Aufruf von „Fridays for Future“

Wandel in der Klimapolitik: Mehr als 100 Menschen in Witzenhausen auf der Straße

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Mit zahlreichen Plakaten waren die Menschen zu der Demo gekommen.
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Das Klima muss wieder mehr in den Vordergrund rücken – das ist eines der Ziele der mehr als 100 Demonstrierenden in Witzenhausen am Freitag gewesen.

Witzenhausen – „Get up, stand up. Don‘t give up the fight“, dröhnte Bob Marleys Stimme aus den Lautsprechern über den Witzenhäuser Marktplatz, während sich dieser immer weiter füllte. Die zuerst recht überschaubare Menge an Demonstrantinnen und Demonstranten wuchs kurz nach 14 Uhr immer weiter an. Etwa 150 Menschen waren laut Veranstalter – die Polizei spricht von etwa 120 Teilnehmern – gekommen, um genau das zu tun, wozu sie Bob Marleys Liedzeilen aufforderten: Sie geben den Kampf nicht auf und stellen sich gemeinsam der Klimakrise entgegen.

„Krieg, Wirtschaftsflaute und Migration überschatten seit Jahren den Diskurs um den Klimaschutz“, gab Organisatorin Nicola Mai zu bedenken. Doch man solle sich nicht von Scheindebatten ablenken lassen, ruft Mai die Teilnehmenden auf. „Alle Parteien scheinen sich dem Motto verschrieben haben: Planeten gibt es viele, die Wirtschaft nur einmal“, sagte Mai. Denn das Klima scheint im öffentlichen Diskurs in letzter Zeit unterzugehen, darin sind sich die Demonstrierenden einig.

Das Thema „Klima“ gerät ins Hintertreffen

„Das Weltklima ändert sich – und das in einer Geschwindigkeit, die die meisten Voraussagen der Wissenschaft übertreffen“, sagte ein Redner der Seebrücke Witzenhausen.

„Alle reden über Politik, aber wer redet noch über das Klima?“, fragte sich auch der Demonstrant Siegfried Asselmeyer. Die großen Demonstrationen gegen rechts seien sehr wichtig, dennoch sollten sich alle Organisationen, die ein demokratisches Verständnis haben, auch für das Klima einsetzen, sagte Asselmeyer. „Doch das Klima steht in letzter Zeit an letzter Stelle.“ Da aber jeder noch so kleine Beitrag wichtig sei, laufe er mit dem Demozug vom mit.

„Wäre die Erde eine Bank, hättet ihr sie längst gerettet“: Mit zahlreichen Plakaten demonstrierten Menschen auf den Straßen Witzenhausens für mehr Klimagerechtigkeit.

Dem kalten Wetter zum Trotz fanden sich zahlreiche junge sowie ältere Menschen ein, um unter anderem „für mehr Schnee“ – wie es auf einem der vielen bunt gestalteten Plakate hieß – zu demonstrieren. Mit einem sportlichen Teil zwischen den Redebeiträgen sollte den lauschenden Demonstranten wieder warm werden: „Hoch mit dem Klimaschutz“, rief einer der Organisatoren in das Mikrofon, während alle Anwesenden ihre Arme in die Luft streckten. Unter den Rufen „Runter mit der Kohle“ gingen alle in die Knie. Nach einigen Wiederholungen schien auch dem Letzten wieder warm zu sein.

Doch nicht nur in Witzenhausen demonstrierten am Freitag die Menschen für gerechtere Klimapolitik. Laut der Bewegung „Fridays for Future“ gingen 130.000 Menschen bei bundesweit 156 Demonstrationen mit einem gemeinsamen Anliegen auf die Straßen: der Forderung nach Klimagerechtigkeit. Zu den Demonstrationen aufgerufen hatte Fridays for Future, doch auch ein breites Bündnis an Organisationen – etwa Campact, Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe – unterstützen die bundesweiten Streiks mit dem Ziel der Modernisierung der Klimapolitik. (Evelina Kern)

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