VonOliver Teutschschließen
Die Frankfurter Polizei will die Überwachung im Bahnhofsviertel weiter ausbauen, vor allem während der Euro 2024
Es vergeht derzeit kaum ein Tag, ohne dass die Polizei einen Ermittlungserfolg im Bahnhofsviertel dank Videoüberwachung vermeldet. Am Karfreitag etwa wurde mittels der Kamerabilder eine Serie von Diebstählen aus Fahrradkörben aufgeklärt. Überwachungsaufnahmen zeigten, wie ein Mann am 22. März einen Rucksack aus einem Fahrradkorb entwendet. Dank der detaillierten Täterbeschreibung, die eine Kamera liefert, konnte in der vergangenen Woche ein 44-Jähriger im Bahnhofsviertel festgenommen werden. In seinem Hotelzimmer fand die Polizei Einbruchswerkzeuge und die Beute aus weiteren Diebstählen.
Die Polizei spricht in Erfolgsmeldungen wie dieser beharrlich von „Videoschutzanlagen“, auch wenn die Überwachung ja keine der Taten tatsächlich verhindert, wie der tragische Fall Anfang März gezeigt hat, als ein Rollstuhlfahrer in der Kaiserstraße quasi vor laufender Kamera erstochen wurde. Polizeipräsident Stefan Müller pries in der Vorstellung der Kriminalitätsstatistik unlängst dennoch die präventive Wirkung der Überwachung an. Von Gewerbetreibenden gebe es dazu positive Rückmeldungen. Etwa von einem Varieté in der Elbestraße, wo zu Einlasszeiten schon mal 150 Menschen in einer Schlange vor der Tür warteten, nun aber wegen der Kameraüberwachung Ecke Taunusstraße vor Taschendiebstählen gefeit seien.
Auch ein weiteres Argument gegen die Kameraüberwachung versuchte Müller zu entkräften: Jenes, wonach solche Kameras nichts einbringen, solange niemand das auflaufende Bildmaterial in Augenschein nimmt. Dafür fehlte bei der Polizei in der Vergangenheit tatsächlich schlicht die Manpower. Nun sagte Müller: „Wir sehen im Moment im Bahnhofsviertel 22 von 24 Stunden auf die Monitore drauf.“ Zur Untermauerung präsentierte der Polizeipräsident Zahlen: Allein in den ersten beiden Monaten dieses Jahres habe es im Bahnhofsviertel 182 Videoauswertungen gegeben, mit denen 102 Straftaten aufgeklärt worden seien, darunter 27 Rauschgiftdelikte, 24 Eigentumsdelikte, elf Körperverletzungen und zehn Raubstraftaten. Ähnliche Erfolgsmeldungen gibt es Müller zufolge auch dank der Überwachung in der Innenstadt.
Kameras im Viertel
Im Bahnhofsviertel gibt es zwei von der Stadt betriebene moderne Kamerastandorte: die erst im Januar in Betrieb genommene Anlage in der Kaiserstraße/Ecke Moselstraße und die Anlage in der Taunusstraße/Ecke Elbestraße. Die Kameras auf dem Bahnhofsvorplatz sind veraltet und sollen bald ausgetauscht werden.
Die Polizei betreibt eine weitere Kamera in der Düsseldorfer Straße, eine mobile Anlage, die auch andernorts eingesetzt werden kann. ote
Die Videoüberwachung soll daher weiter ausgebaut und modernisiert werden. In der Kaiserstraße und in der Taunusstraße sollen zwei Standorte hinzukommen, die den Bahnhofsvorplatz ins Visier nehmen. Auf dem Bahnhofsvorplatz selbst gibt es zwar eine Anlage, allerdings ist die so alt, dass die gelieferten Bilder kaum noch etwas taugen. Bei den neuen Kameras handelt es sich um zwei städtische Anlagen, die eigentlich auf dem Bahnhofsvorplatz selbst installiert werden sollten. Dort gibt es aber wegen der Tiefbauarbeiten Probleme mit dem Untergrund. Unklar ist noch, wann die neuen Kameras installiert werden. Der Magistrat wollte damit eigentlich bis zum Abschluss der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes warten. Polizeipräsident Müller sprach zuletzt von „April, Mai“, also noch vor der Fußball-Europameisterschaft. Frankfurts Sicherheitsdezernentin Annette Rinn (FDP) bestätigte auf FR-Anfrage die zwei neuen Standorte, einen Termin für die Installation gebe es aber noch nicht.
Fest steht, dass die Polizei die Kameraüberwachung zumindest während der EM weiter ausbaut. Allein im Bahnhofsviertel soll es zwei bis drei zusätzliche Standorte geben. Im Polizeipräsidium werde dafür eigens ein „Video Operation Center“ eingerichtet, um alle Kamerabilder in der Stadt im Auge behalten zu können.
