Herausforderung ist groß

Wärmeplanung: Kommunen im Altkreis müssen neues Gesetz umsetzen

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Wärmepumpe: Wer eine kauft, möchte im Voraus Planungssicherheit haben.
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Lohnt sich eine Wärmepumpe oder baut meine Kommune bei mir ein klimafreundliches Wärmenetz? Um diese Frage von Hauseigentümern zu klären, sollen Kommunen mit weniger als 100 000 Einwohnern bis zum 30. Juni 2028 Wärmepläne ausarbeiten. Betroffen sind alle sechs Kommunen im Altkreis Wolfhagen.

Wolfhager Land – Obgleich der Gesetzentwurf erst nach der Sommerpause im Bundestag verabschiedet werden soll und voraussichtlich zum 1. Januar 2024 in Kraft tritt, bereiten sich die Kommunen bereits auf die Wärmeplanung vor.

So etwa die Stadt Zierenberg: „Wir haben uns mit sieben weiteren Kommunen für eine gemeinsame Klimaschutzkoordination durch die Energie2000 entschieden“, sagt Bürgermeister Rüdiger Germeroth (SPD).

Auch in Bad Emstal befürwortet die Gemeinde eine Kooperation: „Ich sehe die Koordinierungsfunktion bei der Wärmeplanung eher auf übergeordneter Ebene“, sagt Bauamtsmitarbeiter Martin Vazquez-Boßdorf. Wenn jede Kommune einzeln arbeite, ergebe das eigentlich keinen Sinn. Manche Kommunen seien schließlich bereits an ein Wärmenetz angebunden, das man gemeinsam weiterentwickeln könnte.

Auch Habichtwalds Bürgermeister Dr. Daniel Faßhauer (SPD) sagt: „Aus Sicht der Gemeinde Habichtswald plädiere ich für eine interkommunale Herangehensweise.“

Wolfhagen und Breuna verweisen auf ihre gute Ausgangslage. „Die Stadt Wolfhagen hat bereits in den letzten Jahren den Schwerpunkt ihres Klima-/Energiemanagements auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien gelegt“, sagt Bürgermeister Dr. Dirk Scharrer (parteilos). Neben dem Aufbau von Windkraft- und Fotovoltaikanlagen sei auch eine Biogasanlage, die unter anderem der Wärmeerzeugung für die Schule und das Schwimmbad dient, zu nennen.

Die energetischen Quartierskonzepte, die in drei bis fünf Jahren zum Abschluss kommen, seien exemplarisch für das Engagement seiner Gemeinde in Sachen Wärmeplanung, sagt Breunas Bürgermeister Jens Wiegand (parteilos). Denn bei den Quartierskonzepten seien die Punkte Wärme und Energie Hauptthemen.

Wie in vielen anderen Kommunen war die Wärmeplanung in Naumburg bislang nicht Thema in den Gremien. Bürgermeister Stefan Hable (CDU) erwartet vom Land Hessen Handlungsempfehlungen für die Kommunen, sobald das Gesetz durch den Bundestag gegangen ist.

Wolfhager Land – Die Bundesregierung hat in Aussicht gestellt, die deutschen Kommunen bei der Erstellung von Wärmeplänen von 2024 bis 2028 mit insgesamt 500 Millionen Euro zu unterstützen – wohlgemerkt nur für die Ausarbeitung der Pläne. Die konkreten Maßnahmen, wie zum Beispiel der Bau von Fernwärmenetzen, ist darin nicht inbegriffen.

Die Herausforderungen sind groß: Denn nach dem neuen Wärmeplanungsgesetz sind die Auflagen für Wärmenetze wesentlich strenger: Neue Wärmenetze müssen bereits ab 1. Januar 2024 mit mindestens 65 Prozent erneuerbarer Wärme betrieben werden.

Die Kommunen im Altkreis Wolfhagen sind, so zeigt es die HNA-Anfrage, jedoch darauf vorbereitet, die Pläne zur Wärmeplanung auszuarbeiten. Bislang warten die meisten aber noch die Verabschiedung des Gesetzes ab.

Zierenberg

Für Zierenberg sei nun bei der Agentur Energie2000 Lucia Dietz als gemeinsame Klimaschutzkoordinatorin zuständig und werde für die beteiligten Kommunen eine kommunale Wärmeplanung erstellen, erklärt Bürgermeister Rüdiger Germeroth (SPD).

