklärt Autohändler Michael Möller aus Balhorn. Und er ist sich sicher, dass es auch bei den Herstellern noch Spielraum beim Preis gibt. Denn: „Weil die Nachfrage durch die bisherige Förderung hoch war, konnten auch hohe Preise verlangt werden.“ (Paul Bröker und Valerie Schaub)

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