Kassel

Violetta Bock zieht für die Linke in den Bundestag ein

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Zieht in den Bundestag ein: Violetta Bock von den Linken, die auf der Landesliste ihrer Partei auf Platz drei stand.
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Die Linke feiert auch in Kassel: Direktkandidatin Violetta Bock kommt in den Bundestag. Ein Stimmungsbild von der Wahlparty.

Es ist 19.08 Uhr, als die Frau des Abends vor ihre Anhänger tritt. „Ich bin Vio“, sagt Violetta Bock, „und ich glaube, ich bin eure Bundestagsabgeordnete. Das ist schon ziemlich cool.“ Der Saal jubelt. Viele hier hatten mit einem guten Abschneiden der Linken gerechnet. Aber nicht mit einem so guten.

Wie fühlt sich das an? Sie könne ihre Gemütslage „noch gar nicht richtig beschreiben“, sagt Bock kurz nach der ersten Hochrechnung. Dabei ist ihr Einzug in den Bundestag über die hessische Landesliste zu diesem Zeitpunkt so gut wie sicher. Aber Bock drängt sich nicht gern in den Mittelpunkt, spricht lieber über den „tollen Wahlkampf“ ihrer Genossen, über die Inhalte ihrer Partei. „Miete, steigende Preise, soziale Ungerechtigkeit: Wir haben auf die richtigen Themen gesetzt“, sagt die 37-Jährige.

So sieht das auch Lucia Lassalle. „Die Linke ist die einzige Partei, die sich noch für soziale Interessen einsetzt“, meint die 19-Jährige. Lassalle ist eine von vielen Erstwählerinnen, die zur Wahlparty im Kurdischen Zentrum am Stern gekommen sind. Der Erfolg der Linken, er ist laut Demoskopen vor allem den Jungen zu verdanken. Xaveria Obeng ist 18 und hat die Partei nicht nur gewählt, sondern ist vor kurzem auch in sie eingetreten. Wie sie das Ergebnis findet? „Stabil“, sagt die Schülerin.

Neumitglieder wie Obeng haben den Wahlkampf der Linken auch in Kassel beflügelt. Dessen Bilanz ist auf einem Poster im Saal festgehalten: An 5361 Haustüren haben die Wahlkämpfer geklingelt, 200 Liter Kaffee ausgeschenkt, 1400 Hanutas verteilt. Seit dem Ampel-Bruch im November hat der Kreisverband Kassel 302 Eintritte verzeichnet – und damit seine Mitgliederzahl verdoppelt. Jason von Seeger ist seit Dezember dabei. „Ich habe gemerkt, dass ich irgendwas politisch machen muss, auch gegen den Rechtsruck“, sagt der 36-Jährige.

Für den Rechtsruck steht insbesondere, dass Union und AfD bei der Asylpolitik gemeinsame Sache im Bundestag gemacht haben. Noch am Samstag hatte CDU-Chef Friedrich Merz gesagt, es gebe „keine linke Mehrheit und keine linke Politik mehr in Deutschland“. Dazu sagt Violetta Bock: „Da täuscht er sich. Die Zeit der Linken fängt gerade erst an.“

Vor allem die Zeit von Violetta Bock dürfte gerade erst anfangen. Seit 2016 sitzt die gebürtige Passauerin für die Linke in der Stadtverordnetenversammlung, war Spitzenkandidatin bei der letzten Kommunalwahl, wollte Oberbürgermeisterin und Landtagsabgeordnete werden. Bock, die im Wahlkampf Lastenrad fährt, ist weit über ihren Stadtteil Rothenditmold hinaus als jemand bekannt, die den Menschen zuhört, sich für ihre Belange einsetzt. Vor allem bei ihrem Lieblingsthema, der Miete.

Auch in Berlin dürfte sie sich weiter ums Bauen und Wohnen kümmern, glaubt Mitstreiterin Nora Schmid. Wird sie in Kassel fehlen? „Ich glaube, wir werden sie nicht zu sehr vermissen. Sie wird oft in Kassel sein.“ Bock steht ein paar Meter entfernt und signiert gerade das „Kommunistische Manifest“. Für Neumitglieder gibt es den Klassiker von Karl Marx und Friedrich Engels geschenkt.

Um Viertel vor sechs, also vor der ersten Hochrechnung, läuft sie einer Unterstützerin in die Arme. Drei Tage lang habe sie vor Aufregung kaum schlafen können, sagt die Frau. Bock schmunzelt, ihr sei es nicht so gegangen. 15 Minuten vor dem größten Erfolg ihres politischen Lebens ist Violetta Bock die Ruhe selbst.

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