„Wir werden dazu zunächst – gemeinsam oder einzeln – Förderanträge beim Bund stellen“, sagt Germeroth. Danach werde sich Lucia Dietz mit der Bestands- und Potenzialanalyse befassen.

Naumburg

Man habe sich entschieden, zunächst den Abschluss des Gesetzgebungsverfahrens abzuwarten, bevor man tätig werde, erläutert Naumburgs Bürgermeister Stefan Hable (CDU). „Wir erwarten, dass es dann hierzu noch Umsetzungsempfehlungen – auch vonseiten des Landes Hessen – für die Kommunen geben wird“, sagt Hable weiter.

Wolfhagen

Man sei sich natürlich der kommenden Aufgabenstellung bewusst, sagt Wolfhagens Bürgermeister Dr. Dirk Scharrer (parteilos). „Da das Gesetzgebungsverfahren aber noch nicht abgeschlossen ist, haben wir auch noch keine weiterführenden bzw. konkreten Gespräche mit unseren eigenen Energiebetrieben (Stadtwerke und der RWL) geführt, die wir natürlich in das Thema mit einbinden möchten.“

Habichtswald

Die Wärmeplanung sei bislang kein Thema der kommunalen Gremien gewesen, erklärt Habichtswalds Bürgermeister Dr. Daniel Faßhauer (SPD). Dies hänge damit zusammen, dass bislang nur eine Verpflichtung dazu für Gemeinden über 10 000 Einwohnern bestand.

In der Gemeinde existieren laut Faßhauer bislang keine Wärmenetze. Derzeit werde die Errichtung eines Wärmenetzes für das Neubaugebiet Panoramablick geprüft.

Er gibt zu bedenken, dass die Pläne mitunter nur von Fachingenieuren erarbeitet und zusammengestellt werden können. Die Fülle an Aufgaben für die Gemeinde habe in den letzten Jahren enorm zugenommen. „Mit bestehendem gemeindeeigenem Personal ist diese Fülle an Aufgaben kaum zu stemmen“, bemängelt Faßhauer.

Breuna

„Das Thema ist den Gremien bekannt, wurde bisher aber noch nicht als offizieller Tagesordnungspunkt behandelt“, sagt Breunas Bürgermeister Jens Wiegand (parteilos). Denn das Gesetz sei ja noch nicht verabschiedet.

Dennoch sehe man sich gut aufgestellt. Das geförderte Bundesprogramm „Quartierskonzepte“ laufe seit November 2022 zunächst befristet für drei Jahre.

Zudem habe Breuna bereits mehrere Wärmenetze. So etwa Nahwärme im Bioenergiedorf Wettesingen mit über 200 angeschlossenen Häusern. Dazu kämen kleinere Wärme-Quartiere in Breuna. Zum einen der Verbund Grundschule-Märchenlandtherme-Kindergarten sowie drei Wohngebäude. Zum anderen der Verbund Rathaus-Dorfgemeinschaftshaus-Ehemaliges Ratshotel. Darüber hinaus in Oberlistingen mit Kindergarten, Sportplatz und vier Wohngebäuden.

Fernwärme: bislang vor allem in Breuna.

Bad Emstal

Der Bad Emstaler Bauamtsmitarbeiter Martin Vazquez-Boßdorf bestätigt, dass die Gemeinde im Interesse ihrer Bürger grundsätzlich Überlegungen zur Wärmeplanung anstellt. Konkrete Maßnahmen seien noch nicht erarbeitet worden und seiner Kenntnis nach sei das neue Gesetz bislang nicht in den Gremien diskutiert worden.

Seine Kommune sei bislang nicht an ein Wärmenetz angebunden.

(Paul Bröker)

Wärmenetze sollen bis 2045 klimaneutral sein

Laut dem Statistischen Bundesamt lag der Anteil erneuerbarer Energien an der Fernwärme 2021 bei nur 17,5 Prozent. Hinzu kamen 5,6 Prozent durch Abwärme. Nach dem neuen Wärmeplanungsgesetz müssen bis 2030 bestehende Wärmenetze zu 30 Prozent aus Erneuerbaren Energien, aus Abwärme oder aus einer Kombination von beiden betrieben werden. Bis 2040 soll dieser Anteil bis zu 80 Prozent betragen. Bis 2045 müssen alle Wärmenetze klimaneutral sein. 

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